Eine Produktion, drei Filialen und 34 Arbeitsplätze: Nächste Generation übernimmt
Fleischerei Müller ist gerettet

Paderborn (WB). »Nein, wir schließen nicht!« Seit Wochen ist Familie Müller damit beschäftigt, die Kunden zu beruhigen. Jetzt gibt es gute Nachrichten: Die traditionsreiche Fleischerei mit Produktion, drei Filialen und insgesamt 34 Mitarbeitern bleibt in Familienhand. Sohn Sebastian Müller übernimmt die Geschäfte.

Donnerstag, 03.10.2019, 08:00 Uhr
Die nächste Generation der Fleischerfamilie Müller übernimmt die Verantwortung: Fleischermeister Sebastian Müller mit Töchterchen Mariella (1), Ehefrau Stefanie und Tochter Phoebe (11).

Es ist Mittagszeit. Viele Kunden versorgen sich in der Fleischerei im Schildern – dem Stammhaus des Unternehmens – mit einer warmen Mahlzeit. Andere kaufen Aufschnitt oder einen Braten. Die Gerüchte um die Zukunft des Betriebs sind bei den Kunden Thema Nummer eins. »Wir bekommen unglaublich großen Zuspruch. Alle wollen, dass wir bleiben«, sagt Seniorchefin Cornelia Müller, die seit vielen Jahren das Gesicht des Unternehmens ist. »Ich bekomme von Kunden sogar Blumen geschenkt«, ist sie gerührt.

Krankheit führte zu Insolvenzantrag

Als Vater Wolfgang Müller Anfang Juni die Reißleine zog und Insolvenzantrag stellte, gab es nur ein Ziel: den Erhalt des Betriebs und damit der Arbeitsstellen. Aber auch die Versorgung der Menschen in der Innenstadt mit Fleisch, Wurstwaren und Mittagstisch am Standort Schildern stand ganz oben auf der Prioritätenliste.

Dass das nun vorbehaltlich der Zustimmung der Gläubigerversammlung gelungen ist, sei der Verdienst von vielen Beteiligten, betont der Paderborner Rechtsanwalt Dr. Andreas Jolmes, der die Verhandlungen geführt hat. »Ich selbst kenne den Betrieb seit Jahrzehnten. Ich habe gerne geholfen, das hinzubekommen«, erklärt der Anwalt am Mittwoch.

Doch wie konnte das Unternehmen überhaupt in finanzielle Schieflage geraten? »Mein Vater ist schwer erkrankt«, berichtet Sebastian Müller (32). Hinzu seien erhebliche Forderungsausfälle gekommen, die den Senior dazu veranlasst hätten, den Insolvenzantrag zu stellen.

Nach wochenlangen Gesprächen mit Gläubigern und den drei Vermietern der Objekte sei es gelungen, alle davon zu überzeugen, dass es mit Müllers weiter geht. »Die Volksbank hat dem Sohn Sebastian Müller das Vertrauen ausgesprochen«, betont Dr. Jolmes.

Lieferanten brachten Verständnis und Geduld auf

Ein weiterer Dank gehe an die Vermieter Hans Kuhlpeter (Schildern), Karl Förster (Heide-Center) und Anna Becker (Rewe), die nach Worten des Anwalts die Mietverhältnisse mit Sebastian Müller fortsetzen wollen. »Wir möchten insbesondere der Familie Kuhlpeter danken«, sagt der neue Chef. Nach dem Bekanntwerden der Insolvenz habe der Eigentümer der Immobilie zahlreiche Anfragen von Mietinteressenten bekommen. Dass er sich dennoch für Sebastian Müller entschieden habe, sei für das Unternehmen und die Stadt wichtig, meint Dr. Jolmes. Auch Lieferanten, mit denen man seit Jahrzehnten zusammenarbeite, hätten sehr großes Verständnis und Geduld aufgebracht, berichtet der junge Chef.

Sogar die Angestellten hätten sich solidarisch gezeigt und seien trotz Krise dem Betrieb treu geblieben, betont Sebastian Müller. »Allen, die uns mit Rat und Tat zur Seite gestanden haben, sind wir sehr dankbar«, sagt der neue Chef.

Hoher Qualitätsstandard soll bleiben

Sebastian Müller will das Unternehmen mit »dem hohen Qualitätsstandard der vergangenen Jahre« fortführen. Die Maßstäbe dafür hätten sein Vater und ein Altgeselle gesetzt. Müller beschäftigt in der Produktion sechs Mitarbeiter. »Wir zerlegen selbst. 99 Prozent der Tiere kommen vom Bauern von nebenan«, betont Sebastian Müller. Der regionale Aspekt und die Alternative zur verpackten Ware in der SB-Theke komme vor allem auch bei immer mehr jüngeren Kunden sehr gut an, die sich bewusst ernähren wollten. »Dass wir weiter machen können, ist ein großes Glück«, betont der junge Fleischermeister.

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