2021 sollen die Arbeiten für das neue Wohn- und Kreativquartier abgeschlossen sein 11.000 Besucher erkunden ehemalige Alanbrooke-Kaserne

Paderborn (WB). Zu Beginn gibt es eine Wachablösung: Auch wenn diese nicht ganz so streng abläuft wie vor dem Buckingham Palast in London, so ist es doch ein symbolischer Akt: Die Alanbrooke-Kaserne gehört nun den Paderbornern. Oder wie es der stellvertretende Bürgermeister Dieter Honervogt (CDU) in seiner Begrüßung ausdrückt: »Es ist jetzt unseres, und damit Ihres.«

Von Matthias Band
18 Hektar ist das ehemalige Alanbrooke-Kasernengelände groß. Nach den Sommerferien sollen dort bereits die Bauarbeiten beginnen. Entstehen soll dort ein Wohn- und Kreativquartier mit 800 Wohnungen, einer Kita, einem Park, zwei Spielplätzen und Flächen für Gewerbe.
18 Hektar ist das ehemalige Alanbrooke-Kasernengelände groß. Nach den Sommerferien sollen dort bereits die Bauarbeiten beginnen. Entstehen soll dort ein Wohn- und Kreativquartier mit 800 Wohnungen, einer Kita, einem Park, zwei Spielplätzen und Flächen für Gewerbe. Foto: Jörn Hannemann

Zur Unterhaltung der Besucher, die am Sonntag schon um 10 Uhr in Scharen vor dem Kasernentor an der Elsener Straße auf Einlass zum Tag der offenen Tür warten, absolviert die Gruppe Event Comedy aus Köln die Zeremonie »Changing of the Guard« auf ihre Art und sorgt so für den ein oder anderen Lacher.

Nach Angaben der Stadt be­suchen den gesamten Sonntag über 11.000 Menschen, darunter zahlreiche Familien, den Tag der offenen Tür. Christel Goldschmidt, die seit 40 Jahren in Paderborn lebt und gebürtig aus Höxter stammt, ist mit ihrem Mann Herbert Wiesner und Enkeltochter Mia Goldschmidt gekommen. »Ich recherchiere meine Familiengeschichte. Mein Großvater war hier wahrscheinlich 1938/39 stationiert. Und mein Urgroßvater im Ersten Weltkrieg. Beide hießen übrigens August. Ich wollte die Welt wenigstens ein bisschen mit den Augen meines Großvaters und Urgroßvaters sehen«, sagte Christel Goldschmidt.

Schlussstrich unter die mehr als 120 Jahre militärische Nutzung

Guido Apel aus Paderborn erkundet das Gelände mit seinen beiden Enkelkindern. »Wir haben das Haus an der Theodor-Heuss-Straße wiederentdeckt, wo ich früher gewohnt habe. Und ich wollte mir unbedingt mal die Gebäude angucken, in die ich früher nie reindurfte, obwohl ich jahrelang davor gewohnt habe. Ich kann mich noch sehr gut an die Schreie beim Appell erinnern. Wenn jemand etwas falsch gemacht hat, war es hier besonders laut«, sagt er.

Für die Stadt Paderborn und die Bürger ist es ein historischer Moment: Mit dem Fest wird endgültig ein Schlussstrich unter die mehr als 120 Jahre militärische Nutzung des 18 Hektar großen Areals zwischen Elsener und Theodor-Heuss-Straße gezogen . 800 Wohnungen, davon 240 im sozial geförderten Wohnungsbau, eine sechszügige Kita, zwei Spielplätze sowie ein Kreativquartier und Gewerbeflächen sollen dort entstehen – möglicherweise für eine Erweiterung der benachbarten Firma dSpace. Wo heute noch der Exerzierplatz zu sehen ist, ist ein Park geplant. Elf Gebäude der 1898 erbauten, einst preußischen Kaserne stehen unter Denkmalschutz, vier davon komplett. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte die britische Armee die Kaserne bis 2016 für eine Infanterie-Einheit.

30 Millionen Euro für Kauf und Erschließungskosten eingeplant

Auf dem vor drei Jahren von den Briten aufgegebenen Areal scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Parkschilder in Deutsch und Englisch zeugen noch von der Vergangenheit. Davon wird jedoch schon bald nichts mehr zu sehen sein. Bereits nach den Sommerferien sollen die Bauarbeiten beginnen, erläuterte die Technische Bei­geordnete Claudia Warnecke. 30 Millionen Euro hat die Stadt allein für den Kauf und die Erschließungskosten wie den Rückbau der nicht unter Denkmalschutz stehenden Gebäude und eine neue Kanalisation eingeplant. Ende 2021 soll das Projekt möglichst abgeschlossen sein.

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