Wohnrechtaufgabe bei der Alten Schanze erleichtert Nachtbetrieb
Windkraftbremse beseitigt

Paderborn (WB/bel). Für seine beiden Windräder im Bereich der alten Schanze kann sich auch der AVE-Eigenbetrieb des Kreises Paderborn freuen: Weil bei einem landwirtschaftlichen Nebenbetrieb im Umfeld des Windparks westlich der Deponie das Wohnrecht aufgegeben wurde, können sich die beiden Windräder des Kreises bald auch nachts drehen und Geld in die Kasse spülen.

Freitag, 06.09.2019, 09:06 Uhr aktualisiert: 06.09.2019, 09:08 Uhr
Für den Windpark bei der Alten Schanze fällt jetzt eine Beschränkung weg: Das Wohnrecht für eine Hofstelle in der Nähe des Parks ist aufgegeben worden, damit fallen auch die Beschränkungen für den Nachtbetrieb weg. Dies betrifft die Zeit zwischen 22 und 6 Uhr. Die Anlagen müssen somit nicht mehr gedrosselt werden. Nach der Aufgabe des Wohnrechts hat auch der Kreis Paderborn die entsprechende Befreiung bei der Betriebsauflage veranlasst. Genehmigt werden muss sie für den Kreis von der Bezirksregierung. Foto: Oliver Schwabe

Dies betrifft auch weitere Anlagen im Umfeld des Hofes. Mit dem Wegfall des Wohnrechtes fallen auch die bisherigen Auflagen für den Betrieb von Windrädern in der geschützten Nachtruhe weg. Von 22 bis 6 Uhr mussten die Räder gedrosselt werden. Wenn jetzt aber niemand mehr in dem Bereich wohnt, fallen diese Beschränkungen weg. Dementsprechend haben die Betreiber von mehreren Windrädern den Wegfall der Nachtdrosselung ebenso beantragt wie auch der Kreis Paderborn für seine beiden Anlagen.

Der Kreis Paderborn muss als Genehmigungsbehörde diese Aufhebung der Beschränkung bei der Bezirksregierung in Detmold beantragen. Auch bei der Genehmigung der beiden Wind­räder hatte der Kreis das Genehmigungsverfahren komplett an die Bezirks­regierung abgegeben. Zur Aufhebung der Drosselung der Anlagen muss auch der Beleg beigebracht werden, dass dadurch keine lärmempfindlichen Vögel beeinträchtigt werden. Dies sei nicht der Fall, bestätigte der Kreis.

Die Bürgerinitiative Windvernunft fordert jetzt von der übergeordneten Genehmigungsbehörde eine erhöhte Sorgfaltspflicht auch vor dem gemutmaßten Hintergrund, dass die Aufgabe des Wohnrechtes zugunsten einer Betriebsleiterwohnung an gleicher Stelle nur die Umgehung von Auflagen bedeuten würde.

Zehn-Millionen-Euro-Projekt

Diese Wohnrecht-Auflage hatte vor Jahren auch im Salzkottener Rat eine wichtige Rolle gespielt beim Neubau von Anlagen in diesem Bereich. Für die Zustimmung zu einer Anlage außerhalb des Windvorranggebietes ist eine eidesstattliche Erklärung vorgelegt worden, dass mit dem Bau erst begonnen werde, wenn das Wohnrecht auf der Hofstelle aufgegeben werde.

Der Kreis Paderborn ist seit ­eineinhalb Jahren über den AVE-Eigenbetrieb Windkraftbetreiber von zwei modernen Windkraft­anlagen des Typs Enercon E-115, die sich demnächst dann auch ungebremst in der Nacht drehen können.

Die Lackmann Phymetric GmbH hatte seinerzeit im Auftrag der AVE über drei Jahre lang das Genehmigungsverfahren und den Bau der Anlagen durchgeführt. Zusammen werden die Anlagen etwa 14 Millionen Kilowattstunden im Jahr erzeugen. Das ist mehr als viermal so viel wie der Kreis in seinen Liegenschaften selbst verbraucht.

Landrat Manfred Müller wies bei der damaligen Übergabe der Anlagen an den Kreis im Januar 2018 darauf hin, dass es sich bei dem Zehn-Millionen-Euro-Projekt um die größte jemals getätigte Einzelinvestition des Kreises handele. Das Projekt war politisch unumstritten, weil der AVE die Erträge der Anlagen in den Müllgebührenetat einfließen lassen wollte und somit jeder Bürger in den Genuss eines kleinen finanziellen Vorteils kommen sollte. Um nicht in Konflikt mit seiner Aufgabe als Genehmigungsbehörde für Windkraftanlagen zu kommen, gab der Kreis das Verfahren an Detmold ab.

  • Das Thema Genehmigung von Windkraftanlagen steht auch im Zentrum der Bürgerversammlung in Etteln am Montag, 9. September, ab 19.30 Uhr im Bürgerhaus. Neben Landrat Manfred Müller ist auch die Verwaltungsspitze zu diesem Themenbereich des Kreises anwesend.

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