Prozess am Landgericht: Prostituierte aus Paderborn soll mehrere Freier erpresst haben
52-Jähriger landet in der Liebesfalle

Paderborn (WB). An dieser Geschichte hätte jeder Tatort-Drehbuchautor seine helle Freude – Stichwort: Liebesfalle. Eine junge Prostituierte fordert von einem Freier immer wieder Geld, und der zahlt, aus Angst vor einem ominösen Araber-Clan. So zumindest sieht es die Anklage in dem Prozess, der seit Mittwoch vor dem Landgericht geführt wird.

Donnerstag, 04.07.2019, 05:30 Uhr aktualisiert: 04.07.2019, 08:14 Uhr
Das Landgericht Paderborn. Foto: Jörn Hannemann

Die dunklen Haare hochgesteckt, große braune Augen, Schmollmund – so sitzt die 28-jährige Paderbornerin auf der Anklagebank und schweigt sich erst einmal aus. Was ihr vorgeworfen wird, ist Erpressung. Und die Indizien legen den Verdacht nahe, dass die junge Frau – mit mindestens einem mitangeklagten Komplizen – daraus einen einträglichen Zusatzverdienst machen wollte.

350 Euro für ausgefallene Liebesnacht gezahlt

Bei der Festnahme der 28-Jährigen Ende Dezember wurden 4000 Euro in Bar sichergestellt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die gebürtige Serbin über eine Internet-Plattform, wo sie ihre sexuellen Dienste anbot, in Kontakt mit einem 52-Jährigen aus Mülheim an der Ruhr kam. Dieser bestätigte als Hauptzeuge die Vorwürfe der Anklage.

Nach mehreren Treffen habe die 28-Jährige Anfang 2017 erstmals von ihm Geld haben wollen: 850 Euro für eine angeblich vereinbarte, aber ausgefallene Liebesnacht. 350 Euro habe er ihr bezahlt, gab der Zeuge an: Weil sie ihm gedroht hatte, »Eintreiber« bei ihm zuhause vorbeizuschicken.

Ähnliches widerfuhr dem Mann dann eineinhalb Jahre später: Für eine Begleitung zu einer Dienstreise, die er »gebucht« hatte und für die die 28-Jährige trotz vorzeitigem Abbruch die volle Bezahlung wollte, verlangte die Paderbornerin mehrere Wochen darauf dann noch mal das Dreifache, stattliche 1500 Euro – sie sei in ihrer Ehre gekränkt worden. Wieder floss Geld, wenn auch weniger als verlangt.

Vom Komplizen mit Fäusten bedroht

Die Drohung, dass ein Araber-Clan die Angelegenheit übernehme, und nicht zuletzt, dass der ebenfalls auf der Anklagebank sitzende 26-Jährige ihn bei einem Treffen in Paderborn im Auto mit Fäusten bedroht habe, machten den Mülheimer gefügig: »Ich hatte Angst, dass die zu mir nach Hause kommen.«

Die Masche scheint nicht nur bei dem einen Opfer funktioniert zu haben. Einen 56-Jährigen aus Esslingen bei Stuttgart hatte sie nach zwei Treffen im Juni 2018 nach Paderborn gelockt unter dem Vorwand, sie sei schwanger: Der Mann konnte nach eigener Aussage einer überfallähnlichen Situation in Schloss Neuhaus, in die ihn die Frau gelockt habe, ungeschoren entkommen. In Wuppertal soll die 28-Jährige einen Freier ihrem Mitangeklagten in einem Hotelzimmer »überlassen« haben, der ihm mit massiver Gewalt gedroht habe, wenn er nicht 10.000 Euro bezahle. Was dieser jedoch nicht getan habe.

Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6747081?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2512560%2F
Neuhaus fordert mehr Selbstvertrauen
DSC-Trainer Uwe Neuhaus
Nachrichten-Ticker