Diözesanmuseum Paderborn wirbt bei Reiseveranstaltern für Ausstellung Rubens Superstar

Paderborn (WB). Mehr als 300.000 Menschen strömten 1999 zur Karolingerausstellung nach Paderborn. Seitdem haben sich das Diözesanmuseum und die Stadt einen Namen für historische Ausstellungen gemacht. Die Rubens-Schau im kommenden Jahr soll an die Erfolge anknüpfen, und deshalb wirbt das Museum schon jetzt mit Hochglanzbroschüren bei Reiseveranstaltern für den Besuch.

Von Dietmar Kemper
Peter Paul Rubens Werk »Verkündigung an Maria«, entstanden um 1620, wird in Paderborn gezeigt. Noch hängt es in Wien.
Peter Paul Rubens Werk »Verkündigung an Maria«, entstanden um 1620, wird in Paderborn gezeigt. Noch hängt es in Wien. Foto: Gemäldegalerie Wien

Gleichzeitig gibt das Museum Tipps für Ausflüge in Paderborn und in der Region. »Die Ausstellung ist ein Faktor für die ganze Stadt«, sagt die Organisatorin Pe­tra Koch-Lütke Westhues. Und der Geschäftsführer des Verkehrsvereins Paderborn, Karl Heinz Schäfer, glaubt, dass der Name Rubens »ein Türoffner« sein wird, der Paderborn viele Gäste bringen wird.

Bis zu 150 Exponate

Vom 29. Mai bis zum 25. Oktober 2020 werden in der Ausstellung »Peter Paul Rubens und der Barock im Norden« bis zu 150 teils hochkarätige Exponate aus Antwerpen, Bayonne, Berlin, Paris und anderen Orten präsentiert. »Zu sehen sein werden Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen und Grafiken von Rubens und anderen einflussreichen flämischen Meistern seiner Zeit«, rührt das Diözesanmuseum in der Broschüre die Werbetrommel. Demnach sollen 3-D-Rekonstruktionen, Animationen und Multimediastationen die Zeit des Barock mit seinem Blattgold, den Putten und seinem Stuck lebendig und die visuelle Kraft auch verlorener Bilder und barocker Ausstattungen deutlich werden lassen.

Rubens-Ausstellungen gibt es 2020 an vielen Orten, aber Paderborn hat ein Ass im Ärmel. Die Gebrüder Antonius und Ludovicus Willemssens, die aus der Schule von Rubens kamen, brachten den flämischen Barock nach Paderborn und hinterließen im Dom unübersehbare Spuren. Die barocken Stilelemente sind noch heute in den Seitenkapellen zu erkennen.

Figuren lebensnah und dynamisch dargestellt

»Man sieht hier, wie weit die Kunst, die Rubens in Antwerpen geschaffen hat, ausgestrahlt hat«, sagte am Dienstag Petra Koch-Lütke Westhues dieser Zeitung. Antwerpen sei das Kunst- und Kulturzentrum im 17. Jahrhundert gewesen, und Peter Paul Rubens (1577-1640) habe ausgezeichnet, dass er seine Figuren sehr lebensnah und sehr dynamisch dargestellt und ungewöhnliche Perspektiven gewählt habe. So hätten die Menschen das biblische Geschehen nachempfinden können.

Paderborns Fürstbischof Dietrich Adolf von der Recke holte die moderne Kunst nach Paderborn. Von Antonius und Ludovicus Willemssens stammt auch das mehr als vier Meter hohe und über drei Meter breite Gemälde mit der Anbetung der Hirten für den Hochaltar im Ostchor. Es wurde am 17. Januar 1945 von Bomben getroffen und zerstört. Die Fetzen des Bildes blieben weitgehend erhalten, so dass das Gemälde mit Hilfe des Computers neu zusammengesetzt werden kann und die Rekonstruktion den Ausstellungsmachern als Ausgangspunkt der Schau dient. Die Originale werden auf ein Foto montiert.

Virtuelle Rekonstruktion des Doms im Barockzeitalter

Die Schau wird sich in sechs Einheiten gliedern und neben der neuen Stil- und Kunstsprache die Innovationen in der Architektur und Ausstattung der Kirchen im 17. und 18. Jahrhundert schildern. Der Paderborner Dom zur Zeit des Barocks wird virtuell nachgebildet. In Skizzen von Rubens und seinen Wegbegleitern soll deren schöpferische Kraft anschaulich werden. Und wie Rubens aussah beziehungsweise sich selbst stilisierte, zeigt ein zwischen 1625 und 1630 entstandenes Selbstbildnis aus dem Siegerlandmuseum in Siegen. Die Schirmherrschaft für die Ausstellung haben Belgiens Botschafter Baron Willem Van de Voorde und Erzbischof Hans-Josef Becker übernommen.

Die ersten Führungen sind gebucht

Die Führungen durch die Ausstellung und die Stadt organisiert die Tourist-Information. »Wir haben jetzt schon Führungen von Busveranstaltern, Volkshochschulen und Pfarrgemeinden eingebucht«, sagte Karl Heinz Schäfer am Dienstag. Von touristisch bedeutsamen Ausstellungen des Diözesanmuseums profitiere die Stadt definitiv: »Der Tenor der Gäste lautet: Wenn wir schon mal nach Paderborn fahren, schauen wir uns vormittags die Ausstellung an und nachmittags die Stadt.« Natürlich wird nicht jede Ausstellung so erfolgreich sein wie die über Karl den Großen. Die über die Gotik zog im Vergleich dazu kaum Gäste von außerhalb an. Bei Rubens stehen die Chancen besser: Er ist einer der Superstars der Malerei.

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