Südring-Center zeigt Ausstellung über die »kleinen Wunder am Äquator«
Tausendfüßler im Einkaufszentrum

Paderborn (WB). Vom Aussterben bedrohte Tiere in einem Einkaufszentrum auszustellen, ergibt durchaus Sinn. Weil sich dort jeden Tag tausende Menschen aufhalten, könnten einige von ihnen dadurch für Tier- und Umweltschutz sensibilisiert werden.

Mittwoch, 02.10.2019, 19:43 Uhr aktualisiert: 02.10.2019, 20:02 Uhr
Justin Bender (rechts) mit einem Tausendfüßler, links der Assistent der Südring-Geschäftsführung, Felix Klingenthal. Foto: Oliver Schwabe

Seit Dienstag ist im Südring die Ausstellung »Die kleinen Wunder am Äquator« zu sehen. Etwa 100 Tiere aus Amerika, Afrika und Ostasien können dort in 26 Terrarien beobachtet werden. Täglich um 10, 11, 14 und 16 Uhr bietet Justin Bender kostenlose Führungen an und erläutert Kindergarten- und Schulkindern sowie Erwachsenen 45 Minuten lang, was zum Beispiel die Strumpfbandnatter, den Tausendfüßler, die Taubagame oder den Skorpion auszeichnet, wo sie leben, was sie fressen und wie man sie schützen kann. Treffpunkt ist die untere Etage im Erdgeschoss.

Aktueller Bezug aufgrund der Rodung der Amazonaswälder

Bender ist Tierpfleger der Expovivo Tierausstellungen AG aus Wittnau. Er ist Mitarbeiter des Entomologen Christian Schweizer aus der Schweiz, der auf die Idee kam, schützenswerte Tiere in Einkaufscentern zu präsentieren und für sie einzutreten. Eine Aufgabe, die angesichts der aktuellen Berichte über die Rodung der Amazonaswälder in Brasilien eine zusätzliche Aktualität besitzt. Christian Schweizers Motto lautet: »Nur was man kennt, kann man schützen.«

In einem Einkaufszentrum lernen die Menschen den Faltengecko oder die Steppenrenner beiläufig kennen, wenn sie ein bestimmtes Geschäft ansteuern und dabei die Terrarien in ihren Blick geraten. Das war gleich am ersten Ausstellungstag wieder zu sehen. Neugierig suchten die Paderborner die teilweise sehr kleinen Tiere wie die nur drei Zentimeter messenden Taubagamen. Dagegen war der achtjährige Moritz Koch-Welling aus Marienmünster mit seinen Großeltern gezielt zur Ausstellung gekommen, weil er im Vorfeld von ihr erfahren hatte und ihn Tiere faszinieren.

Viele Kindergärten und Schulklassen haben sich schon angemeldet

Aber ist das Gewusel der Menschen im Südring wirklich das passende Ambiente für Reptilien, Gliederfüßer, Amphibien und Insekten? »Das sind alles Nachzuchten, sie waren schon immer bei Ausstellungen dabei und kennen nichts anderes«, erläuterte Bender am Dienstag und ergänzte: »Das ist für sie Alltag so wie für uns die Arbeit.« Dass sich die Echsen in dem Umfeld wohlfühlten, zeige sich daran, dass sie beim Schlafen die Gliedmaßen ausstrecken. Hätten sie Angst, würden sie sich zum Beispiel ständig verstecken.

Nach »Die Wüste lebt« und »Die Erben der Dinosaurier« ist »Die kleinen Wunder am Äquator« die dritte Tierausstellung im Paderborner Einkaufszentrum. »Das kommt gut an, es melden sich viele Kindergärten und Schulklassen an, es handelt sich ja auch um Tiere, die man nicht jeden Tag sieht«, sagte Marketingleiter Andree Sake.

Tausendfüßler hat gar nicht 1000 Beine

Wer sich Justin Bender bei einer Führung anschließt, erfährt so einiges. Zum Beispiel, dass der Tausendfüßler gar nicht 1000 Beine habe. »Das Männchen hat 752, das Weibchen 750«, weiß der Tierpfleger und er glaubt: »Der Entdecker des Tausendfüßlers war zu faul, genau zu zählen.« Der Biss der Risenvogelspinne sei, anders als viele glaubten, nicht automatisch tödlich, sondern nur für Allergiker lebensgefährlich, sagte Bender weiter. Ein Hingucker ist die etwa 1,50 Meter lange Strumpfbandnatter mit ihren bis zu 150 Zähnen. Die Würgeschlange müsse man nicht unbedingt mit Mäusen füttern, erklärte Justin Bender: »30 Gramm Rinderhack reichen für drei Wochen.« Dass sich Schlangen und Echsen kaum bewegten, hänge damit zusammen, dass sie Energie sparen wollten.

Die Ausstellung ist noch bis zum 19. Oktober zu sehen. Zu 95 Prozent wird sie in Einkaufszen­tren präsentiert, in einigen Fällen auch bei Messen.

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