Daniel Minetti gehört jetzt fest zum Ensemble des Paderborner Theaters
Der zweite Einstand

Paderborn (WB). Schon zweimal hat Daniel Minetti am Paderborner Theater seinen Einstand gegeben: im September 2018 unter traurigen Umständen, am vergangenen Samstag dann ohne dunkle Wolken und beifallumrauscht.

Mittwoch, 04.09.2019, 09:08 Uhr aktualisiert: 04.09.2019, 09:12 Uhr
Daniel Minetti vor der Galerie mit den Ensemblemitgliedern. Auch in TV-Filmen und -serien wie »Nikolaikirche« und »Die Sternbergs« war er zu sehen. Foto: Oliver Schwabe

»Die Situation war nicht normal«, erinnerte sich Minetti am Dienstag an den Sommer und Herbst 2018. Im Juli war mit Willi Hagemeier der Paderborner Theaterschauspieler schlechthin überraschend mit 63 Jahren gestorben. Er hatte 30 Jahre hier gewirkt, das Publikum liebte seine sonore Stimme. »Als der Willi starb, hat mich Regisseur Martin Schulze, der mich aus Krefeld kannte, gefragt, ob ich Zeit hätte, Willis Rolle zu spielen«, erzählt der 61-Jährige. Weil er die Besetzung mit einem Mann witzig fand, sagte Minetti zu und schlüpfte in der Inszenierung von Shakespeares »Richard III.« in die Rolle der Königin Margaretha. Premiere hatte das Stück am 27. September 2018. »Das war für die Kollegen wirklich nicht einfach, aber sie haben mich freundlich und offen aufgenommen«, weiß Minetti.

Ein Jahr später lief alles unbelastet und geradezu triumphal ab. Minetti gelang am Samstagabend als Stelzfuß in »The Black Rider« ein beeindruckender Einstand als jetzt festes Mitglied des Ensembles und wurde vom Publikum gefeiert. »Das war eine schöne Stimmung«, sagt er selbst bescheiden und schiebt den Erfolg auch auf seine Rolle: »Es ist immer geil, den Teufel zu spielen.«

Wenn bei der Aufführung alles schrecklich war, will man wenigstens sagen, ich war aber gut.

Daniel Minetti

Daniel Minetti wurde am 29. März 1958 in Berlin geboren und wuchs in der damaligen DDR auf. Er ist der Sohn des Schauspielerehepaares Irma Münch und Hans-Peter Minetti und Enkel von Bernhard Minetti. Die Familientradition wollte er eigentlich nicht fortsetzen. »Als Kind fand ich die Gespräche über Theater am Küchentisch bei Schnitzel und Erbsen todlangweilig«, denkt er zurück. Die Wende kam, als er in der 2. Erweiterten Oberschule in Berlin beim »Fest der deutschen Sprache« im »Robotermärchen« von Stanislaw Lem mitspielte und Feuer fing. Sein Handwerk erlernte der 1,87 Meter große, graumelierte Mime mit den blauen Augen von 1978 bis 1981 an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Er stand im Maxim-Gorki-Theater in Berlin und viele Jahre in Dresden auf der Bühne. Der Fall der Mauer 1989 sorgte dafür, dass sein Aktionsradius nicht länger auf ostdeutsche Städte begrenzt war. Inzwischen kennen ihn auch Theaterfreunde in Düsseldorf, Hamburg sowie in Krefeld und Mönchengladbach, wo er zuletzt engagiert war.

In der DDR lauschten die Zuschauer nach versteckten Anspielungen auf das SED-Regime. Wenn Schillers »Don Carlos« aufgeführt wurde und das Zitat »Geben Sie Gedankenfreiheit, Sire!« kam, habe das immer Beifall ausgelöst, hat Minetti beobachtet. Als Schauspieler sei man so auf sein Stück fixiert, dass es in dem Moment keinen Unterschied mache, ob man es in einer Diktatur oder Demokratie spiele. Er selbst mag Boulevardkomödien von Neil Simon genauso wie Ernstes wie »Das Recht des Stärkeren« von Dominik Busch. Darin verkörperte Minetti im Frühjahr in Paderborn einen Konzernchef, der von der Globalisierung profitiert – auf Kosten anderer. Intendantin Katharina Kreuzhage bescheinigt Minetti mit Blick auf den Spielplan eine »kluge Mischung« aus Unterhaltung und gesellschaftskritischen Themen.

Das nicht zu große Theater, in dem alle Gewerke vereint sind und in dem man sich kennt, und die Stadt »mit dem entspannten Umgang untereinander« schätzt Minetti sehr, Berlin vermisst er »nicht die Bohne«. Er sei »kein Typ, der an Steinhaufen hängt, entscheidend ist, was darin an Leben passiert«. Weil seine Frau in Krefeld Theater spielt, pendelt Minetti zwischen Paderborn und dort. Auch die Tochter hat diesen Beruf gewählt. Dazu geraten hat Daniel Minetti ihr nicht. Wer von Ruhm, Ehre und viel Geld träume, verkenne die Realität, sagt er. Beifall bezahlt keine Rechnungen, aber er ist schön – wie am Samstag, als Paderborn Daniel Minetti beim zweiten Einstand feierte.

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