Standesamt bezweifelt Identität des inzwischen deutschen Vaters Kind bekommt keine Geburtsurkunde

Paderborn (WB). Seit mehr als eineinhalb Jahren verweigert das Standesamt Paderborn einem Kind die Geburtsurkunde. Der Vater spricht von Behördenwillkür.

Von Christian Althoff
Seit Januar vergangenen Jahres wartet eine Studentin aus Paderborn darauf, dass das Standesamt ihr die Geburtsurkunde für ihr Baby ausstellt. Doch die Behörde zweifelt daran, dass die Geburtsurkunde des Kindesvaters echt ist.
Seit Januar vergangenen Jahres wartet eine Studentin aus Paderborn darauf, dass das Standesamt ihr die Geburtsurkunde für ihr Baby ausstellt. Doch die Behörde zweifelt daran, dass die Geburtsurkunde des Kindesvaters echt ist. Foto: imago

Christian Nkombou (34) stammt aus Kamerun. Er ist Psychiater und arbeitet am Knappschaftskrankenhaus Lütgendortmund in Dortmund. Seit 13 Jahren lebt er in Deutschland, vor acht Jahren wurde er eingebürgert. »Seitdem bin ich Deutscher«, sagt der Arzt und zeigt seinen Personalausweis. »Ich musste meinen kamerunischen Pass abgeben und gelte da jetzt als Ausländer. Ohne Visum kann ich nicht mehr dorthin.«

Am 26. Januar 2018 bekamen Nkombou und seine kamerunische Freundin, die an der Universität Paderborn ein Masterstudium macht, eine Tochter. Christian Nkombou erkannte die Vaterschaft an. Er legte seinen Ausweis und seine Geburtsurkunde beim Standesamt Paderborn vor, doch das verweigerte die Ausstellung einer Geburtsurkunde für das Mädchen. Zur Begründung teilte das Amt mit, es bezweifele die Echtheit der Geburtsurkunde Christian Nkombous. Die Behörde konkretisierte ihren Verdacht nicht, sondern verwies lediglich darauf, dass Kamerun nach Angaben des Auswärtigen Amtes zu den Ländern gehöre, die ein »sehr unsicheres Urkundswesen« haben. Der Anteil unrichtiger Urkunden sei dort sehr hoch.

Keinen Anlass zu Zweifeln

Christian Nkombou wandte sich hilfesuchend an die Bezirksregierung Gießen, die ihn 2011 eingebürgert hatte. Der zuständige Beamte schrieb ihm: »Im Rahmen Ihres Einbürgerungsverfahrens haben Sie eine kamerunische Geburtsurkunde nebst deutscher Übersetzung vorgelegt.« Diese Geburtsurkunde habe keinen Anlass zu Zweifeln geboten und sei als echt anerkannt worden. »Da Sie mit diesen Dokumenten Ihre Identität hinreichend nachweisen konnten und alle gesetzlich vorgeschriebenen Einbürgerungsvoraussetzungen erfüllt waren, habe ich Ihre Einbürgerung veranlasst.« Der Beamte aus Hessen regte an, sein Schreiben dem Standesamt Paderborn vorzulegen.

Psychiater Christian Nkombou.

Das tat Nkombou, doch das änderte nichts, weil das Standesamt seine Entscheidungen unabhängig treffen kann. Hans Georg Dalka, Fachanwalt für Verwaltungsrecht in Paderborn, vertritt den Arzt. »Ich verstehe die Haltung der Behörde nicht. Ohne Geburtsurkunde existiert das Kind juristisch gar nicht. Das macht Probleme, wenn es um Kindergeld, Elterngeld und die Steuererklärung geht.«

Seine Geburtsurkunde soll nach Kamerun gehen

Das Standesamt regte an, die Geburtsurkunde im Zuge der Amtshilfe in Kamerun überprüfen zu lassen – ein aufwendiges Verfahren. Dabei wird die Urkunde über das Auswärtige Amt an die deutsche Botschaft in Kamerun geschickt. Die Botschaft beauftragt dann vor Ort einen Anwalt mit der Überprüfung. Das Auswärtige Amt geht davon aus, dass das sechs bis acht Monate dauert und etwa 500 Euro kostet – die soll Christian Nkombou vorab ans Standesamt Paderborn zahlen. Ob er das will, weiß er noch nicht: »Ich befürchte, dass meine Geburtsurkunde in Kamerun verlorengehen könnte. Dann wäre alles noch schlimmer. In meiner Heimat gibt es schwere Unruhen. Das Auswärtige Amt warnt sogar vor Reisen dorthin.«

Rechtsanwalt Dalka klagte beim Amtsgericht Paderborn gegen die Weigerung der Stadt, doch das Gericht stellte sich hinter das Einwohnermeldeamt. Die Behörde will nun eine Geburtsurkunde ausstellen, in der sie sinngemäß vermerkt, dass die Abstammung des Vaters nicht geklärt sei. Hans Georg Dalka: »Mein Mandant ist Deutscher, wie seine Tochter. Selbst wenn sich beispielsweise herausstellen sollte, dass der Vater meines Mandanten anders hieße – was änderte das?«

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