Land unterstützt neue Projekte in Paderborn mit 2,7 Millionen Euro
Digitalisierung schreitet voran

Paderborn (WB). Die Menschenmassen bei Libori besser steuern, die Auslastung des Theaters erhöhen und den Immobilienmarkt übersichtlicher gestalten: Das sind die Ziele der drei digitalen Projekte, die das Land NRW unterstützt. Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl übergab am Freitag in Paderborn Bewilligungsbescheide in Höhe von 2,7 Millionen Euro.

Freitag, 06.09.2019, 19:00 Uhr
Marianne Thomann-Stahl (rechts) übergibt die Bescheide an Markus Schräder, Robin Marterer, Michael Dreier, Katharina Kreuzhage und Dennis Kundisch (von links). Foto: Dietmar Kemper

Seit einem Jahr gibt es die Digitale Modellregion OWL mit Paderborn als Leitkommune. Im Rathaus wurde ein erstes Fazit gezogen, und das fiel positiv aus. »Unsere Erwartungen wurden nicht nur nicht enttäuscht, sondern weit übertroffen«, sagte Thomann-Stahl, die OWL bei der Digitalisierung der Verwaltung und anderer Lebensbereiche wie Energie, Gesundheit, Verkehr, Bildung, Handel und Sicherheit in NRW an der Spitze sieht.

Der Abteilungsleiter der Bezirksregierung Detmold für regionale Entwicklung, Kommunalaufsicht und Wirtschaft, Jens Kronsbein, rechnete vor, für digitale Projekte seien bereits zwölf Millionen Euro in die Region geflossen. Bis Ende 2019 würden es vermutlich 17 Millionen sein. Neben OWL/Paderborn sind Aachen, Soest, Gelsenkirchen und Wuppertal weitere digitale Modellregionen. Sie konkurrieren um 91 Millionen Euro, die das Land bis 2021 bereitstellt. Die Projekte müssten auf andere Kommunen und Regionen übertragbar sein und sollten für die Bürger einen konkreten Nutzen haben, betonte Kronsbein. Diese Kriterien sind bei »INSPIRE«, »TheaterLytics« und »ZEonline« erfüllt.

Menschenmassen

Bei dem Projekt »Integrierte Sicherheits-Pilot-Region (INSPIRE)« arbeiten die Universität Paderborn, der Verein Safety Innovation Center und die Firmen RTB, Viafly und Symcon zusammen. Ziel sei es, den zivilen Katastrophenschutz zu verbessern und die Beteiligten effektiver als bisher zu vernetzen, sagte Projektleiter Robin Marterer. Konkret geht es darum, frühzeitig die Besucherströme so zu lenken, dass bei Volksfesten wie Libori nicht zu viele Menschen gleichzeitig auf einen Platz drängen. Optische Systeme wie Kameras und Laserscanner würden die Personen entsprechend erfassen. Bürgermeister Michael Dreier und die Digitalisierungsbeauftragte der Stadt, Christiane Boschin-Heinz, versprachen, niemand werde auf den Bildern zu erkennen sein, der Datenschutz bleibe gewahrt. Für das Projekt sind zwei Millionen Euro einkalkuliert, 1,5 Millionen kommen vom Land.

Auslastung

Mit 85 Prozent ist die Auslastung des Paderborner Theaters schon gut. Mit Hilfe des Projekts »TheaterLytics« soll sie noch besser werden. Dafür arbeitet das Theater mit der Uni und der Firma Optano zusammen. Entstehen soll ein Werkzeug, das Antworten auf Fragen wie diese gibt: Mit welcher Auslastung ist in den nächsten vier Wochen zu rechnen? Wie viele Tickets sollten in den freien Verkauf gegeben werden? Sollten die Preise während einer Spielzeit variiert werden – ähnlich wie bei den Topzuschlägen bei Bundesligaspielen? Kundenbindung und das Gewinnen neuer Kunden würden immer wichtiger, sagte Intendantin Katharina Kreuzhage und räumte ein: »Als Theater sind wir noch sehr analog unterwegs.« 652.000 der 850.000 Euro für dieses Projekt kommen vom Land.

Immobilienmarkt

Beim dritten Projekt »ZEonline« geht es darum, einen zentralen Erhebungsbogen für Gutachterausschüsse zu schaffen, der für Transparenz auf dem Immobilienmarkt sorgt. Bislang seien die Bögen analog und je nach Gutachterausschuss unterschiedlich, sagte Markus Schräder vom Amt für Vermessung und Geoinformation der Stadt Paderborn. Über die Ausschüsse können sich die Bürger über die Durchschnittspreise von Immobilien informieren. Hier beträgt das Projektvolumen knapp 700.000 Euro, das Land steuert 570.000 Euro bei.

Noch keinen Bewilligungsbescheid hat Delbrücks Bürgermeister Werner Peitz für »LoRaWAN 2.0« erhalten. Ziel dieses Projektes ist es, mit Hilfe von 1000 Sensoren im Stadtgebiet Pumpen, Kühlkammern und Gebäude wie Schulen zu überwachen, um Ausfälle und Zerstörungen rechtzeitig zu erkennen und zu verhindern. Ende 2019 soll der zweite Teil des Projekts beginnen. Die Kosten werden auf 1,34 Millionen Euro geschätzt, eine Förderung durch das Land ist sehr wahrscheinlich.

Zurück nach Paderborn. Hier kündigte Bürgermeister Dreier an: »Bei der digitalen Verwaltung werden wir zu Beginn des Jahres 2020 sehr konkret werden.« Wie IT-Leiter Thomas Kloppenburg erläuterte, werden dann Chats und feste Terminvergaben für das Einwohnermeldeamt möglich sein und digitale Assistenten das Ausfüllen von Formularen erleichtern, wenn etwa ein Hund angemeldet wird. Für den Kreis wies Landrat Manfred Müller auf bereits erzielte Erfolge hin: »Wir sind beim Scannen der Bauakten schon weit. 55 Prozent unserer Bauakten sind digitalisiert.«

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