Ausstellung in Paderborn: Künstler Alfons Knogl befasst sich mit der Warenwelt
Von Streifen und Taschen

Paderborn (WB). Was haben die Taschen in den Einkaufstrolleys mit dem geschwungenen Streifen auf den Sportschuhen von Nike zu tun? Sie spiegeln einen ganz unterschiedlichen Umgang mit Waren, Produktion und Konsum wider, meint der Künstler Alfons Knogl.

Freitag, 06.09.2019, 09:15 Uhr aktualisiert: 06.09.2019, 09:18 Uhr
Bedeutend der eine, unbedeutend die anderen. Alfons Knogl stellt Bezüge zwischen Marmorskulpturen, die den Nike-Streifen variieren, und Trolleyeinkaufstaschen her. Foto: Oliver Schwabe

Im Haus des städtischen Kunstvereins an der Westernstraße hat der 43-Jährige Skulpturen aus Marmor platziert, die das Erkennungszeichen des amerikanischen Sportartikelherstellers aufgreifen und verfremden. Darum herum hat er Abgüsse aus Silikon von Synthetiktaschen verteilt. »Solche Taschen werden überall auf der Welt in unfassbarer Masse hergestellt, aber sie werden gar nicht wahrgenommen«, sagt Knogl. Bei den Sportschuhen sehe das ganz anders aus, sie würden mit einer Attitüde und einem Image aufgeladen und dadurch vom Unternehmen vermeintlich wertvoll gemacht. Bei den Taschen, die ohnehin gekauft würden, sei die Überhöhung nicht erforderlich. Um Bedürfnisse zu schaffen, kommen heute »Produkt und Produktion zuerst«, betont Knogl. Die Produktion erzeuge Abhängigkeiten und eine Flut von Waren – obwohl die Straßen der Welt schon mit Autos verstopft seien, würden immer neue hergestellt.

Aus Produktionsresten hat der Künstler zwei blaue Silikonschlangen gestaltet. Als Kontrast zur Materialität zeigt das Video Natur.

Aus Produktionsresten hat der Künstler zwei blaue Silikonschlangen gestaltet. Als Kontrast zur Materialität zeigt das Video Natur. Foto: Oliver Schwabe

Konsumkritik ist häufig ein Thema in der Kunst. Alfons Knogl, der an den Kunsthochschulen in Dresden und Köln studiert hat und an der Universität Paderborn seit 2014 eine halbe Stelle als künstlerischer Mitarbeiter für Bildhauerei innehat, will aber nicht verteufeln, sondern dokumentieren und Bezüge herstellen. »Was umgibt uns am dominierendsten?«, fragt er sich und nennt als Antwort die globale Distribution von Waren und das Onlinemarketing mit dem Amazon-Warenkorb als Symbol dafür. Nicht ohne Grund heißt seine Ausstellung in Paderborn »Prime«, angelegt an Amazon Prime und an die Wortbedeutung (»was zuerst da ist«). An sein Thema geht er philosophisch und künstlerisch heran. Eine Tasche sieht er als »Haut, in die man wieder etwas füllen kann«, runde Platten aus Marmor könnten banal als Tische im Eiscafé genutzt werden, erinnerten aber auch an die Erfindung des Rades. Skulpturen wiederum seien autonom und stünden für sich. Sie sind in diesem Sinne der Gegenentwurf zur Massenproduktion. »Ich habe zu Marmor und Kalkstein eine besondere Beziehung«, erläutert der Künstler: »Es war alles Lava unter der Erde, sie ist erkaltet, nach oben gestiegen und zu dem Boden geworden, auf dem wir laufen und existieren.«

Die Ausstellung des gebürtigen Deggendorfers, der Köln als seinen Lebensmittelpunkt gewählt hat, wird an diesem Freitag um 19 Uhr eröffnet und ist bis zum 6. Oktober zu sehen, und zwar freitags bis sonntags von 16 bis 19 Uhr. Die Vorsitzende des Kunstvereins, Alexandra Sucrow, wird am Donnerstag, 26. September, von 17.30 bis 19 Uhr durch die Schau führen. Wer dabei sein möchte, meldet sich per E-Mail unter info@kunstverein-paderborn.de oder telefonisch (05251/6835281) an. Der »Kunstgenuss« kostet 2,50 Euro. Zu sehen sind dann auch in Epoxitharz gegossene Trolleyräder. Für Alfons Knogl verkörpern solche Räder eben mehr als nur banale Gebrauchsgegenstände.

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