Landwirte und regionale Fleischproduzenten sehen Steuererhöhung skeptisch
»Umdenken nicht per Blick aufs Geld«

Paderborn (WB). Kann eine höhere Mehrwertsteuer auf Fleisch zum Umdenken bei Konsumenten und Herstellern anregen? Landwirte und Produzenten im Kreis Paderborn sind skeptisch. Sie sehen in den Forderungen von SPD und Grünen zwar eine große Chance – aber auch sehr viele Risiken.

Donnerstag, 08.08.2019, 10:22 Uhr aktualisiert: 08.08.2019, 10:40 Uhr
Auch Hubertus Beringmeier, Vorsitzender des WLV-Kreisverbandes Paderborn, sieht den Vorschlag kritisch. Foto: Ingo Schmitz

Mehr zahlen, weniger essen, gleichzeitig etwas für den Tierschutz tun: Mit dem Vorschlag von SPD, Grünen und Teilen der Union, die Mehrwertsteuer auf Fleischprodukte von 7 auf 19 Prozent zu erhöhen, sollen mehrere Probleme gleichzeitig gelöst werden. Verbraucher sollen zu einer bewussteren, fleischärmeren Ernährung bewegt werden, während die Hersteller mehr Unterstützung beim Tierschutz bekommen – etwa durch die Steuern, die nach einer Erhöhung zusätzlich eingenommen werden könnten.

Anette Engelns

Anette Engelns Foto: Gemmeke

Angst vor Kostenanstieg bei kleinen Betrieben

Dieser Theorie stehen viele Landwirte und kleine Betriebe im Kreis Paderborn skeptisch gegenüber. Hubertus Beringmeier, Vorsitzender des Westfälisch-Lippischen-Landwirtschaftsverbandes Kreisverband Paderborn, sieht den Vorschlag der Politik mit gemischten Gefühlen. »In erster Linie geht es darum, den Fleischkonsum einzudämmen und zum Umdenken anzuregen«, so Beringmeier. »Das ist erst einmal ein gutes Ziel – es bringt aber viele Probleme mit sich.«

Die Mehrwertsteuer anzuziehen, könne zwei grundlegende Konsequenzen haben. »Entweder das Fleisch wird teuer und es wird weniger gekauft«, erklärt Beringmeier. Weniger Nachfrage würde gleichzeitig dazu führen, dass Hersteller ihre Produktion verkleinern müssten. »Das trifft zuerst die kleinen Betriebe, die sich aktuell schon kaum halten können.«

Sylvia Hansel

Sylvia Hansel Foto: Gemmeke

Maßnahme könnte sich gegen sich selbst kehren

Werde Fleisch aber verteuert, ohne die Produzenten generell zu entlasten, könne das zu einem »harten Strukturwandel« führen. Beringmeier: »Wenn die kleinen Betriebe nicht stärker unterstützt werden, überleben am Ende nur die großen. Die stehen aber gerade für industrielle Produktion und wenig für Tierschutz.«

Dass eine Steuererhöhung besonders kleinen Betrieben schaden würde, befürchten auch die Fleischhändler auf dem Paderborner Wochenmarkt. »Eine Steuer, von oben herab aufgezwungen, kann nicht wirken«, sagt Sylvia Hansel aus Westenholz. In zweiter Generation bietet die 50-Jährige Geflügel auch aus der eigenen Zucht an – vorwiegend aber von größeren Betrieben aus der Region, »weil es sonst gar nicht mehr rentabel wäre«.

Ihre Marktkollegin nur einige Stände weiter sieht das Problem ähnlich. »Im Endeffekt trifft es uns, die kleinen Betriebe«, sagt Anette Engelns, die Geflügel und Wild aus dem Familienbetrieb verkauft. Ihrer Meinung nach sollte der Ansatz woanders liegen. »Wir müssen die Leute zum Umdenken anregen, von klein auf. Das muss im Kopf passieren und nicht per Blick aufs Geld.«

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