Gudrun Lumpp erhält Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik
Immer ein Herz für Tiere

Paderborn (WB). Tiere in Not haben in ihr seit Jahrzehnten eine Fürsprecherin: Gudrun Lumpp aus Paderborn gibt seit mehr als 60 Jahren erkrankten, alten und hilfsbedürftigen Hunden oder auch Katzen, die keiner mehr will, ein Zuhause und bezahlt das alles aus eigener Tasche. Für ihr Engagement hat ihr Bundespräsident Frank Walter Steinmeier das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Dienstag, 01.10.2019, 09:35 Uhr aktualisiert: 02.10.2019, 13:24 Uhr
Ein Herz für Tiere: Die Tierschützerin Gudrun Lumpp aus Benhausen erhielt am Montag das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland aus den Händen des Paderborner Landrates Manfred ­Müller. Foto: Oliver Schwabe

Landrat Manfred Müller überreichte der 80-Jährigen am ­Montag im Großen Sitzungssaal des Kreishauses Paderborn die Ordens­insignien. Müller richtete gleichzeitig die Glückwünsche des Ministerpräsidenten Armin ­Laschet sowie der Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl aus.

Vor mehr als 20 Jahren verkaufte Gudrun Lumpp ihr Wohnhaus, um den Tierhort ­Albert Schweitzer in Benhausen ins Leben rufen zu können . Bereits in den 70er Jahren setzte sie sich für die Kastration freilebender Katzen ein, kämpfte für die artgerechte Haltung von Nutztieren und gute Rahmenbedingungen für wild­lebende Tiere.

Dieses Engagement komme von Herzen, sei selbstlos und zugleich beeindruckend, sagte Müller. Er dankte der engagierten Tierschützerin, die mit Herzblut und unerschöpflicher Energie jeden Tag daran arbeite und dafür kämpfe, »die Welt für Tiere ein Stück besser zu machen«.

Für die Tiere den Beruf aufgegeben

Mit 19 hatte Gudrun Lumpp nach eigenen Angaben ein Schlüsselerlebnis: Gemeinsam mit ihrem Mann rettete sie einen kleinen Hund, wollte nicht, dass er allein bleibt und besuchte deshalb ein Tierheim. Sie habe das Elend gesehen und konnte seitdem nicht anders als zu helfen, sagt sie. Als gelernte Krankenschwester kümmerte sie sich viele Jahre um Patienten im Brüderkrankenhaus St. Josef in Paderborn. Dort leistete sie Nachtschichten, um tagsüber die Tiere versorgen zu können.

Erst als sie ihren Beruf, Familie und ihre Liebe und Verantwortung zu Tieren nicht mehr zeitlich miteinander vereinbaren konnte, entschied sie Anfang der 80er Jahre, sich mit ihrer Zeit, Fürsorge und finanziellen Mitteln vollständig dem Schutz der Tiere zu widmen. Sie war der Ansicht, dass Menschen bereits geholfen werde. Tiere in Not hingegen könnten kaum auf Verständnis und Unterstützung hoffen. Sie sei immer wieder auf Widerstand gestoßen, vor allem zu Beginn ihres Kampfes, als der Tierschutz kaum eine Lobby gehabt habe.

Doch sie blieb hartnäckig, rückte den Tierschutz immer wieder ins Bewusstsein der Bürger und der Politik und hat Entscheidungen mit herbeigeführt: So setzte sie sich jahrelang für die Kastration von freilaufenden Katzen ein, um eine unkontrollierte Vermehrung und Verelendung von Katzen, für die sich niemand verantwortlich fühlt, zu verringern. Im August dieses Jahres trat dann, wie berichtet, im Kreis Paderborn eine Katzenschutzverordnung in Kraft, mit einer Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für freilaufende Katzen.

Hunde nicht in Zwingern

In ihrem Tierhort kümmert sie sich täglich um mehr als 100 Tiere, in erster Linie Hunde, die dort nicht in Zwingern untergebracht sind und auch im Garten freien Auslauf haben. Hinzu kommen umfangreiche Büroarbeiten. Dazu zählen der Schriftwechsel mit Veterinären und Tierkliniken, der Briefwechsel mit Familien, die ein Tier aufnehmen wollen sowie Telefonate und Gespräche mit Interessenten. Medikamente, Tiernahrung und Arztkosten finanziert sie aus ihrer eigenen Rente und Witwenrente.

Sie sei froh und dankbar, wenn sich Menschen bereit erklärten, ein Tier zu übernehmen. Sie vereinbare jedoch immer zunächst eine Probezeit. Unterstützung erfährt sie seit mehr als 40 Jahren durch den Tierpfleger Dieter Kairies, der selbst bereits im Ruhestand ist und trotzdem täglich bei der Fütterung und Pflege der Tiere sowie Reinigung der Räume hilft. Ehrenamtliche Helfer gehen regelmäßig mit den Hunden spazieren. Müller dankte auch den weiteren ehrenamtlichen Helfern, die Gudrun Lumpp in ihrem Kampf für das Tierwohl zur Seite stünden.

Der Tierhort ist nicht nur für Menschen aus dem Kreis Paderborn zu einer Anlaufstelle für Unterbringung, Versorgung und Vermittlung von Fundtieren geworden. Auch Nachbarkommunen wie Schlangen arbeiten seit mehr als 25 Jahren mit dem Tierhort zusammen, der für Gudrun Lumpp ein Lebenswerk ist.

Zuhörer zu Tränen gerührt

Das Verdienstkreuz am Bande ist nicht die erste Auszeichnung, die Gudrun Lumpp erhält. Im Oktober 2018 wurde sie vom Tierschutzbund mit dem Deutschen Tierschutzpreis für ihr Lebenswerk mit stehenden Ovationen geehrt. Damals rührte sie die Zuhörer zu Tränen, als sie erzählte, dass sie oft im Bett abends weine, weil sie mit sich selbst hadere, ob sie nicht noch mehr machen könne. »Die Tiere sind mein Leben«, sagt Lumpp. Dafür gebe sie alles.

Sie könnte mit ihrem außergewöhnlichen und uneigennützigen Engagement Pate gestanden haben für die Kriterien, die erfüllt sein müssen, damit man das Verdienstkreuz am Bande erhält. Müller bedankte sich mit einem Zitat Albert Schweizers, dem Namensgeber des Tierhorts: »Man muss etwas, und sei es noch so wenig, für diejenigen tun, die Hilfe brauchen, etwas, was keinen Lohn bringt, sondern Freude, es tun zu dürfen.«

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