WB-Serie: Wir übernehmen Ihren Job – Zapfer in Auffenbergs Biergarten
Ein Bier in sechs Sekunden

Paderborn (WB). Neun Tage läuft Auffenbergs Biergarten auf Hochtouren. Unzählige Gläser Bier gehen am Abend über die Theke. Ausnahmezustand für das Personal. Wie es sich dort hinter dem Zapfhahn arbeiten lässt – das WV hat’s ausprobiert.

Freitag, 02.08.2019, 09:30 Uhr
Gute Laune: Betreiber Michael Löhr sorgt eigenständig für die passende Musik – eine Leidenschaft, wie er es nennt. Foto: Oliver Schwabe

Mittwoch, 19.18 Uhr. Langsam wird’s eng auf den etwa 350 Quadratmetern in dem Biergarten, einer echten Institution auf dem Libori-Fest. »Der große Ansturm kommt aber noch«, sagt Betreiber Michael Löhr. Der 66-Jährige betreibt den Biergarten bereits seit 33 Jahren und weiß aus der langen Erfahrung genau, wie der Abend abläuft.

Hochbetrieb zwischen 20 und 23 Uhr

»Zwischen 20 und 23 Uhr ist hier Hochbetrieb!«, sagt Michael Löhr. Und auch der Thekenbereich füllt sich langsam – immer mehr Kellner und Zapfer beginnen ihre Schicht. 36 seien es insgesamt, größtenteils Studenten, erklärt Michael Löhr.

Pils 3,30 Euro, Liboritropfen für zwei Euro. Dazu noch ein Weißwein und ein paar Softgetränke. Das war’s. Die Karte im Auffenbergs Biergarten ist schlicht. »Aber das ist auch ein bisschen unser Erfolgsrezept«, sagt Michael Löhr. Und natürlich die Musik, ein bunter Mix aus Schlagern, Ballermann, Apres-Ski und Oktoberfest, für den er selbst sorgt.

Die meisten Kräfte arbeiten hinter der Theke, einige bedienen jedoch auch am Tisch. »Ich brauche 16«, ruft eine Servicekraft. Bestellungen in der Größe sind schon jetzt überhaupt keine Seltenheit mehr. Dass die Servicekräfte die alle auf einmal mitkriegen – überhaupt kein Problem.

Auf Bier folgt Schnaps

Das Glas schräg halten, im richtigen Moment absetzen, um die passende Schaumkrone zu erreichen, neues Glas ansetzen. Es braucht einige Durchgänge, um die richtige Koordination zu erreichen und die Handgriffe sowie Abläufe einigermaßen zu verinnerlichen. Für Marius Waßmuth keine Herausforderung.

Der 24-jährige Student steht sein zweites Jahr hinter der Zapfsäule. Ziemlich genau sechs Sekunden braucht er, um ein perfektes Bier zu zapfen. »Man braucht am Anfang ein wenig, um sich einzuarbeiten. Dann geht’s aber recht schnell«, sagt er.

Los geht’s in Auffenbergs Biergarten übrigens um 11 Uhr. »Das erste Bier geht dann schon kurz danach über die Theke, der erste Schnaps lässt dann auch nicht lange auf sich warten«, sagt Patrick Luther, zuständig für Koordination im Biergarten. Er ist schon sein achtes Jahr dabei.

»Irgendwann höre ich auf zu zählen«

Um Punkt 20 Uhr geht das Programm dann so richtig los. Michael Löhr dreht die Musik auf. Das Publikum wippt mit, erste Gruppen stehen auf den Bierbänken. Die Bestellungen werden gefühlt immer größer – und kommen in immer höherer Taktung. »Am Anfang des Abends zähle ich noch mit, wie viele Bier ich zapfe, um den Bestellungen nachzukommen. Aber irgendwann höre ich damit auf und zapfe nur noch durchgehend«, sagt Marius Waßmuth.

Je später der Abend, umso spezieller die Gäste: »Wir haben hier einige Live-Auftritte«, sagt Patrick Luther. Und so begeben sich gerne mal der Eisbär oder der Bierkapitän auf den Weg ins Publikum. Etwa 700 Leute passen übrigens in den Biergarten. Und die haben mächtig Durst. Wie viel Bier hier aber am Abend durchgeht, will Patrick Luther nicht verraten. Und auch Marius Waßmuth kann es nicht sagen – er zählt schließlich nicht mit. »Aber 1000 Bier am Abend zapfe ich bestimmt«, schätzt er.

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