Knochen vermutlich aus dem 9. Jahrhundert – auch Mauern entdeckt
Skelette am Dom ausgegraben

Paderborn (WB). Archäologen haben zwischen Diözesanmuseum und Dom Jahrhunderte alte Scherben und Mauerreste gefunden. In tieferen Schichten stießen sie sogar auf Skelette, die vermutlich aus dem 9. Jahrhundert stammen.

Freitag, 06.09.2019, 23:39 Uhr
Sehr gut erhalten sind die Skelette, die vermutlich aus dem 9. Jahrhundert stammen. Sie werden untersucht. Foto: Ingo Schmitz

Eigentlich wollte das Metropolitankapitel an der Stelle direkt neben der Bischof-Meinwerk-Stele nur eine Silberlinde pflanzen lassen. Doch wenn in Paderborn ein Loch gebaggert wird, sind die Archäologen sofort zur Stelle. Und tatsächlich machten sie einen Überraschungsfund, wie die Leiterin der Stadtarchäologie, Dr. Sveva Gai, auf Anfrage dieser Zeitung bestätigte. Sie fanden in direkter Nachbarschaft des ehemaligen Meinwerk-Palastes die Überreste eines Friedhofs, der vermutlich aus der Zeit der Karolinger stammt. Totenschädel sowie Knochen sind bestens erhalten – und das, obwohl sie vermutlich aus dem neunten Jahrhundert stammen und noch älter als Bischof Meinwerk sind, der von 1009 bis 1036 Bischof von Paderborn war.

Kalkhaltiger Boden erhält die Knochen

Dass die Knochen so gut erhalten sind, liegt an der Zusammensetzung des Bodens: Die Erde sei besonders kalkhaltig, was den geringen Zerfall erkläre. Auch das feuchte Milieu habe dafür gesorgt, dass die Knochen erhalten blieben. Beigesetzt wurden die Toten in christlicher Art und Weise: »Kopf im Westen, Blick nach Osten«, erläutert die Leiterin der Stadtarchäologie.

Um zu klären, um was für einen Friedhof es sich hier handelt, müsse mit dem Metropolitankapitel darüber verhandelt werden, wie die Knochen untersucht werden sollen, so Gai. So ist zum Beispiel eine anthropologische Untersuchung geplant, mit der man das Alter, Geschlecht, Ernährung und soziale Stellung der Toten bestimmen könne. Mit der so genannten C14-Methode würde dann das Alter der Knochen datiert. Auch aus einer Untersuchung der Zähne könne man viele Rückschlüsse ziehen.

Skelette am Paderborner Dom entdeckt

1/15
  • Skelette am Paderborner Dom entdeckt
Foto: Ingo Schmitz
  • Foto: Ingo Schmitz
  • Foto: Ingo Schmitz
  • Foto: Ingo Schmitz
  • Foto: Ingo Schmitz
  • Foto: Ingo Schmitz
  • Foto: Ingo Schmitz
  • Foto: Ingo Schmitz
  • Foto: Ingo Schmitz
  • Foto: Ingo Schmitz
  • Foto: Ingo Schmitz
  • Foto: Ingo Schmitz
  • Foto: Ingo Schmitz
  • Foto: Ingo Schmitz
  • Foto: Ingo Schmitz

»An dieser Stelle war bislang kein Friedhof bekannt. Die besser gestellten Persönlichkeiten waren nämlich hinter dem Domchor beigesetzt worden. Daher gehen wir im Moment davon aus, dass es sich um normale Bürger handelt«, meint Gai. In der Erde wurden noch weitere Knochenreste entdeckt – vermutlich wurden diese menschlichen Überreste bei vorherigen Erdarbeiten beschädigt.

Ein Gewirr von Mauerresten

Die nahezu komplett erhaltenen Skelette liegen hingegen in einem Gewirr von Mauerresten aus verschiedenen Jahrhunderten. Eine Mauer verläuft direkt über den Gebeinen der Toten. Auch Pflastersteine sind entdeckt worden. Nun versuchen die Archäologen die Puzzlestücke zusammen zu fügen. Nach jetzigen Erkenntnissen könnten einige Mauerreste aus der Barockzeit, andere möglicherweise sogar aus dem 9. Jahrhundert stammen. Teile der Mauern seien bereits in den 70er Jahren von Wilhelm Winkelmann entdeckt und verzeichnet worden. Dies sei im Vorgriff auf den Bau des Diözesanmuseums erfolgt, berichtet Dr. Sveva Gai. Der Friedhof habe sich hingegen in einem ungestörten Bereich befunden.

Eigentlich sei der Ausschnitt für eine umfassende Untersuchung in diesem wichtigen Gebiet zwischen Kaiserpfalz und Meinwerkpalast viel zu klein, bedauern die Archäologen. Allerdings dürfte das Loch nicht vergrößert werden, sagt Gai.

Am Freitag, dem letzten Tag der Grabungen, wurden sämtliche Funde bis ins kleinste Detail fotografiert und dokumentiert. Danach geht es für die Archäologen direkt zur nächsten Baustelle: Von der kommenden Woche an werden sie im Bereich des Westerntors buddeln.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6905514?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2512560%2F
Auch NRW-Regionen als Standort für Atommüll-Endlager geeignet
Symbolfoto. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker