Der Paderborner Domkapitular Thomas Witt fragt, ob geschlossene Grenzen die einzige Lösung seien könnten Kritik an Flüchtlingspolitik aus dem Erzbistum

Paderborn (WB). Der Flüchtlingsbeauftragte des Erzbistums Paderborn, Domkapitular Dr. Thomas Witt, kritisiert widersprüchliche Signale der derzeitigen deutschen Asylpolitik: Einerseits werde alles getan, die Menschen fernzuhalten, und wenn sie denn doch da seien, versuche man ihren Aufenthalt so schwierig wie möglich zu machen. Andererseits erwarte man »große Integrationsleistungen«, wenn sie dann doch als Asylberechtigte anerkannt werden.

Die von der Seenotrettungsorganisation Sea-Eye herausgegebene Aufnahme zeigt das Seenotrettungsschiff »Alan Kurdi«.
Die von der Seenotrettungsorganisation Sea-Eye herausgegebene Aufnahme zeigt das Seenotrettungsschiff »Alan Kurdi«. Foto: Fabian Heinz/Sea-Eye/dpa

»Welche Verunsicherung diese widersprüchlichen Signale bei den Menschen auslöst, kann man sich vorstellen«, sagt Witt.

Erfolge der Flüchtlingsintegration

Nach Auffassung des Flüchtlingsbeauftragten hätten in der öffentlichen und politischen Diskussion, die letztlich zur Verschärfung des Asylrechts geführt habe, die faktischen Erfolge der Flüchtlingsintegration keine Rolle gespielt. Das oft angefeindete Wort von Kanzlerin Merkel »Wir schaffen das!« sei in vielen Bereichen ja durchaus Realität geworden: »Wir haben vieles geschafft! Hunderttausende wurden untergebracht, bekleidet, verpflegt und medizinisch versorgt. Durch eine beispiellose Zusammenarbeit fast aller gesellschaftlichen Gruppen mit den staatlichen Stellen wurde das geschafft.«

Thomas Witt, Flüchtlingsbeauftragter des Erzbistums Paderborn.

Natürlich habe der Flüchtlingszuzug in diesem Ausmaß auch Ängste ausgelöst. Die damit verbundenen Fragen und Probleme seien anfangs vielleicht kleingeredet worden. »Heute ist es eher umgekehrt: Die Herausforderungen werden zu unlösbaren Problemen stilisiert«, kritisiert Thomas Witt. »Die einzige Lösung scheinen geschlossene Grenzen zu sein.« Immer mehr werde nicht das Problem der Menschen gesehen, sondern die Menschen als Problem.

Der Balanceakt der Gesetzgebung zwischen dem berechtigten Versuch einer Migrationssteuerung und dem Bemühen für eine Integrationsförderung habe dabei zu einer Situation geführt, die für Schutzsuchende Unsicherheit und Verzweiflung bedeuteten.

Verweigerte Seenotrettung ein großer Skandal

Knackpunkt sei vor allem das System der Sammelunterkünfte, in denen die Menschen zunehmend festgehalten werden, bevor ihr Aufenthaltsstatus geklärt ist. »Sie dürfen keine Integrationskurse besuchen, nicht arbeiten, nicht den Wohnort wechseln, keine Familienangehörigen nachholen«, sagt Witt. »Wenn Familien mit Kindern, wie es geplant ist, nach vier Monaten, aber spätestens nach sechs Monaten einer Kommune zugewiesen würden, wäre es noch vertretbar. Faktisch dauert es aber viel länger.« Von der Einreise bis zum ersten Besuch einer Regelschule würden in Einzelfällen mehr als zwölf Monate vergehen. »Dies steht allen Kinderrechten entgegen.«

Einer der größten Skandale sei allerdings die verweigerte Seenotrettung . »Um die Grenzen zu schließen, wird billigend in Kauf genommen, dass Menschen ertrinken. Es wird nicht nur nichts unternommen, um zu helfen, sondern es werden die, die helfen wollen, systematisch kriminalisiert«, kritisiert der Flüchtlingsbeauftragte des Erzbistums Paderborn. Das sei allerdings nicht nur ein Problem von Italien, das vom übrigen Europa in dieser Frage ziemlich allein gelassen werde. Politisches Kalkül siege dabei über die Gebote der Menschlichkeit und auch über das Seerecht, das die Rettung Schiffbrüchiger vorschreibt. »Hier müssen wir Christen immer wieder deutlich unsere Stimme erheben und ein humaneres Verhalten einfordern.« Stattdessen kooperiere Europa mit Verbrechern in Libyen, die die Flüchtlinge misshandeln, missbrauchen und auch töten. »Und dafür werden sie auch noch mit europäischen Geldern bezahlt. Das ist unglaublich und lässt alle Reden über die europäischen Werte als unglaubwürdig erscheinen.«

Kommentare

Wir schaffen das...

Wir schaffen das...
Aber lässt uns der arbeitenden Gesellschafft erst die Steuern erhöhen...,
neue Steuern erfinden....
Und den dummen Mob bis 70 Jahre arbeiten....
dann schaffen wir das....vielleicht

Gehen Sie mit gutem Beispiel voran, Herr Witt

Sehr geehrter Herr Witt,
ich schließe mich der Aussage von Gitta an. Die Kirche in Paderborn hat große Besitztümer und großen Reichtum, gehen Sie mit gutem Beispiel voran und tun Sie Was Sie predigen...öffnen Sie die Pforten aller Kirchenbesitztümer in Paderborn für die "Flüchtlinge" und verteilen Sie die Reichtümer des Erzbistums Paderborn an IHRE "Flüchtlinge"!!!
Jesus hätte Es genau so gemacht!

Seenotrettung

Sehr geehrter Herr Witt. Die Kirche in PB hat doch sehr viele Gästezimmer. Bitte stellen sie die doch den Migranten zur kostenloser Verfügung. Das wäre doch dann Christlich.

3 Kommentare

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