Ex-Finke-Verkäuferin klagt in Paderborn gegen fristlose Kündigung Prozess um 12.000 Euro Rabatt

Paderborn (WB). Fast 12.000 Euro Nachlass für den Einkauf der eigenen Schwester: Eine Verkäuferin des Paderborner Möbelhauses Finke soll beim Schlussverkauf unzulässig üppige Rabatte gegeben haben – und wurde deshalb fristlos entlassen.

Von Timo Gemmeke
Eine ehemalige Verkäuferin des früheren Paderborner Möbelhauses Finke soll beim Schlussverkauf unzulässig üppige Rabatte gegeben haben.
Eine ehemalige Verkäuferin des früheren Paderborner Möbelhauses Finke soll beim Schlussverkauf unzulässig üppige Rabatte gegeben haben. Foto: Jörn Hannemann

Sie klagte dagegen, und gestern verhandelte das Arbeitsgericht Paderborn. Sie sei eine »gute und gewissenhafte Mitarbeiterin«, erklärte die Frau. 13 Jahre sei sie bei Finke angestellt gewesen. Die Nachricht, dass dem Möbelhaus die Schließung drohe, habe sie und ihre Kollegen hart getroffen. Manche hätten sich daraufhin krankschreiben lassen. Sie sei tatsächlich krank gewesen, aber dennoch zur Arbeit gegangen – bis zur fristlosen Kündigung.

Die Verkäuferin soll im Ausverkauf mehr als den erlaubten Rabatt auf mehrere Einkäufe gegeben haben. Unter anderem auch auf Möbel im Wert von knapp 18.500 Euro für ihre Schwester, die letztlich nur 6.100 Euro bezahlt hatte.

»Meine Mandantin wollte sich keinen Vorteil verschaffen«

Prof. Dr. Friedrich Meyer, Anwalt der Verkäuferin, möchte eine Umwandlung in eine fristgerechte Kündigung erreichen: »Meine Mandantin wollte sich keinen Vorteil verschaffen, indem sie Ware besonders billig verkauft hat.« Das sei auch wenig sinnvoll, weil von der Höhe des Verkaufspreises auch die Provision für den Verkäufer abhänge. Außerdem habe sie derart unter Stress gestanden, dass »viele Fehler« passiert seien.

»Wir haben über Wochen zu fünft in einer Abteilung mit 13 Mitarbeitern gearbeitet«, sagte die Frau. Auch ihr Vorgesetzter sei krank gewesen, seine Vertretung habe sich »überhaupt nicht ausgekannt«. Gleichzeitig habe sich das Möbelhaus zum Schlussverkauf in einem »kriegsähnlichen Zustand« befunden, so Meyer. »Kunden haben sich die Ware gegenseitig aus den Händen gerissen und zu zehnt einen Verkäufer belagert.« In dieser Situation seien seiner Mandantin Fehler beim Abrechnen unterlaufen, die sie aber habe korrigieren wollen. Auch den »irrtümlicherweise gegeben Rabatt« von knapp 12.000 Euro für ihre Schwester habe sie rückgängig machen wollen. »Die Verkaufsdaten meiner Schwester waren in der EDV gespeichert. Wenn ich wirklich hätte betrügen wollen, wäre das doch sofort aufgefallen.«

Überschreitungen des zulässigen Rabattes in 59 Fällen

Aufgefallen waren im Kontrollsystem von Finke nicht nur der Verkauf an die Schwester und ein Teppich, den die Frau statt für 1000 für 100 Euro verkauft hat. In 59 weiteren Fällen hatte es laut Finke-Anwalt Marcus Menster »erhebliche Überschreitungen des zulässigen Rabattes« gegeben. Die Klägerin habe sich mit Aussagen zum Teppich selbst entlarvt. »Erst hat sie behauptet, sie hätte sich vertan und eine Null übersehen. Danach sagte sie sogar vor Gericht, dass Kunden das Preisschild manipuliert hätten«, so Menster. Insgesamt sei im Unternehmen durch alle Fälle ein Schaden im »mittleren fünfstelligen Bereich« entstanden.

Gericht entscheidet zugunsten des früheren Möbelhauses

Das Gericht entschied gestern zugunsten des früheren Möbelhauses Finke: Die Klage der Frau wurde abgewiesen. Eine Begründung seitens des Gerichts gab es dazu gestern nicht mehr. Anwalt Meyer machte jedoch deutlich: »Wir werden auf jeden Fall in Berufung gehen.« Man wolle in jedem Fall weiter darum kämpfen, dass die Frau eine ordentliche Kündigung und damit ihre Abfindung in Höhe von knapp 50.000 Euro erhalte. Die Verkäuferin sagte, sie wolle endlich Klarheit haben und sich »nach dem nervenaufreibenden Ende bei Finke« selbstständig machen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6864748?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2512560%2F