36 Künstler machen bei »Kunst trifft Garten« mit – Aufbau der Werke hat begonnen
Pferde und ein Mahnmal aus Stahl

Paderborn (WB). Exmoorponys, Gamsböcke, Wildschweine, ein Rothirsch und ein Pfau – es ist ein Zoo aus Stahl, den Hans Kordes im Garten von Resi und Fritz Voß in Elsen gestaltet. »Ich liebe Stahl, ich liebe die Verformbarkeit des scheinbar starren Materials«, schwärmt der Künstler, der zum ersten Mal bei der Veranstaltung »Kunst trifft Garten« am 31. August und 1. September mitmachen wird.

Donnerstag, 08.08.2019, 20:05 Uhr aktualisiert: 08.08.2019, 21:00 Uhr
Hans Kordes hat Pferde aus Stahl geschaffen. Sie galoppieren und sprigen im Garten Voß. Kordes liebt die Verformbarkeit des Materials Stahl. Foto: Jörn Hannemann

Weil sich bis zu vier Meter hohe Stahlskulpturen im Gegensatz zu Bildern nicht erst einen Tag vorher zur Wewerstraße nach Elsen transportieren lassen, ist Kordes damit schon jetzt beschäftigt. Der Paderborner Stadtteil Elsen ist diesmal bei der alle zwei Jahren stattfindenden Reihe stark vertreten. Gleich drei Gärten werden die Blicke der Natur- und Kulturfreunde auf sich ziehen – auch der von Franz (83) und Hildegard Junker (78) am Hilschenbruch.

Schlossermeister Franz Junker arbeitet noch jeden Tag sechs bis acht Stunden an seinen Werken aus Stahl und Edelstahl. Was Betriebe als Schrott ansehen und loswerden wollen, weckt seine Kreativität. »Dann fängt es bei mir an zu rattern und ich bekomme Ideen«, erzählt Junker, der am 31. August und 1. September gleich in einer Doppelrolle auftritt – als jemand, der seinen Garten zur Verfügung stellt und gleichzeitig 75 seiner Exponate zeigt.

Säule aus weggeworfenen Werkzeugen

Darunter befinden sich die Mantelmadonna, eine Säule aus weggeworfenen Werkzeugen, eine Weltkugel, eine Skulptur, in der die Buchstaben des Namens Junker mitein­ander verwoben sind, eine fünfköpfige Figurengruppe mit einem Kranken, der sein Gesicht in seinen Händen vergräbt. Unter dem Eindruck des Terroranschlags auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 schuf Junker aus Stahlträgern und Moniereisen ein Mahnmal, in dem inmitten der Ruinen Flammen lodern. Immer wieder dienen ihm Rohre als Gerüst für seine Objekte. Zudem verwendet Junker besondere Steine aus Südtirol, die silbern glänzen, wenn die Sonne draufscheint. Im öffentlichen Raum zeugt die Säule mit Glasstein vor dem Bürgerhaus in Elsen von seinem Geschick. Künstler möchte Franz Junker nicht genannt werden, »ich bin eher ein Handwerker«, betont er.

Während andere Rost sofort überstreichen wollen, mag er ihn wegen »der warmen Farbe«. Junker nimmt zum ersten Mal an »Kunst trifft Garten« teil, in Eigenregie hat er seine Werke bereits 2018 gezeigt – zusammen mit denen von Ulla Mersch. Mehr als 400 Besucher kamen damals. Auch diesmal wird Mersch im Garten Junker ihre Bilder zeigen. »Ich male Land und Leute«, erzählt sie. Auch ein Porträt Picassos gehört zu ihren Werken. Mersch wird zum vierten Mal bei »Kunst trifft Garten« dabei sein, und sie hat schon einiges erlebt: »Einmal hat es an beiden Tagen geregnet, aber meine Acrylbilder haben durchgehalten. Die Besucher kamen mit Regenschirmen.«

 

36 Künstler präsentieren sich in 14 Gärten

Vor zwei Jahren nutzten gut 3000 Menschen die Gelegenheit, sich in Paderborn außergewöhnlich angelegte Gärten und Kunst aus allen Schaffensgebieten anzuschauen. Dabei ergeben sich interessante Wechselbeziehungen. »Kunst trifft Garten« ist eine Initiative der Werbegemeinschaft, an der sich der Paderborner Kulturverein gerne beteiligt, weil sich auf diesem Wege heimische Künstler präsentieren können. Es werden 36 in 14 Gärten sein.

Fritz Voß (72) stellt zum ersten Mal seinen 1,5 Hektar großen Garten zur Verfügung. Und das gleich fünf Künstlern: Heinrich Schade, Sabine Jaekel, Ulrich Tasche, Sven Christiansen und eben Hans Kordes. »Durch ›Kunst trifft Garten‹ habe ich Appetit bekommen«, sagt Fritz Voß und ergänzt: »Die Ideen, die ich in der Vergangenheit gesammelt habe, habe ich bei mir umgesetzt.« Künstler der Veranstaltungsreihe fanden in ihm einen Abnehmer ihrer Werke. Diesmal plant Voß, im vorderen Bereich seines Gartens der Malerei Platz einzuräumen und im hinteren den Stahlskulpturen von Hans Kordes aus Verl-Kaunitz.

Durch den »Hermann« aus Stahl populär geworden

Der 53-Jährige gestaltet nicht nur Tiere, sondern auch abstrakte Objekte. Zudem hat er Hermann den Cherusker mit dem Schwert in der Hand in Stahl nachgeahmt. Diese Figur machte ihn vor allem im Kreis Lippe bekannt und bringt ihm verlässlich Geld ein. »Sie füllt meinen Kühlschrank«, sagt Kordes ganz offen. Im Garten von Resi (70) und Fritz Voß will er durch seine Werke attraktive Sichtachsen schaffen. Eine läuft auf den »Hermann« zu, eine andere auf das Auge des Horus. Bis Ende August wird er dort etwa 1,5 Tonnen Stahl platziert haben. Diesen Garten und die anderen können Besucher an beiden Tagen jeweils von 11 bis 18 Uhr besichtigen.

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