Theater Paderborn beginnt Saison mit »The Black Rider« – Zuschauer sind hingerissen
Grandioser Auftakt

Paderborn (WB). Superlative sind nicht immer angebracht. In diesem Fall aber schon. Zum Spielzeitauftakt im Paderborner Theater erlebten die Zuschauer bei der Premiere von »The Black Rider« eine genial inszenierte und wunderbar gespielte Aufführung. Der Beifall wollte nicht enden.

Montag, 02.09.2019, 09:09 Uhr aktualisiert: 02.09.2019, 09:12 Uhr
Brillant (von links): Carsten Faseler, Niklas Hugendick, Ogün Derendeli, Claudia Sutter, Kirsten Potthoff, Alexander Wilß. Foto: Meinschäfer

Bei dem Welterfolg von Robert Wilson nach dem Buch von William Seward Borroughs und mit der Musik von Tom Waits wird dem Ensemble alles abverlangt: tänzerische und gesangliche Fähigkeiten, Artistik und Körperbeherrschung, Texte auf Deutsch und Englisch und ausgeprägtes Mienenspiel. Die Schauspielerinnen und Schauspieler leisteten all das mit Bravour und agierten fast wie im Rausch.

Apropos: Weil Burroughs (1914-1997) bekanntlich seine Werke unter dem Einfluss von Rauschgift schrieb und Tom Waits in dieser Hinsicht auch kein Kind von Traurigkeit ist, ziehen sich Metaphern aus der Welt der Drogen durch das Stück. Angefangen bei den Zauberkugeln (»magic bullets«) bis zum »Teufelspakt«, der »immer ein Narrenpakt ist«, wie Stelzfuß (Daniel Minetti) warnt. Wilhelm (Carsten Faseler) lässt sich auf Stelzfuß ein, weil er nicht mal eine angepflockte Kuh trifft, aber das Schießen lernen muss, um vom Förster (Alexander Wilß) das Käthchen (Claudia Sutter) zur Frau zu bekommen. Stelzfuß gibt ihm »Zauberkugeln«, wobei Wilhelm bei der letzten das Ziel nicht selbst bestimmen kann.

»The Black Rider – the Casting of the Magic Bullets« nimmt die Freischütz-Sage auf und spielt in einem abgewetzten Zelt im Halbdunkel des Waldes. Weil der Förster darauf besteht, dass sein Nachfolger mit dem Gewehr umgehen kann, geht es in dem Stück nicht nur um Erfolgsdruck, sondern auch um den Sinn oder Unsinn von Tradition. Regisseur Ingmar Otto, Dramaturgin Sophia Lungwitz und Choreografin Moira Fettermann stellen geschickt Bezüge zu Schützenfesten her, wenn Wilhelm in einem Autoscooterwagen vor Liebe zu Käthchen geradezu zerfließt, später auf einen Holzadler anlegt und über dem Zelt ein Banner mit der Aufschrift »Wir grüßen alle Festteilnehmer« hängt.

Stück bürgt für beste Unterhaltung

Nicht zuletzt wegen der Kostüme (Matthias Strahm) ist das Stück ein Volltreffer. Die Schauspieler erinnern optisch gleichermaßen an die »Rocky Horror Picture Show« und an »The Living Dead«. Wunderbar begleitet wird das Schauermärchen von der siebenköpfigen Liveband, die Musik erinnert manchmal an eine Zirkusmanege, mal an einen Gruselfilm. Die Schauspieler agieren auf der Bühne und im Publikum, sie reimen (»Wie sieht es hier denn aus? Totes Wild im ganzen Haus«), um dann wieder pantomimisch nur ihre Körper sprechen zu lassen. Jemanden herauszugreifen wäre unfair, deshalb nur so viel: Claudia Sutter und Daniel Minetti, beide neu und fest im Ensemble, beeindrucken bei ihrem Debüt auf ganzer Linie.

»The Black Rider« wird am 6., 20., 26. und 28. September sowie am 4., 10., 12., 17., 20. und 26. Oktober im Großen Haus aufgeführt. Sämtliche Plätze sollten spätestens dann besetzt sein. Übrigens steht das Stück ab Mai 2020 auch auf dem Spielplan des Bielefelder Theaters. Kein Wunder, denn seit seiner Premiere 1990 im Hamburger Thalia-Theater ist »The Black Rider« ein Selbstläufer. Das Stück bürgt für beste Unterhaltung – so wie am Samstag in Paderborn.

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