Elsener Laienspielgruppe »Wir sind Theater« spielt viermal vor ausverkauftem Haus
Vom Geldfieber sind alle angesteckt

Paderborn-Elsen (WB). Hört man derzeit etwas vom Notstand in Krankenhäusern, so handelt es sich in den meisten Fällen um Personalmangel und Überbelegung. Ganz andere, außergewöhnliche Probleme in einer Klinik tauchen im Stück »Geldfieber« auf, gespielt von der Laienspielgruppe »Wir sind Theater« des Heimat- und Verkehrsvereins Elsen. Mit Situationskomik und Improvisation bringt sie das Publikum im ausverkauften Elsener Bürgerhaus zum Lachen.

Montag, 04.11.2019, 20:15 Uhr aktualisiert: 04.11.2019, 20:20 Uhr
Mit dem Stück »Geldfieber« hat die Laienspielgruppe »Wir sind Theater« gleich viermal im ausverkauften Elsener Bürgerhaus geglänzt. Foto: Nicole von Prondzinski

Elsener Laienspielgruppe bringt »Geldfieber« auf die Bühne

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  • Elsener Laienspielgruppe bringt »Geldfieber« auf die Bühne
Foto: Nicole von Prondzinski
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Die Krimikomödie von Kathrin Heinrichs spielt in einem Krankenhaus, in dem ein flüchtiger Häftling seine Beute, eine Tasche voll Bargeld, versteckt. Da dies von den Patienten nicht unbemerkt bleibt, kommt es bald zu raffinierten Manövern zwischen Kranken und Klinikpersonal.

Unter der Regie von Birgit Mersch haben die Elsener eine Version des Stücks auf die Bühne gebracht, die großen Beifall unter den rund 400 Zuschauern auslöste. An der detailreichen Bühnengestaltung und der expressiven Darstellung der unterschiedlichen Charaktere ist zu merken, wie viel Herzblut die Hobbyschauspieler in ihr Projekt gesteckt haben. Die Gruppe tritt in diesem Jahr zum vierten Mal auf und alle vier Aufführungen sind ausverkauft.

Und das Publikum hat Spaß – auch an den von den Künstlern nicht ohne Selbstironie angepassten lokalen Beschreibungen: Der Nachrichtensprecher prahlt mit einem neuen Rekord an getrunkenen Hektolitern Bier beim Paderborner Schützenfest, bevor er von der Flucht des Häftlings Urban Stolzinger (Hippolyt Greve/Simon Jakobi) berichtet. Und die tadelnde Krankenschwester, die die Patienten beim Verzehr von alkoholischen Getränken erwischt, stellt klar: »Das hier ist ein Krankenhaus, nicht das Elsener Bürgerhaus!«. Allerdings nicht, ohne sich selbst eines der kleinen Fläschchen in den Kittel zu stecken.

Oberschwester Anneliese ist der »Stationsdrache«

Ausdrucksstark spielen die Akteure in ihren Rollen mit Stereotypen: Da gibt es den Chefarzt Dr. Walter Steinfest (Lars Beckmann), der wenig Interesse an Medizin, aber dafür ein umso größeres Ego zu haben scheint, und die Assistenzärztin Dr. Natalena Daring (Monika Steins), die trotz Fachkunde unbeachtet bleibt.

Hinzu kommen ein »Stationsdrache«, Oberschwester Anneliese (Cornelia Höwekamp), und ihr Gegenpart, die sexy Schwester Betty in Netzstrumpfhosen (Nicole Dawin), die von dem unbeholfenen Pfleger Ingo Dirks (Detlef Rosenkranz) angehimmelt wird. Und dann ist da noch der Kommisar Roger Lennart (Kai Husemann), der sich cool gibt, aber in seinen Ermittlungen ständig falsch liegt.

Auch eine vergessliche ältere Patientin und ehemalige Kellnerin, Frau Plassmann (Annegret Claus), sorgt ständig für Lacher, wenn sie in ihren unpassenden Aufmachungen mit Servierschürze und Zimmermädchenhaube über dem Patientenkittel nach den Bestellungen der anderen Kranken fragt.

Im Krankenzimmer der Damen erhofft sich Renate Kaltwasser (Mariethres Koch-Fechteler) von ihrem Krankenhausaufenthalt nicht nur eine neue Hüfte, sondern auch einen neuen Mann. Sie wird unterstützt von der forschen Jana König (Gaby Nessel), die mit ihren frechen Sprüchen andere Patienten in ihre Schranken weist.

Im Krankenhaus wird auch gebechert

Für viel Spannung sorgen die Patienten im Herrenzimmer. Karl-Heinz Koslowski (Hansjörg Kröger) ist ein Heiratsschwindler, der ebenso wie sein Bettnachbar Professor Gottfried Reutlinger (Matthias Heimann) meint, Besitzansprüche an die gefundene Beute stellen zu dürfen. Sie liefern sich ein Duell, während der als »Muttisöhnchen« bekannte Patient Rolf Pierre Benrath (André Ilkenmeyer) die Folgen der vorigen Nacht ausschläft, in der die drei noch gemeinsam einige Flaschen Schnaps geleert hatten.

Dass dieses Stück von einer Laiengruppe aufgeführt wurde, die nur zwei Wochen Zeit hatte, um auf der fertig vorbereiteten Bühne zu proben, vergisst man schnell. Umso sympathischer wirkt es, als einer der Schauspieler dann doch einmal den Text vergisst. André Ikenmeyer improvisiert und löst diese Situation, indem er zum Telefon auf dem Nachttisch neben dem Krankenbett greift: »Hallo? Wir brauchen mal den Chefarzt auf der Bühne! Texthänger!« Die Souffleuse Maria Lütkemeyer erhält zum Dank auch einen Schnaps, als es im Krankenzimmer wieder einmal zu einem Trinkgelage kommt.

Auch etwas Gesellschaftskritik

So humorvoll und skurril das Stück auf den ersten Blick auch aufgebaut sein mag, kommt doch auch etwas Gesellschaftskritik zutage – an der unterschiedlichen Behandlung von Kassen- und Privatpatienten, am Machtspiel des Chefarztes, am Erschleichen von akademischen Graden, an der Einbildung und Selbstdiagnose von Krankheiten und nicht zuletzt am Streben nach Reichtum.

Fast jeder scheint sich am »Geldfieber« angesteckt zu haben: von Frau Plassmann, die sich über ausgebliebenes Trinkgeld beschwert, bis hin zu Schwester Betty, die mit ihren Reizen spielt, um an das Geld des Chefarztes zu kommen.

Ihr Ziel, das Publikum an ihrem Spaß auf der Bühne teilhaben zu lassen, hat die Schauspielgruppe erreicht: Das Publikum schenkt ihr viel Szenenapplaus, und der ist bekanntlich die »Bezahlung«, die Darsteller besonders lieben.

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