Anwalt: Beschuldigter Waldemar E. kann sich an nichts erinnern Rätsel um tödliche Bluttat

Paderborn (WB). Seit mehr als zwei Monaten sitzt Waldemar E. in Untersuchungshaft. Der Vorwurf: Er soll seinen Cousin Alexander K. (50) im Schlaf erstochen haben. »Mein Mandant ist fassungslos über die Tat und kann sie sich nicht erklären«, berichtet der Paderborner Rechtsanwalt Richard Uhle. Ein Motiv gibt es bislang nicht.

Von Ingo Schmitz
Rückblende: Am Samstag, 22. Juni, soll Alexander K. von seinem Cousin im Schlaf erstochen worden sein. Die Polizei nahm den mutmaßlichen Täter noch vor Ort fest. Das Opfer verstarb wenig später im Krankenhaus.
Rückblende: Am Samstag, 22. Juni, soll Alexander K. von seinem Cousin im Schlaf erstochen worden sein. Die Polizei nahm den mutmaßlichen Täter noch vor Ort fest. Das Opfer verstarb wenig später im Krankenhaus. Foto: Ingo Schmitz

Die brutale Bluttat hatte in Schloß Neuhaus und darüber hin­aus für großes Aufsehen gesorgt. Es ist eine Familientragödie, für die es noch keine Erklärung gibt. »Mein Mandant kann sich an nichts erinnern«, sagt Uhle. Unter Tränen habe sich der Beschuldigte in der Untersuchungshaft geäußert. »Er ist schockiert darüber, was da passiert ist und steht völlig neben sich.« Daher sei ein Gutachten in Auftrag gegeben worden.

Fest stehe bislang lediglich: Waldemar E. hat auf seinen zehn Jahre jüngeren Verwandten eingestochen – daran gibt es auch nach Aussage seines Anwalts keinen Zweifel. Kurz darauf verstarb das Opfer im Krankenhaus.

Waldemar E. kann sich die Tat nicht erklären. Foto: WB

Wie berichtet, soll sich Waldemar E. am Samstag, 22. Juni, etwa um 7.30 Uhr durch die geöffnete Terrassentür eines Mehrfamilienhauses in der Krakostraße geschlichen haben. So habe er sich Zutritt zu der Wohnung im Erdgeschoss verschafft, in der Alexander K. mit seiner Frau Oxana lebte. Der mutmaßliche Täter habe sich vom Wohnzimmer weiter ins Schlafzimmer geschlichen und habe dann dort auf Alexander K. ohne Vorwarnung eingestochen, während dieser neben seiner Frau im Bett schlief.

Die Ehefrau sei in Panik geraten und habe um Hilfe geschrien. Das hörten auch die Nachbarn sowie der 17-jährige Sohn des Paares, der mit in der Wohnung lebt. Zusammen mit einem Zeugen gelang es dem Jugendlichen, den stark alkoholisierten Angreifer zu überwältigen und bis zum Eintreffen der Polizisten festzuhalten. Die Tatwaffe, ein Jagdmesser, wurde von der Polizei sichergestellt.

Wenig Kontakt zur Verwandtschaft

Der mutmaßliche Täter Waldemar E. ist 60 Jahre alt und hat nach Worten seines Anwalts ein Leben lang hart im Straßenbau geschuftet. Vor 20 Jahren sei er aus Sibirien nach Deutschland gekommen. Zuletzt habe er wegen gesundheitlicher Probleme seinen Job nicht mehr ausüben können. Mit seiner Frau wohnte er unweit vom Tatort. Mit seinem Cousin und dessen Familie habe er trotz der nachbarschaftlichen Nähe wenig Kontakt gehabt. »Ein aktueller Streit lag nicht vor«, berichtet Richard Uhle. Nach der Ursache könne wohl lediglich in der Vergangenheit gesucht werden.

Allerdings habe Waldemar E. offenbar vor einiger Zeit ein Alkoholproblem gehabt. »Er hat dann ein Jahr lang abstinent gelebt. Kurz vor der Tat hat er allerdings wieder angefangen zu trinken – sehr exzessiv.« Waldemar E. sei offenbar unter Druck geraten, weil das Straßenverkehrsamt seine Fahreignung angezweifelt habe. Die Untersuchung dazu stand bevor.

Zwei Promille Alkohol im Blut

Zum Tatzeitpunkt soll der 60-Jährige etwa zwei Promille Alkohol im Blut gehabt haben. Das Gutachten müsse nun klären, so Richard Uhle, ob der Alkohol in Kombination mit den Herzmedikamenten die Tat begünstigt haben könne. »Eigentlich ist das ein netter Mitbürger«, sagt Uhle. Er geht davon aus, dass die Staatsanwaltschaft im September/Oktober Anklage erheben werde. Ende November könnte dann der Prozess starten.

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