Tönnies kritisiert Politik – Bürgermeister Dreier gibt Handwerkern Versprechen
»Zu wenig Einsatz für ländlichen Raum«

Paderborn (WB). Die Debatte über die städtische Wohnungsgesellschaft ist allgegenwärtig. Beim Tag des Handwerks versprach Bürgermeister Michael Dreier vor 1600 Zuhörern, dass von der Gesellschaft »Aufträge so vergeben werden, dass heimische Betriebe eine Chance haben«.

Donnerstag, 01.08.2019, 19:44 Uhr aktualisiert: 01.08.2019, 19:48 Uhr
Gruppenfoto mit Pfau vor 1600 Zuschauern: (von links) Hauptgeschäftsführer Peter Gödde, Festredner Clemens Tönnies, Bürgermeister Michael Dreier, Kreishandwerksmeister Mickel Biere und Erzbischof Hans-Josef Becker. Foto: Jörn Hannemann

Wenn Unternehmer Clemens Tönnies den steinernen Pfau beim Tag des Handwerks mit der Meisterschale vergleicht, die Schalke so gerne in Händen halten würde, dann sind dem Gast die Sympathien der Zuhörer gewiss. In Paderborn bekam Tönnies als Festredner jedenfalls kräftigen Beifall.

Zuvor hatte Mickel Biere, Kreishandwerksmeister der KH Paderborn und Lippe, die zugespitzte Diskussion zur Wohnraumentwicklung in Paderborn kritisiert. »Die Politik darf und sollte nicht glauben, der bessere Unternehmer zu sein. Überlasst das Investieren, Bauen und Betreiben den Unternehmern, die in der Vergangenheit bis heute bewiesen haben, dass sie es können«, forderte Biere. Bürgermeister Dreier verwies darauf, dass die Stadt allein in diesem Jahr Aufträge in Höhe von 40 Millionen Euro vergeben werde. »Wir, die Verwaltung und der Rat der Stadt, freuen uns über jeden Auftrag, der an die heimischen Betriebe geht. Ich möchte weiter als Partner des Handwerks für ein gutes Mitein­ander stehen. Lassen Sie uns die gute Entwicklung gemeinsam gestalten.«

Erzbischof lobt Handwerker für Integrationsleistung

KH-Hauptgeschäftsführer Peter Gödde machte deutlich, dass die Allianz »Pro Wohnungsbau« weiter dialogbereit sei. Er wünsche sich aber, dass sich die Befürworter der Wohnungsgesellschaft kompromissbereit zeigten. »Ein Ratsbeschluss darf nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Auch der Beschluss zum Neubau der Stadtverwaltung ist aufgehoben worden. Das zeigt: Hier ist Bewegungsspielraum«, deutete Gödde an, dass noch nachjustiert werden könne.

Erzbischof Hans-Josef Becker lobte in seiner Ansprache die Integrations- und Ausbildungsleistung des Handwerks und erklärte in die Richtung der Unternehmer: »Unsere Demokratie und das Ordnungsmodell der Sozialen Marktwirtschaft brauchen mehr denn je Ihren tatkräftigen Einsatz.« Zum Thema »Unternehmerische Verantwortung« hatte die Kreishandwerkerschaft den Clemens Tönnies eingeladen. Launig kam er kurz auf die aktuellen Schlagzeilen zu den innerfamiliären Streitigkeiten zur Unternehmensführung zu sprechen. »Ich habe schon so oft in der Zeitung gestanden, da kommt es auf ein-, zweimal mehr auch nicht mehr an.« Er habe nie mit dem Gedanken gespielt, deswegen seinen Vortrag in Paderborn bei der KH abzusagen. Vielmehr sei diese Einladung eine große Ehre für ihn. »Als ich mich ins Goldene Buch der Stadt und der Kreishandwerkerschaft eintragen durfte, war ich gerührt. Das ist verdammt selten«, gestand der Fleischfabrikant.

Vier Branchen erwirtschaften 31 Milliarden Euro Umsatz

Er kritisierte aber die Politik in Bund und Land, die sich seiner Meinung nach zu wenig um den ländlichen Raum kümmere. Die Region OWL sei bedeutend in der Lebensmittelherstellung. Zusammen mit Maschinenbau, elektrische Ausrüstung und Möbel erwirtschafteten diese Branchen insgesamt 31 Milliarden Euro. Dabei habe die Wirtschaftskraft im ländlichen Raum sogar stärker zugelegt, als in Ballungsgebieten.

Tönnies brach zudem eine Lanze für die Erzeuger. »Landwirte sind keine Umweltsünder und Tierquäler«, betonte er. Vielmehr lobte er den Einsatz vieler junger Landwirte, die trotz schwieriger Rahmenbedingungen nicht aufgeben wollten. Tönnies tue viel, um seiner Verantwortung als Unternehmer gerecht zu werden. »Wir verbessern permanent unsere Energiebilanz«, führte er aus und verwies darauf, dass bei der Verarbeitung kein Wasser »verbraucht« sondern »blitzsauber gereinigt« in den Fluss gegeben werde. Auch an der Einführung des Labels »Tierwohl« sei Tönnies maßgeblich beteiligt gewesen.

Als Erinnerung an Paderborn überreichte Gödde dem Unternehmer einen steinernen Pfau. Tönnies augenzwinkernd mit Blick auf die Situation bei Schalke: »Der Pfau ist mindestens so schwer wie die Meisterschale.«

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