WV-Serie: Wir übernehmen Ihren Libori-Job: Teamwork im Gewürzstand van de Linde
Der Duft des Pottmarkts

Paderborn (WB). Der Gewürzstand Hermann van de Linde ist seit 1954 eine Institution auf dem Pottmarkt, die stets von Kunden umlagert ist. »Klar können wir Unterstützung gebrauchen«, freut sich deshalb Rainer Kaschel, der den Stand 1989 zusammen mit seiner Frau Karin gekauft hat und den Betrieb seitdem mit seiner Familie weiterführt.

Donnerstag, 01.08.2019, 06:37 Uhr aktualisiert: 01.08.2019, 09:10 Uhr
Schwierig, angesichts dieser Vielfalt den Überblick zu behalten. Zum Glück stehen WV-Redakteurin Maike Stahl erfahrene Kollegen zur Seite. Sandra Bergmann und Esther haben sich mit Gewürzen eingedeckt. »Das ist Familientradition«, sagen sie. Foto: Jörn Hannemann

An Bord haben sie vor Ort jeweils eine ganze Reihe von Aushilfen – im Verkauf und für das Nachfüllen der etwa 300 verschiedenen fertig abgepackten Gewürze, Kräuter und Gewürzmischungen. »Wir arbeiten allerdings in den jeweiligen Orten mit festen Aushilfen, weil man sich im Stand und mit den Abläufen gut auskennen sollte«, sagt Kaschel. »Manche haben diesen Job schon von ihren Eltern übernommen.« Ein echter Familienbetrieb eben.

Und ich. Kopfrechnen kann ich, was laut Kaschel die halbe Miete ist, und Kochen auch. Ich liebe den Duft der Gewürze. Aber ich habe keine Ahnung, was wo liegt, wie sich die Schärfegrade der Chilimischungen unterscheiden und ob es den bunten Pfeffer auch in noch größeren Packungen gibt.

Wir übernehmen Ihren Job

Im Rahmen der Libori-Serie »Wir übernehmen Ihren Job« haben wir uns neben dem Koma-Garten bereits als Aushilfe in der Geisterbahn »Daemonium«, im Gewürzstand von Hermann van de Linde auf dem Pottmarkt und in Auffenbergs Biergarten verpflichtet. Eine weitere Tätigkeit dürfen Sie uns gerne vorschlagen. Wer braucht dringend eine Aushilfe? Wo wollten Sie schon immer mal einen Blick hinter die Kulissen werfen? Wir sehen uns gerne für Sie um, fassen mit an und stellen dabei Ihre Fragen. Wer ein weiteres Libori-Jobangebot für uns hat, kann dieses gerne an redaktion@westfaelisches-volksblatt.de mailen oder den entsprechenden Beitrag auf unserer Facebook-Seite kommentieren.

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Entsprechend aufgeregt starte ich den Libori-Job auf Zeit.

»Kein Problem, das kriegen wir hin«, lächelt mich Marion Konrad aufmunternd an. Sie hilft seit mehr als 20 Jahren im Gewürzstand aus, sowohl zu Libori als auch bei der Allerheiligenkirmes in Soest. Meine erste Kundin weiß zum Glück genau, was sie will: zwei Päckchen Pfeffer. Auf denen ist allerdings kein Preis ausgewiesen. »Je 3,50 Euro«, sagt Marion Konrad, die mein Dilemma sofort erfasst hat. Zum Glück haben alle Gewürztütchen, die in den sechs Wochen vor Libori im heimischen Betrieb in Issum abgepackt wurden, runde Preise. Das macht es leichter, den großen Gewürzkorb, den meine nächste Kundin gefüllt hat, auszurechnen. »Das ist der Jahresvorrat«, verrät sie mir. »Ich mache mir vor Libori schon eine Liste, und dann gucke ich natürlich noch, was es Neues gibt.«

»Probieren Sie doch mal unsere Rubs«, empfiehlt Rainer Kaschel. »In den Mischungen ist ein bisschen Zucker, das karamellisiert dann schön, wenn das Fleisch gegrillt wird.« Die Mischung hat er zusammen mit seiner Frau und Tochter Jenny, die ebenfalls mit im Geschäft ist, selbst kreiert. »Manchmal experimentieren wir lange, ein anderes Mal geht es ganz schnell«, erzählt er, wie die Kreationen entstehen. Zum Beispiel beim Tibetanischen Eispfeffer, den er sich hat schützen lassen. »Pfeffer, Paprika, Zwiebeln, Koriander, Salz und Knoblauch«, verrät er die Zutaten. »Alles, was ich gerne mag.«

Sandra Bergmann, die zusammen mit ihrer Mutter und den Kindern zum Gewürzstand gekommen ist, kontrolliert unterdessen noch einmal ihren Einkaufszettel. Ihre Oma hat schon ihre Gewürze bei Hermann van de Linde gekauft. »Ein Besuch hier ist Pflicht zu Libori«, bestätigt die Paderbornerin. »Wir decken uns jedes Jahr ein.« »Wir haben einen sehr hohen Prozentsatz Stammkunden«, sagt Rainer Kaschel und schiebt mich im schmalen Verkaufsbereich, in dem jeder Zentimeter für Gewürze genutzt wird, vorsichtig zur Seite, damit Angelo Wiazewicz an eine Kiste unter dem Tresen kommt.

Der gebürtige Paderborner ist einer von drei Mitarbeitern, die permanent nachfüllen. Obwohl er inzwischen in Warschau lebt, ist Libori für ihn nicht nur ein fester Termin, sondern eine Herzensangelegenheit. »Ich genieße es, hier zu arbeiten, Freunde und Familie zu treffen und zu feiern«, sagt er. »Der Stand hier ist mein Anker in Paderborn.«

 

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