50 Teilnehmer diskutieren beim ersten Bürgerforum zum neuen Mobilitätskonzept
Wie sieht der Verkehr der Zukunft aus?

Paderborn (WB). Mehr Verkehr, mehr Pendler, mehr Lieferverkehr – gleichzeitig soll mehr fürs Klima getan und die Umwelt geschützt werden. Das sind die Rahmenbedingungen, mit denen sich das neue Integrierte Mobilitätskonzept (IMOK) für Paderborn auseinandersetzen muss. Am Mittwochabend hat dazu das erste von drei Bürgerforen stattgefunden.

Freitag, 08.11.2019, 03:00 Uhr aktualisiert: 08.11.2019, 05:02 Uhr
Stau in der Stadt – ein typisches Bild im Feierabendverkehr. Das Bild zeigt das Westerntor von der Borchener Straße aus. Foto: Jörn Hannemann

Worum geht es beim Integrierten Mobilitätskonzept?

Unter anderem darum, wie die Stadt 2035 aussehen soll. Und wie die Verkehrsströme verlaufen werden. Die Frage ist, wie eine nachhaltige Verkehrsplanung erreicht werden kann – mit weniger Individualverkehr und mehr ÖPNV. Dabei sollen alle Verkehrsteilnehmer und -nutzer berücksichtigt werden: vom Schüler bis zum Senior, vom Radfahrer bis zum Autofahrer, vom Studenten bis zum Touristen. Der letzte Verkehrsentwicklungsplan wurde vor 15 Jahren erstellt. Ein neuer Plan ist also überfällig. Mit dem ersten Bürgerforum ist nun ein zweijähriger Prozess gestartet worden. »Wir wollen den Bürgern vor allem erst einmal zuhören und mit ihnen ins Gespräch kommen«, sagte Projektleiter Christian Bexen von der Planersocietät Dortmund, die das Mobilitätskonzept erarbeitet, zu den etwa 50 Teilnehmern in der Aula der Friedrich-Spee-Gesamtschule.

Welche Leitlinien und Ideen sind bereits festgehalten worden?

Die Liste ist schon jetzt lang. Die Taktfolge der Regionalbahnen und der Buslinien soll verbessert werden. Der Regionalverkehr soll besser mit dem Stadtverkehr vernetzt werden. Die Ticketsysteme sollen intelligenter und einfacher werden. Das Radwegenetz soll ausgebaut werden. Ampeln sollen sich intuitiv auf die Verkehrsteilnehmer einstellen. Für Kinder und Jugendliche soll die Situation sicherer werden. Immerhin jeder sechste Einwohner der Stadt ist unter 18 Jahre alt. Auch insgesamt soll die Verkehrssicherheit verbessert werden, die Unfallzahlen sollen sinken. Die Innenstadt soll emissionsfrei werden, die Lebensqualität soll gesteigert werden. Zudem soll es mehr Anreize zur ÖPNV-Nutzung geben. Das Parkleitsystem soll verbessert werden und die Innenstadt barrierefrei erreichbar sein. Barrierefreiheit ist nach Angaben der Verkehrs­planer für zehn Prozent der Bevölkerung in Paderborn erforderlich. Alles in allem keine leichten Ziele, die auch miteinander in Einklang gebracht werden müssen.

Wie ist der weitere Ablauf?

In der ersten Phase, die bis Anfang 2020 dauert, soll eine Bestandsaufnahme erfolgen. In Phase B sollen in der ersten Jahreshälfte 2020 weitere Ziele und Prognosen formuliert werden. Danach sollen Maßnahmen bewertet und abgestimmt werden. Dann sind erneut Bürgerforen vorgesehen. Auch ein Online-Dialog ist geplant, mit dem gezielt junge Menschen angesprochen werden sollen. 2021 soll dann ein konkretes Handlungskonzept entstehen.

Außer den Ideen und Wünschen der Bürger sollen auch Vorschläge der Arbeitsgruppe Mobilität und des Projektbeirats einfließen, in dem unter anderen Vertreter aus Polizei, ADFC, IHK sowie Senioren- und Behindertenvertreter sitzen. Der stellvertretende Bürgermeister Dieter Honervogt (CDU) betonte, früher hätten Verwaltung, Politik und Fachbüros das alleine gemacht. »Das können wir heute nicht mehr. Wir brauchen Ihre Ideen und müssen das gemeinsam mit den Bürgern lösen.«

Was sind die größten Probleme in Paderborn?

Unter anderem die Verkehrs­situation auf dem Inneren Ring sowie in Elsen und Schloß Neuhaus. Das haben die Verkehrsplaner bereits ausgemacht. Zudem gibt es noch erhebliche Lücken im Radwegenetz. Als sogenannte Lärmbrennwerte wurden die Südstadt, die östliche Kernstadt, Wewer sowie Schloß Neuhaus bewertet. Auch die Touristen verursachen Verkehr. Immerhin zählt die Stadt pro Tag 535 ankommende Übernachtungsgäste. Hinzu kommen die zahlreichen Tagestouristen. Ein Vergleich der Jahre 2013 mit 2018 zeigt, dass die Nutzung von Autos in der Stadt leicht von 47 auf 45 Prozent zurückgegangen ist. Die Pkw-Nutzung ist aber weiterhin überdurchschnittlich hoch in Paderborn. Acht Prozent benutzten 2018 das Auto als Fahrgemeinschaft (2013 = elf Prozent). Während 2013 zehn Prozent der gewählten Verkehrsmittel den ÖPNV-Bereich betrafen, nutzten 2018 nur noch sieben Prozent der Paderborner Busse und Bahnen. Erfreulich: Gestiegen ist der Anteil der Radfahrer – von 15 auf 23 Prozent. Auch der Anteil der Fußgänger stieg von 17 auf 18 Prozent.

Viel Verkehr entsteht durch den Weg zur Arbeit und zurück nach Hause. Woher kommen die Verkehrsteilnehmer?

46.800 Menschen pendeln morgens in die Stadt. Die meisten davon kommen aus Salzkotten (3750), aus Borchen (3250), aus Delbrück (3200) und aus Bad Lippspringe (2950). 26.900 Menschen (34 Prozent) pendeln morgens von Paderborn ins Umland zur Arbeit, die meisten davon nach Bielefeld (2550). Auf Platz 2 landet hier Salzkotten mit 1700 Auspendlern. 51.600 Menschen sind sogenannte Binnenpendler. Sie sind innerhalb der Stadtgrenzen unterwegs.

Wann sind die nächsten Bürgerforen?

Am Dienstag, 19. November, geht es im Bürgerhaus Elsen am Bohlenweg 27 in die zweite Runde. In Schloß Neuhaus findet das Bürgerforum am Donnerstag, 28. November, im Schlosssaal des Bürgerhauses, Marstallstraße 9, statt. Beginn ist jeweils um 18.30 Uhr, Einlass ab 18 Uhr. Nach einer gut einstündigen Information über das Projekt haben die Teilnehmer noch die Möglichkeit, an fünf Infoständen mit den Verkehrsplanern und untereinander ins Gespräch zu kommen. Wer nicht so gerne spricht, kann seine Ideen oder seine Kritik an der Lob- und Meckerwand festhalten.

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