Umstrittener Philosoph Peter Singer kritisiert die Massentierhaltung Schweine wollen nicht leiden

Paderborn (WB). Wenn eine Katze einen Vogel fangen will, darf ihr Besitzer nicht passiv zuschauen, sondern muss sie davon abhalten. Das sagt der Tierethiker Peter Singer. Auch der Vogel habe ein Recht auf Leben.

Von Dietmar Kemper
Schweine am Futtertrog in einem Stall eines Mastbetriebs. Ist Massentierhaltung ethisch vertretbar?
Schweine am Futtertrog in einem Stall eines Mastbetriebs. Ist Massentierhaltung ethisch vertretbar? Foto: dpa

Der australische Philosoph, der an der amerikanischen Princeton-Universität lehrt, sprach am Montagabend in Paderborn über Tierleid, die seiner Meinung nach unvertretbare Massentierhaltung und Alternativen zum Fleischkonsum. Während beim »Paderborner Kolloquium zur Philosophie« sonst nur etwa 30 Studenten zu den Vorträgen kommen, strömten diesmal mehrere hundert, darunter auch Schulklassen, in den großen Hörsaal G der Universität und füllten ihn komplett.

Peter Singer im Hörsaal G der Uni Paderborn. Das Halten von Haustieren hält er für noch vertretbar. Foto: Dietmar Kemper

Wegen seines 1975 erschienenen Buches »Animal Liberation« gilt Singer als Begründer der Tierethik. Aufgefallen ist er zudem durch höchst umstrittene Aussagen zum Lebensrecht von behinderten Säuglingen.

Singers Sätze sorgten in Deutschland für Empörung

In seinem Buch »Praktische Ethik« (1979) schrieb er unter anderem: »Die Tötung eines behinderten Säuglings ist nicht moralisch gleichbedeutend mit der Tötung einer Person. Sehr oft ist sie überhaupt kein Unrecht.« Bis zu einem Monat nach der Geburt sei das vertretbar. Mit Sätzen wie diesen löste Singer in Deutschland einen Aufschrei der Empörung aus.

Deshalb hatte der Paderborner CDU-Landtagsabgeordnete Daniel Sieveke die Fakultät für Kulturwissenschaften, und dort speziell die Vertreter des Fachs Philosophie, für die Einladung Singers kritisiert. Damit sei eine rote Linie überschritten worden.

Sieveke: »Dieser Redner, der seine Aussagen inhaltlich nie infrage gestellt oder gar öffentlich zurückgenommen hat, ist ein Schlag ins Gesicht von Eltern behinderter Kinder, von Menschen, die sich und Unversehrtheit menschlichen Lebens auch schon vor der Geburt über ihren Glauben definieren.«

Und solche Aussagen seien auch eine Zumutung für Parteien wie die CDU, die sich dem Schutz von Leben verpflichtet fühlten.

Sicherheitsdienst vor dem Hörsaal

In Paderborn befürwortete Singer zwar die Sterbehilfe im Allgemeinen, wiederholte aber die Äußerungen über behinderte Neugeborene nicht. Der Sicherheitsdienst vorm Hörsaaleingang erlebte einen ruhigen Abend.

Im Hörsaal warb Singer dafür, Tieren, die wie Affen über ein Bewusstsein verfügen, in bestimmten Punkten dieselben Rechte wie Menschen zuzugestehen. Kühe wollten genauso wenig Schmerz empfinden wie Menschen. Für ihn ändert zum Beispiel die Aufforderung in der Bibel, sich die Natur untertan zu machen, daran nichts.

Würde und das Recht auf Leben werden nach Meinung des Philosophen (73) den Tieren in riesigen Schweineställen und Geflügelfarmen massiv abgesprochen. Kälber würden von ihren Müttern getrennt, Sauen hätten nicht einmal genug Platz, um sich umzudrehen. 74 Billionen Landtiere würden weltweit jedes Jahr für die Herstellung von Lebensmitteln getötet, 100 Millionen für die Forschung, rechnete Singer vor.

Veganer schützen die Umwelt

Das sei nicht nur ein Unrecht an Tieren, sondern auch eine Zeitbombe für die Erde. »Wenn wir einen nachhaltigen Planeten haben wollen, können wir nicht weiter so viel Fleisch essen wie bisher«, betonte Singer. Wer sich vegan ernähre, schone die Umwelt. Diese Ernährungsweise zum Gesetz machen will der Wissenschaftler aber nicht unbedingt.

Alternativ könne man tierische Zellen züchten und daraus Fleisch herstellen. Übrigens ist Singer nicht völlig gegen das Töten von Tieren. Wenn Ratten Seuchen verbreiteten, sei das gerechtfertigt.

Bliebe noch eine Frage: Dürfen Hunde und Katzen nach der »Befreiung der Tiere« nicht mehr als Hausgenossen gehalten werden? Durchaus, meint der Philosoph, und zwar dann, wenn sie wie ein Teil der Familie behandelt würden.

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"Veganer schützen die Umwelt"

Demnach müsste die Haltung, Zucht und Ernährung von Hunden und Katzen verboten werden. Die sind keine Vegetarier und verursachen dadurch erhebliche Umweltschäden und erzeugen einen Bedarf für Massentierhaltung. Ein überzeugter Veganer, der fleischfressende Tiere hält, kann nicht ernst genommen werden.

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