Sprachvirtuose Philipp Scharrenberg lässt sich in Paderborn von Stromausfällen nicht unterkriegen
Von Germanisten und Elektrikern

Paderborn (WB). Der 2. August wird in die Paderborner Kabarettgeschichte eingehen. Über dem Zelt auf dem Bonifatiushof blitzte und donnerte es, im Zelt fiel gleich drei Mal der Strom aus. Einen Germanisten hätte man in dieser Situation am allerwenigsten gebraucht.

Montag, 05.08.2019, 09:31 Uhr aktualisiert: 05.08.2019, 09:36 Uhr
»Total malade starrt die Made auf das Gewand an der Wade«, reimt Philipp Scharrenberg, der der Sprache unzählige Wortspiele abringt – zum Vergnügen der Zuhörer. Foto: Dietmar Kemper

»Wo ist der Elektriker?«, riefen Besucher des »Libori-Nachtkaba­retts«, einige stimmten die Eurovisionshymne und das Paderborn-Lied an, Feuerzeuge flammten auf. Unfreiwillige Comedy inmitten des Kabaretts. Germanist und Slampoet Philipp Scharrenberg ließ sich von den Stromausfällen kurz vor und während der ersten Hälfte seines Auftritts nicht aus dem Konzept bringen und brachte sein Programm »Germanistik ist heilbar« im Stromsparmodus zu Ende. Das bedeutete: Saallicht an, Scheinwerfer aus.

Der 43-Jährige braucht ohnehin keine aufwändige Dekoration und spektakulären Lichteffekte; er lebt allein von dem, was aus seinem Mund kommt. Und das ist spektakulär. Der mehrfache deutschsprachige Poetry-Slam-Champion und deutsche Kabarettmeister 2013/2014 geht derart virtuos mit der Sprache um, dass einem anhand der vielen Wortspiele fast schon schwindelig wird. Beispiel gefällig? »Wir setzen uns das Sahnehäubchen auf, ziehen uns den Speckmantel an und glauben, dass man den Rest weghanteln kann.«

Scharrenberg reimt und rappt und stellt dabei überraschende und witzige Zusammenhänge her. Fußgänger seien die »Veganer der Straße«, Nordic Walking sei wie Radfahren mit Stützrädern. »Germanisten sind Nerds«, betont der Mann, der in Bonn Germanistik studiert hat. Aber wenn alle Germanisten so lustig wie er wären, dürften ruhig mehr von ihnen die Kleinkunstbühnen betreten. Auf die Spitze treibt es Scharrenberg, wenn er von seiner Freundin die Beherrschung der deutschen Sprache verlangt. »Wie sollte ich mit einer zusammensein, die zusammensein getrennt schreibt?«, fragt er und betont, wer die Germanistik kränke, mit dem wolle er »nicht mal Schriftverkehr«.

Das ist ein bisschen selbstverliebt, aber stets unterhaltsam. Scharrenberg bindet die Zuhörer nicht in sein Programm ein, fordert aber deren uneingeschränkte Aufmerksamkeit. »Kann denn Liebe Syntax sein?«, fragt er, und vielleicht hat es der Kabarettist ja geschafft, dass einige der Zuhörer künftig stärker auf ihre Sprache achten. Germanisten sind eben doch zu etwas gut – wenn auch nicht für Stromausfälle.

Scharrenberg beendete die diesjährige Reihe des »Nachtkabaretts«, die Auftritte waren durch die Bank sehenswert. Die Künstler hatte Stani noch zu Lebzeiten ausgesucht, seine Familie brachte sie auf die Bühne. Danke dafür!

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6828385?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2512560%2F
Vermisster Mountainbiker wohlbehalten wieder aufgetaucht
Die Suche nach dem Mann wurde am Mittwoch abgebrochen. Foto:
Nachrichten-Ticker