Sicherheitsauflagen in der Paderborner Kulturwerkstatt gestiegen
Probenräume kosten künftig Geld

Paderborn (WB). Die Kulturwerkstatt kann sich vor Anfragen nicht retten, gleichzeitig ist viel Geld in die Technik investiert worden und die Auflagen für Sicherheit sind stark gestiegen. Deshalb sollen neben den externen Mietern künftig auch die 114 Mitgliedsgruppen und Mitglieder für die Nutzung der Räume zahlen.

Mittwoch, 02.10.2019, 19:59 Uhr
Die Kulturwerkstatt nahe des Bahnhofs platzt aus allen Nähten und soll deswegen umgebaut werden. Foto: Jörn Hannemann

Einem entsprechenden Vorschlag der Verwaltung stimmte am Dienstag der Kulturausschuss mehrheitlich zu. Die Grünen und Linken lehnten die Neuregelung ab. Was bedeutet das konkret für die Mitglieder der Kulturwerkstatt? Wer in der »Kulte« einen Probenraum nutzt, zahlt künftig 1,30 pro Stunde. Bei zwei Stunden pro Woche und einer Öffnungszeit von 46 Wochen im Jahr kommen knapp 120 Euro zusammen. Besteht eine Rockband zum Beispiel aus vier Mitgliedern, kommen also auf jeden 30 Euro zusätzlich zu. Wenn sieben Künstler einen Raum als Malatelier die ganze Woche und das ganze Jahr über belegen, muss jeder rein rechnerisch 430 Euro berappen. Werden kostenpflichtige Angebote wie Tanz- oder Malkurse angeboten, bei denen Einnahmen erzielt werden, steigt das Entgelt auf fünf Euro pro Stunde.

Externe Veranstalter müssen deutlich mehr bezahlen

Dennoch sind Mitglieder gegenüber externen Mietern weiter deutlich im Vorteil. Blocken sie den Großen Saal 14 Stunden lang für ein Konzert, entstehen Kosten von nur 125 Euro. Ein Veranstalter von außerhalb muss mehr als 1100 Euro einkalkulieren. Die Verwaltung verweist darauf, dass Mitglieder von Kosten für Aufsichtspersonen befreit sind, sie die Gema-Gebühren erstattet bekommen und sie sich kostenlos die Bühnentechnik ausleihen können.

Beigeordneter: »Nutzungsentgelte gerechtfertigt«

Weil die Stadt »Leistungen für Infrastruktur, Sicherheit und Personal erbringt«, seien die Nutzungsentgelte »gerechtfertigt«, sagte der Erste Beigeordnete Carsten Venherm in der Sitzung. So hat die Stadt zuletzt jährlich 50.000 Euro in die Technik in der Kulturwerkstatt gesteckt. Für Venherm ist die Neuregelung auch »eine Frage der Gleichbehandlung von Sport und Kultur«. Schließlich seien auch für Sportstätten und Mehrzweckhallen Nutzungsentgelte eingeführt worden. Darüber hinaus könne man Bands, die privat Probenräume für ein Vielfaches mehr mieteten, nicht begreiflich machen, dass ihre Kollegen in der »Kulte« nichts zahlen.

»Mit diesen Beiträgen können alle leben«, begründete Dietrich Honervogt die Zustimmung der CDU. Die Anforderungen an die Kulturwerkstatt, wie im Bereich Sicherheit, hätten sich stark gewandelt und deshalb seien die Entgelte »konsequent«. Für die SPD erklärte Manfred Krugmann: »Anders als im Bereich Museen und Bibliotheken sehen wir hier Nutzungsgebühren als angemessen an.« Schließlich würden die Mitglieder weiterhin Vergünstigungen genießen.

Keine Ausnahmen

Beate Bliedung von der Linksfraktion sieht das anders. »Ehrenamt darf nichts kosten«, forderte sie. Gleichzeitig befürchtet sie, dass durch die Nutzungsentgelte ein »neues bürokratisches Monster« geschaffen werde. Durch die Neuregelung werde die Kultur »nicht erstickt«, ist Sabine Kramm von den Grünen überzeugt. Sie schlug aber eine Änderung vor: Wer Veranstaltungen wie zum Beispiel einen Sprachkurs anbiete und dafür kein Geld verlange, solle vom Nutzungsentgelt befreit werden. Ihr Vorschlag kam nicht durch – auch deshalb nicht, weil Carsten Venherm betonte, dass bei solchen Ausnahmen ein Vorsteuerabzug nicht mehr infrage komme.

Die Warteliste ist lang

Dass die Kulturwerkstatt fast schon überrannt wird, machte deren Leiter Arnd Voss deutlich: »Die Kulturwerkstatt ist voll. Wir bekommen jeden Tag Anrufe, müssen die Anrufer aber ganz weit in die Zukunft vertrösten.« Der Vorlauf betrage fast ein Jahr, und das, obwohl »wir bei uns keinerlei Privatveranstaltungen wie Geburtstage und Hochzeiten mehr machen«. Täglich nutzten im Schnitt 340 Personen die »Kulte«, sagte Voss im Rückblick auf das Jahr 2018. Demnach war das Haus mehr als 17.418 Stunden lang belegt, 46.945 Menschen strömten zu den Veranstaltungen. Die Caféteria mitgerechnet, waren es sogar mehr als 105.000. Besonders gut besucht, war übrigens das »Metal Inferno Festival« im Oktober. Ohnehin wird das Haus vor allem für Theater, Kleinkunst und Musik genutzt.

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