Die Messe »Petss« bot in Paderborn neben neuen Produkten lehrreiche Vorträge Von Pferden und Hunden

Paderborn (WB). Ein Pferd ist wie ein Profifußballer, der vor dem Spiel erst Dehnübungen machen muss. »Es sollte sich erst warmjoggen und nicht gleich im hohen Tempo traben«, ermahnte Carmen Hanken Reiter zu Geduld.

Von Dietmar Kemper
Carmen Hanken sprach über den richtigen Umgang mit Pferden und hatte ihre Tiere J.R (links) und Lenny mitgebracht.
Carmen Hanken sprach über den richtigen Umgang mit Pferden und hatte ihre Tiere J.R (links) und Lenny mitgebracht. Foto: Dietmar Kemper

Carmen Hanken (59), die Frau des im Oktober 2016 gestorbenen »XXL-Ostfriesen« Tamme Hanken, der als »Knochenbrecher« im Fernsehen Pferde und Hunde wieder einrenkte, war der prominenteste Gast der Paderborner Messe rund ums Tier »Petss« im Schützenhof. Am Samstag und Sonntag sprach sie über »das Betriebssystem Reitpferd« und die Krallenpflege bei Hunden.

»Der Sattel muss gut sitzen«, betonte Carmen Hanken, wohl wissend, dass »zu 90 Prozent« der Sattel falsch aufliege. So sollten zum Beispiel Schulter und Lendenwirbelsäule frei bleiben und kein Gewicht tragen. Hanken sprach über Zügelhaltung, Genickkontrolle, Beugearbeit und vieles mehr und betonte: »Ich habe das Pferd 20 Jahre lang studiert.« Vom Hankenhof in Filsum als Ausgangspunkt aus klärt sie bundesweit auf, so wie jetzt in Paderborn.

Tierheim kann sich präsentieren

Die dortige Messe nutzte auch das Paderborner Tierheim, um auf sich aufmerksam zu machen. Fünf Hunde stellte die Vorsitzende Gabi Votsmeier am Samstag vor, für die sie ein neues Zuhause sucht. Sie wurden abgegeben, beschlagnahmt oder von Kindern als Spielzeug missbraucht. Auch im Vorjahr hatte Votsmeier bei der Messe auf das Schicksal ihrer Tiere hingewiesen. »Danach kamen schon einige gucken«, stellte sie anschließend in Schloß Neuhaus fest. Dort sind zurzeit 20 Hunde, 150 Katzen und 20 Kaninchen untergebracht. Kurzum: Das Heim ist voll.

Oft würden Tiere abgegeben, wenn eine teure OP anstehe, erzählte Votsmeier. Manchmal änderten sich auch die Umstände: Wer arbeitslos sei, habe Zeit für einen Hund, aber wenn er einen Job finde, ergebe sich eine neue Situation. Beim Casting der fünf Hunde am Samstag war das Gitterrechteck der Aktionsfläche mit Zaungästen gut gefüllt. Falls einer von ihnen einen der Vierbeiner ins Herz geschlossen haben sollte, kann er den Hund aber nicht gleich mitnehmen. Erst gebe es ein Vermittlungsgespräch, dann könne der Interessent das Tier ein paar Mal ausführen, dann für einen Tag nach Hause holen und schließlich folge eine dreitägige Probezeit, erläuterte Gabi Votsmeier das Prozedere.

Pflaster für Kratzverletzungen

Die Besucher der zweitägigen Messe informierten sich über neue Produkte. Algen aus dem Eismeer befreien Hund und Katze demnach von Juckreiz, Ekzemen und Magen-und-Darmproblemen. Alles, was Herrchen und Frauchen vermeintlich brauchen, lag an den etwa 50 Ständen bereit: von Futter, Leinen und Geschirren über Leckerli-Taschen bis zu Decken, Hundekissen und dem Pflaster für Kratzverletzungen. Michael Faust aus Cottbus hatte gleich jede Menge Tiere mitgebracht – Stofftiere, um genau zu sein.

Wie man Hund oder Katze fotografisch gekonnt in Szene setzt, weiß Lea Schneider aus Rodenberg bei Hannover. »Bei der Tierfotografie muss man mehr Geduld mitbringen«, hat sie beobachtet und bereits einiges erlebt: »Ich hatte schon Shootings, da wurde ich selbst gebissen, und ein Hund hat mir mal das Studio zerlegt.« Bis das perfekte Foto herausspringt, macht Schneider für ihre Kunden bis zu 500 Aufnahmen.

Befehle kommen erst später

Die Paderborner Hundefreunde gaben einen Einblick in ihre Welpen- und Junghundstunden. Bevor Befehle wie »Sitz!« erteilt würden, müsse »der kleine Hund erst mal lernen, dass er zu uns gehört«, betonte die Ausbildungwartin Martina Schubert. Unterstützt durch Lob und Leckerli müsse ihm behutsam beigebracht werden, »sich nach der Hand des Besitzers zu richten«. Und damit der Vierbeiner das Anleinen nicht als Bedrohung empfinde, sollten Frauchen oder Herrchen nicht von oben, sondern von unten ins Halsband greifen. Auf dem Gelände am Piepenturmweg bietet der Verein (Telefon: 05293/8227) samstags zwischen 11 und 13 Uhr Welpenstunden an.

Bei der Messe präsentierten sich außerdem die Rettungshundestaffel der Johanniter, der Polizeihundeverein Hochstift Paderborn und der Reit- und Fahrverein Paderborn. Bei allem Kommerz, dem Fachmessen huldigen, war aber auch die Liebe der Besitzer zu ihren Haustieren zu spüren. Wie hatte doch Bürgermeister Michael Dreier im Grußwort zur Messe geschrieben: »Tiere tun gut, sowohl der Psyche als auch der Fitness.«

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