Fleischerei Damisch eröffnet Filiale in Paderborn
Schloß Neuhaus statt Berlin

Paderborn (WB). Der Stadtteil Schloß Neuhaus bekommt eine neue Fleischerei. Das Bielefelder Unternehmen Damisch will dort »womöglich noch in diesem Jahr« eine Filiale eröffnen. Nach WV-Informationen will Damisch in die leer stehenden Räume der Fleischerei Wießner an der Hatzfelder Straße einziehen.

Montag, 07.10.2019, 21:48 Uhr aktualisiert: 07.10.2019, 21:50 Uhr
Das Geschäft an der Hatzfelder Straße steht leer. Vermutlich dort will das Bielefelder Unternehmen Damisch einziehen. Foto: Oliver Schwabe

»Wir haben etliche Besuche absolviert und stehen kurz vor dem Vertragsabschluss«, sagte der Geschäftsführer Martin Damisch am Montag dieser Zeitung. Weil das Ladenlokal eingerichtet sei, halte sich die Investitionssumme in Grenzen. Das Geschäft liege zen­tral und damit verkehrsgünstig und das Einzugsgebiet sei attraktiv. Mit dem Vermieter wurde nach Angaben von Martin Damisch bereits eine Einigung erzielt, mit dem Eigentümer muss man sich aber noch über den Wert des Inventars (Tresen, Kühlhaus, Kühlaggregate) verständigen. Offenbar will Damisch dafür weniger zahlen, als die Gegenseite verlangt.

Mittagstisch geplant

Die Firma kalkuliert für die Filiale in Schloß Neuhaus, in der ein Mittagstisch angeboten werden soll, mit drei bis fünf Mitarbeitern und denkt über weitere Filialen in Paderborn nach. Das seit 1965 bestehende Bielefelder Traditionsunternehmen zieht sich aus den Hauptbahnhöfen in Berlin, Düsseldorf und Hannover zurück und will sich auf Ostwestfalen konzentrieren. Die Firma betreibt sechs Standorte in Bielefeld und eine weitere in Verl-Kaunitz im Kreis Gütersloh.

So wie Bäcker haben auch Fleischer das Problem, dass sie kaum noch Nachfolger für ihren Betrieb finden. Der Geschäftsführer der Nahrungsmittelinnung Paderborn, Christian Goll, sprach am Montag von »Sorgenkindern« und stellte nüchtern fest: »Den Fleischer im Dorf haben wir kaum noch.« Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge stagniere, in keinem anderen Handwerk würden so wenige neue Bewerber registriert wie bei Bäckern und Fleischern.

Innung: »Ein Standortwechsel ist nahezu ausgeschlossen«

Junge, unternehmungslustige Fleischer würden zudem durch gesetzliche Vorgaben ausgebremst, berichtete Goll. Fleischer, die noch selbst schlachten und zerlegen, würden an ihrem alten Standort Bestandsschutz genießen, könnten aber selbst sich nicht an anderer Stelle erweitern. »Ein Standortwechsel ist nahezu ausgeschlossen, neue Zerlegebetriebe werden nicht genehmigt, weil eine Art Anschluss- und Benutzungszwang an die großen Schlachthöfe wie Westfleisch und Tönnies besteht«, erläuterte Goll und beklagte: »Das ist ein echter Hemmschuh.«

Außerdem mache die Diskussion über weniger Fleischkonsum den Beruf nicht gerade attraktiver. Und dann sei da noch das Verhalten so manches Verbrauchers, der auf dem Nachhauseweg lieber schnell Fleisch im Supermarkt kaufe als beim heimischen Fachbetrieb. Mut macht Goll und den Fleischern, dass das Bewusstsein für gutes und regionales Fleisch zunimmt und die Kritik an Massentierhaltung wächst. Goll: »Unsere Fleischer wissen, woher ihr Fleisch kommt.« In der Innung sind 14 Betriebe organisiert.

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