Gattung Hyalomma sucht sich gerne große Wirte aus – Institut: kein Grund zur Panik
Riesenzecke am Tallesee gefunden

Paderborn (WB/mai). Am Tallesee in Paderborn ist eine Riesenzecke der Gattung Hyalomma an einem Pferd entdeckt worden. Das hat das Robert-Koch-Institut, dem die Pferdebesitzerin das Tier zugeschickt hatte, auf Anfrage dieser Zeitung bestätigt.

Dienstag, 08.10.2019, 11:11 Uhr aktualisiert: 08.10.2019, 11:14 Uhr
Zu erkennen ist die Riesenzecke an ihren gestreiften Beinen. Vollgesogen kann sie bis zu 2,5 Zentimeter lang werden. Foto: dpa

Zeckenforscher Dr. Peter Hagedorn bestätigt außerdem, dass ein Schnelltest ergeben habe, dass die Zecke positiv auf Rickettsia-Erreger getestet worden sei. »Dabei handelt es sich um Bakterien, die ähnlich wie Viren in Zellen leben«, sagt Hagedorn. Vorbehaltlich der abschließenden Bestimmung vermute er Rickettsia aeschimanii, durch die das Zeckenfieber übertragen werde, das aber durch Antibiotika gut behandelbar sei.

Ebenfalls noch nicht abgeschlossen sind die Tests auf Erreger des Krim-Kongo-Fiebers, das laut Hagedorn wesentlich gefährlicher ist, bisher aber an keiner der in diesem Jahr in Deutschland gefundenen und eingeschickten Hyalomma-Exemplare nachgewiesen werden konnte. »Dabei handelt es sich um ein hämorrhagisches Fieber, bei dem es zu einer erhöhten Blutungsneigung kommen kann«, erläutert Hagedorn. Problematisch sei, dass es nach einer Infektion auch von Mensch zu Mensch weitergegeben werden könne, so dass eine Isolation der Betroffenen erforderlich sei. Das Besondere an der Riesen­zecke: Sie zählt zu den Jagdzecken, die ihre Opfer sehen und verfolgen, während der heimische Holzbock gemütlich wartet, bis er beispielsweise von einem Grashalm abgestreift wird. Hat die Hyalomma ihren Wirt gefunden, fackelt sie nicht lange und sticht zu – gerne im Intimbereich oder den Achselhöhlen. Hunde und Katzen sind laut Hagedorn weniger gefährdet, weil sie der Riesenzecke als Wirte zu klein seien. Rinder und Pferde, aber auch Menschen seien aus Sicht des Spinnentiers attraktiv.

Doch auch wenn ein Hyalomma-Exemplar in Paderborn nachgewiesen worden ist, besteht laut Hagedorn kein Anlass zur Panik. Er rät zu Vorsichtsmaßnahmen wie auf dem Weg zu bleiben, langer, am besten heller Kleidung, eventuell einem Schutzmittel, und Duschen nach dem Waldspaziergang. »Wenn eine Zecke zugestochen hat: am Besten mit einer Pinzette direkt am Kopf fassen und vorsichtig ziehen. Dann lässt sie los«, empfiehlt der Experte.

Gefundene Hyalomma-Zecken können (fixiert mit einem Klebestreifen auf Papier) ans RKI geschickt werden: Robert Koch-Institut, ZBS 1 – »Zecke«, Seestraße 10, 13353 Berlin. Denn dort wird unter anderem geforscht, ob die eingewanderte Art, es schafft, dauerhaft hier zu überwintern. »Dafür braucht sie einen warmen Herbst«, weiß Hagedorn.

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