Paderborner Ampelschaltungen werden auch an Bahnhofstraße optimiert
Grüne Welle soll kommen

Paderborn (WB). »Und schon wieder Rot!« Die Ampelschaltungen in Paderborn sind für viele Verkehrsteilnehmer ein Ärgernis. Bei der Stadt arbeitet ein Team von Experten daran, den Verkehrsfluss zu optimieren. Nächstes Ziel: eine grüne Welle auf der gesamten Bahnhofstraße. Die soll immer dann funktionieren, wenn sich die Fahrer ans Tempolimit halten.

Freitag, 09.08.2019, 04:00 Uhr
Für die Überwachung des Straßenverkehrs laufen im Technischen Rathaus in der Pontanusstraße die Drähte zusammen. Verkehrstechniker Stefan Agathen zeigt hier das Innenleben einer der ältesten Ampelschaltungen der Stadt Paderborn. Foto: Jörn Hannemann

Philip Ohms arbeitet in der Stabstelle Digitalisierung an der Optimierung der Mobilität. Verkehrsplanerin Andrea Willebrand will die Lichtsignalanlagen zukunftsfähig machen und Verkehrstechniker Stefan Agathen kümmert sich um die Hardware. Vier Elektriker ergänzen das Team. Insgesamt werden vom Technischen Rathaus in der Pontanusstraße aus 222 Anlagen betreut. Dort steht auch der zentrale Verkehrsrechner, der den Verkehrsfluss und mögliche Störungen wie Ampelausfälle im Blick hat und meldet.

Ende der Busbeschleunigung

Um ein so ambitioniertes Projekt wie eine grüne Welle im Rahmen vom »Masterplan Green City« auf der Bahnhofstraße zu realisieren, müssen etliche Eingriffe in die vorhandene Struktur vorgenommen werden, berichtet Andrea Willebrand. Denn: An der viel befahrenen Straße stehen alle paar Meter Ampelmasten, es gibt etliche Zufahrten und Einmündungen. Und dann kommt noch der massive Busverkehr dazu. Dieser hat bislang von der so genannten Busbeschleunigung profitiert.

Das bedeutet: Nähert sich ein Bus einer Ampel, bekam er Grünlicht. Das geschieht nach Aussage von Andrea Willebrand über ein so genanntes Funktelegramm, das der Bus abgibt und dadurch Grünlicht anfordert. Das geschieht völlig automatisch und dient dazu, den ÖPNV zu beschleunigen, was aber zu Lasten des Individualverkehrs geht. Diese Bevorzugung soll nun im Zuge der grünen Welle zurückgenommen werden.

Stop-and-Go soll vermieden werden

Heißt: Nähert sich ein Bus künftig einer Ampel, wird nur noch sanft eingegriffen und es gibt kein sofortiges Grün. Das Ziel: Das ständige Stop-and-Go für den Individualverkehr soll vermieden werden. Wer einmal Grün hat, bleibt dabei. Vor­ausgesetzt er fährt nicht zu schnell.

Nicht nur Autofahrer sollen von der grünen Welle profitieren, sondern auch der Rad- und der Fußgängerverkehr. Das sei ganz im Sinne des Luftreinhalteplans, um den Umstieg vom Individualverkehr zu unterstützen, sagt Willebrand. Um als Fußgänger »Grün« zu bekommen, muss niemand mehr die Ampeltaster betätigen. Schon bis Ende 2019 soll die Optimierung mit der grünen Welle abgeschlossen sein – »für ein bequemeres Fahren«, sagt Willebrand.

2020 soll umgerüstet werden

Außerdem befassen sich die Verkehrstechniker aktuell mit der Optimierung der Schloßkreuzung in Schloß Neuhaus. »Wir sind optimistisch, das dortige Stop-and-Go zu reduzieren«, sagt die Verkehrsplanerin. Beteiligt sind die Firmen RTB (Bad Lippspringe) und Stührenberg sowie das Heinz-Nixdorf-Institut, das einen neuen Schalt-Rhythmus entwickelt. Aktuell läuft die Bestandsaufnahme, 2020 soll dann auf die neuen Stührenberg-Geräte umgerüstet werden.

Tatsächlich ist die Ampeltechnik der Stadt Paderborn nicht auf einem einheitlichen Level. Weil sie mitgewachsen ist, gibt es einen Mix an Steuergeräten. Die Technik reicht von 40 Jahre alt bis zur heutigen stromsparenden LED-Technik.

Übrigens: Die gehäuften Ausfälle von Ampeln in jüngster Zeit stünden in Verbindung mit Überspannungen durch Blitze. Klar, dass es für diesen Fall einen Bereitschaftsdienst gibt, der rund um die Uhr erreichbar ist, um die Ampeln zu reaktivieren. Hacker-Angriffe – wie es sie im Fernsehen schon mal zu sehen gibt – seien nahezu ausgeschlossen, weil die meisten Anlagen völlig autark und unabhängig arbeiten.

 

Ein Kommentar von Ingo Schmitz

Paderborns Ampeltechnik ist eine Wissenschaft für sich und höchst komplex. Alles steht in einer Abhängigkeit: Wird an einer Stellschraube gedreht, hat das an anderer Stelle Auswirkungen. Wenn die einen fahren, müssen die anderen stehen. Aber ganz so einfach ist es dann auch nicht. Denn bei Ampelschaltungen müssen auch so genannte Räumzeiten für die Kreuzung berücksichtigt werden. Das alles sollten Autofahrer im Hinterkopf haben, wenn sie das nächste Mal ungeduldig vor einem Rotlicht stehen und glauben, der große Ampelgott habe sie gerade ausgelassen. Wie wichtig die Lichtsignale sind, wird immer dann deutlich, wenn sie an einer viel befahrenen Kreuzung ausfallen. Erstaunlich, wie viele Autofahrer dann mit den einfachen Vorfahrtsregeln überfordert sind. Dass sich die Verkehrstechniker nun die Bahnhofstraße vornehmen, ist mit Blick auf den Luftreinhalteplan eine Notwendigkeit. Wir sind gespannt auf das Ergebnis.

Kommentare

B. Schulz  wrote: 09.08.2019 12:41
Endlich tut sich was....
Alles schon erlebt: Auf dem George-Marshall-Ring fünf rote Ampeln hintereinander, auf dem Frankfurter Weg oder Heinz-Nixdorf-Ring vier rote Ampeln hintereinander.
In anderen Städten ist es genauso komplex, aber da klappt die grüne Welle!

Die Gelb-Phasen sind gefährlich kurz wie an der Kreuzung Diebesweg / An der Talle
Die Ampeln sind sehr oft schlecht zu sehen an der Wartelinie, man verdreht sich ständig den Hals.
Die Ampel vor Marienloh wird grundlos rot, kein wartendes Auto in der Nebenstraße und bei vorschriftsmäßiger Geschwindigkeit...
Tea Wild  wrote: 09.08.2019 11:19
Busse verursachen Staus
Würde die Bevorzugung der Busse im ganzen Stadtgebiet zurückgenommen, wäre der Großteil der täglichen innerstädtischen Staus an Ampeln Geschichte. Die sogenannte Busbeschleunigung führt einzig zu unnötigen Standzeiten an vielen Ampeln mit entsprechend erhöhtem Schadstoffausstoff. Wie so oft ist gut gemeint eben nicht immer gut gemacht.
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