Paderborner Postbote verteilt Briefe mit speziellem Elektrofahrzeug
Handicap? Kein Problem!

Paderborn (WB). Von Geburt an, so berichtet es Theo Welslau, habe er eine Einschränkung im Bewegungsapparat. Trotzdem ist er Postbote mit Leidenschaft. Auch, weil ihm sein Arbeitgeber nun ein Elektrofahrzeug zur Verfügung stellt. »Das macht Vieles einfacher«, sagt Welslau.

Dienstag, 06.08.2019, 05:00 Uhr
Mit seinem »eTrolley« trägt Theo Welslau die Post im Paderborner Riemekeviertel aus. Foto: Lukas Brekenkamp

Wer Theo Welslau kennenlernt, der merkt schnell: Der 58-Jährige ist ein Vollblut-Postbote. »Ich bin seit 41 Jahren bei der Post«, berichtet er mit ein bisschen Stolz in der Stimme. »Bei Wind und Wetter bin ich dabei!« Der Paderborner ist zuständig für das Riemekeviertel. Ausschließlich. Das ist möglich, weil die Post Menschen mit Handicap die Gelegenheit gibt, eben einen Bezirk mit der Post zu versorgen, statt das Einsatzgebiet zu wechseln.

Fast täglich ist Theo Welslau geschätzt 20.000 bis 25.000 Schritte durch das Riemekeviertel marschiert, um die Briefkästen der etwa 900 Haushalte zu befüllen. »Früher ging das gut«, sagt er. Immerhin musste er auch noch den bepackten Wagen schieben – und mehrmals auffüllen. »Mit dem Alter wurde das aber immer mühseliger und ging an die Substanz.« Damit Theo Welslau seinem Beruf aber weiter nachgehen konnte, hat die Post für ihn einen so genannten »eTrolley« angeschafft – unterstützt vom Integrationsamt.

Vier »eTrolleys« in OWL

Vier solcher »eTrolleys« fahren über die ostwestfälischen Straße. Neben dem personalisierten Gefährt des 58-Jährigen weitere in Bielefeld, Lemgo und Bad Salzuflen. Letzteres sei vor etwa sieben Jahren das erste E-Mobil der Post in OWL gewesen, berichtet Michael Temme, Vertrauensperson für Schwerbehinderte bei der regionalen Post.

Dort habe sich auch Theo Welslau gemeinsam mit Michael Temme den »eTrolley« angeschaut – und sei direkt begeistert gewesen. Am Anfang sei es jedoch noch etwas schwierig auf dem Gefährt gewesen. »Jetzt könnte er das Gerät auch auf einer Briefmarke wenden«, lobt Michael Temme.

Etwa 5000 Euro kostet das Fahrzeug von Theo Welslau, dass es auf sechs Stundenkilometer schafft. Daher darf er auch über die Gehwege fahren, statt den Radweg nutzen zu müssen. Seit Februar 2017 verteilt er nun Briefe mit Hilfe des »eTrolleys«. Ausschlaggebend für die Anschaffung war letztendlich auch eine Verletzung des Meniskus.

Mehr als 10.000 Schritte am Tag gespart

»Der Job des Zustellers ist sehr knackig«, bringt es Post-Sprecher Rainer Ernzer auf den Punkt. »Wenn man dann auch noch eine Einschränkung hat, dann ist es wichtig, für Entlastung zu sorgen.« Der Sprecher betont auch: »Wir überlegen immer, wie wir unsere Kollegen – wenn sie es wollen – so lange wie es geht im Arbeitsprozess halten können.«

Und obwohl er schon seit mehr als zwei Jahren fast täglich ab 9.30 Uhr durch das Riemekeviertel kurvt, wird er trotzdem gerne noch angesprochen. Immerhin ist sein Gefährt noch eine Seltenheit auf den deutschen Straßen. Theo Welslauf macht das Fahren aber richtig Spaß, wenn er auf dem Extra-Fahrbrett steht und den »eTrolley« per Lenkrad steuert.

Dank seines Fahrzeugs spart Theo Welslau geschätzt mehr als die Hälfte seiner bis zu 25.000 Schritte am Tag. »Es ist eine große Erleichterung. Ohne das Fahrzeug wäre es für mich schon sehr heftig«, sagt er dankend. Immerhin sei auch sein Ziel, so lange es geht bei der Post zu bleiben. Nur die Treppen – die kann der »eTrolley« dem begeisterten Postboten mit Handicap noch nicht abnehmen.

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