Spagat aus ernsten Themen und flachen Pointen kommt in Paderborn gut an
Der freundliche Herr Çevikkollu

Paderborn (WB). Viele Kabarettisten benutzen gerne Wortspiele für ihre Programmtitel. So auch Fatih Çevikkollu, der mit seinem aktuellen Programm »Fathimorgana« zwei Abende für ein volles Zelt und beste Unterhaltung beim »Libori-Nachtkabarett« sorgte.

Freitag, 02.08.2019, 20:27 Uhr aktualisiert: 02.08.2019, 20:30 Uhr
Achtung! Wer so sympathisch guckt, kann auch ganz schön böse sein. Fatih Çevikkollu bewies das beim »Nachtkabarett« in Paderborn. Foto: Michael Welling

Erst einmal stellt er fest, dass eine Fata Morgana keine Illusion, sondern eine Luftspiegelung sei, also ein physikalisches Phänomen. Um dann schnell den Bogen zur aktuellen Politik zu spannen, denn solche Luftspiegelungen seien in der Politik ja auch ständig zu beobachten, dort jage eine Fata Morgana die andere, ist der Kölner Kabarettist überzeugt.

Horst Seehofer als Zielscheibe

Und er hat auch gleich entsprechende Beispiele parat. Besonders die CSU-Politiker Horst Seehofer und Markus Söder haben es ihm angetan: Der »Heimathorst« sei selbst ein Wirtschaftsflüchtling, der als Migrant in Berlin lebe, um nun die Migration als Mutter aller Probleme zu bezeichnen. »Was hat unserem Land mehr geschadet, Nationalismus oder Migration?«, stellt Fatih Çevikkollu dem aufgeschlossenem Publikum mehr als einmal eine provozierende Frage. »Auf der einen Seite haben wir 60 Millionen Tote und ein verwüstetes Europa, auf der anderen Seite haben wir den Dürüm Döner.«

Mit lockeren Sprüchen streift er so manches aktuelle Thema und hat sich gleich die 19-jährige Jana aus dem Publikum als »Running Gag« ausgeschaut. »Um Dich braucht man sich in Zukunft keine Sorgen zu machen, Du schaust ja schon jetzt intelligentes Kabarett.« Natürlich hat es ihm auch der Mann im Weißen Haus angetan, der »mit der Intelligenz eines 2Bit-Prozessors und einem Frettchen auf dem Kopf Brüssel für ein schönes Land hält«.

»Wo ist denn hier das WLAN-Kabel?«

Doch nicht nur die Politik ist Ziel seines satirischen Spottes, humorvoll-kritisch beäugt er die fortschreitende Digitalisierung der Gesellschaft. Schließlich befänden wir uns in einem epochalen Wandel, in dem der Mensch entweder zur Gruppe der digitalen Migranten oder der digitalen Einwanderer gehöre. Digitale Einwanderer erkenne man daran, dass sie alt und der Meinung sind, das Internet setze sich nicht durch. Ihre Stan­dartfrage laute: »Wo ist denn hier das WLAN-Kabel?«

»Wir hatten damals auch Handys, aber die waren drei Meter groß, gelb und begehbar«, blickt Çevikkollu auf die analogen Zeiten zurück. Allerdings sei die permanente Nutzung von Smartphones nicht ganz ungefährlich, erkranken doch immer mehr Menschen am Handynacken: »Das ist so etwas wie ein Tennisarm, nur dass das Netz woanders steht.«

Mix aus Herausforderung und Unterhaltung

Obwohl sein Programm ein ständiger Spagat zwischen ernsten Themen und auch mal flachen Pointen ist, schafft es Fatih Çevikkollu, seine Zuhörer gleichzeitig herauszufordern und zu unterhalten. »Das ist hier kein Fernsehen, ich kann auch hören, was ihr sagt«, nimmt er so manchen Zwischenruf aus dem Publikum auf. So entwickelt sich eine Art Dialog zwischen ihm und dem Publikum und das sorgt für eine spannend-entspannte Atmosphäre im Zelt. Hat er seinem Publikum doch schon zu Beginn bescheinigt, das beste zu sein – »zumindest das beste, was man abends um halb zehn in Paderborn bekommen kann.«

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