Ehemaliger Bäckerei-Inhaber Peter Lange über das Thema Unternehmens-Nachfolge
»Ein Betrieb darf nicht blockiert werden«

Salzkotten (WB). Ein Unternehmen erfolgreich zu führen, ist eine große Herausforderung. Die Nachfolge langfristig zu regeln, ist oftmals noch schwieriger. Peter Lange, ehemaliger Inhaber der Bäckerei Lange, erzählt im Interview mit WV-Redakteur Ingo Schmitz nicht nur, wie er die Übergabe an die nächste Generation vorbereitet hat, sondern auch, wie er seine eigene Zeit erlebt hat.

Donnerstag, 01.08.2019, 11:05 Uhr aktualisiert: 01.08.2019, 11:26 Uhr

Sie beenden nun mit 76 Jahren das Inhaberkapitel. Was hat sie dazu gebracht?

Peter Lange: Ich war 16, als mein Vater starb. Jetzt sind 60 Jahre rum. Da kann man den Betrieb gut an die nächste Generation übergeben. Vor allem, weil die nächste Generation schon seit 18 Jahren mit dabei ist und einen sehr guten Job macht. Jetzt kommt für mich die Zeit nach dem Beruf.

 

Sie bleiben ja im Herzen Unternehmer. Funktioniert der Ruhestand?

Lange: Ja, das geht wirklich gut. Ich habe ein paar Pferde und fahre Kutsche, das so genannte Traditionsfahren. Dabei steht das Kulturgut Pferd im Mittelpunkt. Außerdem habe ich sieben Enkelkinder. Meine Frau und ich sind gesund. Was wollen wir mehr?

 

Sie sind mit 16 Jahren in die Verantwortung gerutscht. Wie groß war die Bäckerei?

Lange: Es war ein Dorfbetrieb mit einem Gesellen direkt an der Kirche, wo ich auch heute noch wohne. Von dort aus brachten wir das Brot von Haus zu Haus und fuhren zweimal in der Woche nach Paderborn zum Wochenmarkt. Mein Vater starb schon mit 45 Jahren. Man musste sehen, dass man voran kam. Ich hatte aber einen drei Jahre älteren Bruder, der Konditor war. Ich selbst war im zweiten Lehrjahr als Bäcker. Wir haben damals beschlossen zu expandieren.

» Der Wettbewerb mit verpacktem Brot im Lebensmitteleinzelhandel war ruinös.«

Peter Lange

 

Wie hat das funktioniert?

Lange: Das war in den 60er Jahren gut möglich. Meine Mutter übergab mir und meinem Bruder sehr früh die Verantwortung, den Betrieb weiterzuführen. Von 1958 bis 1965 haben wir versucht, den Umsatz zu erweitern. Wir haben Supermärkte mit verpacktem Brot beliefert. Das Personal wurde aufgestockt, und deswegen wurde es in der alten Dorfbäckerei zu eng. 1965 haben wir außerhalb von Upsprunge am Hüneknapp die erste Halle gebaut. Wir haben den Betrieb stetig erweitert. Aber die Ölkrise 1971/72 hat uns dann sehr stark zu schaffen gemacht. Die Energiekosten und das Verpackungsmaterial wurden sehr teuer. In den Jahren haben wir keine Gewinne erzielt, und die Banken hatten ihre Ansprüche.

 

Was haben Sie dann getan?

Lange: Der Wettbewerb mit verpacktem Brot im Lebensmitteleinzelhandel war ruinös. Mir war klar, dass wir neue Absatzwege suchen mussten. 1974 habe ich dann die erste Filiale eröffnet. Das war damals noch recht neu. Es war mein Vorteil, weil ich dadurch gute Standorte bekam, wie zum Beispiel den Bahnhof in Paderborn, die Western- und die Rosenstraße. Ende der 70er Jahre kam dann der nächste Schlag für die Familie, als mein Bruder, der für die Produktion zuständig war, viel zu früh starb. Den Betrieb habe ich dann alleine weiter geführt.

 

Wie kamen Sie auf die Idee mit den Filialen?

Lange: Auf der Meisterschule habe ich einen Dortmunder kennen gelernt, dessen Familie schon mehrere Filialen hatte. Dort bekam man drei Mark für ein Kilo Brot. Wir bekamen nur 98 Pfennige. Natürlich müssen für Filialen die Mieten und die Lohnkosten bezahlt werden, aber es blieb im Filialgeschäft trotzdem ein bisschen mehr übrig als beim Verkauf über die Supermärkte. Das war der Grund, warum ich die Brotlieferungen an die Supermärkte nach dem Tod meines Bruders konsequent aufgegeben habe. Ich habe dann nach Standorten gesucht, um weiter zu expandieren. Heute haben wir 42 Filialen. Anfang der 80er Jahre hatten wir das stärkste Wachstum.

 

Sie haben mit 60 Jahren entschieden, einen Teil Ihrer Verantwortung abzugeben. Wieso?

Lange: Ich habe mich damals mit allen drei Kindern zusammen gesetzt. Mein Sohn Dirk hatte Bäcker und Konditor gelernt, und meine Tochter Birgit war als Lehrerin in Bochum verbeamtet. Meine Tochter Elke hatte kein Interesse. Der Betrieb war aber so gewachsen, dass es für einen alleine schwierig gewesen wäre, ihn weiter zu führen. Damals hat Birgit sich drei Jahre beurlauben lassen und hat in der Zeit mit ihrem Bruder zusammen gearbeitet. Das war so erfolgreich, dass es fortgesetzt wurde. Ich habe dann einen Teil der Verantwortung an meine Kinder abgegeben, damit sie wussten, wofür sie arbeiten.

»Es ist dafür gesorgt, dass das Unternehmen nicht ausgebremst wird und immer entscheidungsfähig ist.«

Peter Lange

 

Was war für Sie bei der Betriebsübergabe wichtig?

Lange: Mein Bruder und ich hatten damals Differenzen, was die Betriebsführung anbelangte. Ich wollte Filialen eröffnen, mein Bruder wollte die Supermärkte weiter beliefern, obwohl sich in der Bilanz zeigte, dass das nicht der richtige Weg war. Da jeder von uns 50 Prozent der OHG hatte, waren wir entscheidungsunfähig. Mir ist es wichtig, dass sich das nicht wiederholt. Es ist dafür gesorgt, dass das Unternehmen nicht ausgebremst wird und immer entscheidungsfähig ist.

 

Wie haben Sie – aus dieser Erfahrung heraus – Ihren Betrieb nun organisiert?

Lange: Ich hatte bis jetzt 26 Prozent Geschäftsanteile, Dirk und Birgit jeweils 37 Prozent. Ich hatte sozusagen das letzte Wort. Es ist gut gelaufen, so dass ich mich mehr und mehr aus dem Betrieb heraus gezogen habe. Birgit und Dirk ergänzen sich hervorragend. Dirk macht die Produktion, Birgit den Verkauf. Das Zahlenwerk schaue ich mir aber auch heute noch an. Zudem ist mein Schwiegersohn Harald Laufs seit 2010 in der Geschäftsführung für die kaufmännischen Themen verantwortlich. Und wenn mir etwas in der Qualitätskontrolle nicht gefällt, dann sage ich das auch.

 

Was ist aus Ihrer Sicht notwendig, damit sich eine alte Geschäftsführung rechtzeitig zurück ziehen kann?

Lange: Sie muss dafür sorgen, dass sie früh genug finanziell unabhängig ist und dem Betrieb kein Geld entnimmt. Mein Vater hat nach der Entlassung aus russischer Kriegsgefangenschaft nur noch acht Jahre gelebt. Meine Mutter bekam 100 Mark Rente. Sie war auf uns Kinder angewiesen. Das wollte ich nie. Also habe ich vorgesorgt. Meine Frau Monika und ich haben ein gutes Auskommen.

 

Sie wirken sehr zufrieden.

Lange: Das bin ich. Es läuft bei uns, wie man es sich wünscht und vorstellt. Das Rad dreht sich heute immer schneller. Ich bin damit, wie die heutige Generation den Betrieb führt, sehr einverstanden.

Daten und Fakten

Vor 80 Jahren ist die Bäckerei von Fritz Lange in Salzkotten-Upsprunge gegründet worden. Als dieser 1958 mit 45 Jahren starb, übernahmen die Söhne Peter und Willi die Bäckerei. Peter Lange hatte mit 14 Jahren die Lehre im elterlichen Betrieb begonnen und machte 1971 die Meisterprüfung. Das Unternehmen betreibt heute 42 Bäckerei-Fachgeschäfte und Cafés. 500 Mitarbeiter sind beschäftigt. Davon sind 60 in fünf verschiedenen Berufen in der Ausbildung. Im Kreis Paderborn ist Lange nach eigenen Angaben Marktführer. Außerdem gibt es einige Filialen in angrenzenden Kommunen wie Rietberg, Gütersloh und Brilon. Die Filialen werden bis zu dreimal täglich beliefert. Wert legt Peter Lange darauf, dass keine Fertigbackmischungen und Tiefkühl-Rohlinge verwendet werden.

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