Paderborner Verein KIM trainiert auffällig gewordene Männer
Gegen Gewalt in eigenen vier Wänden

Paderborn(WV). Die Männerberatung des Paderborner Vereins KIM – Rat & Tat trainiert Männer, die in den eigenen vier Wänden zu Tätern häuslicher Gewalt geworden sind. Immer mehr Männer nehmen die Beratung freiwillig in Anspruch, um ihr gewalttätiges Verhalten zu ändern.

Donnerstag, 06.06.2019, 09:31 Uhr aktualisiert: 06.06.2019, 09:34 Uhr
Bieten konkrete Hilfe für Täter häuslicher Gewalt (vorne, von links): Jochen Hunold-Berle, Claudia Kroll, Jochen Voss mit Günter Helling, Geschäftsführer des KIM-Rat & Tat.

Gewalt unter Partnern ist ein häufig unterschätztes Problem mit hoher Dunkelziffer. Doch schon die bekannten Zahlen erschrecken: 2018 registrierte die Kreispolizeibehörde Paderborn 374 Anzeigen wegen häuslicher Gewalt, fünf Jahre zuvor waren es noch 281 Anzeigen gewesen.

Hinter dieser Statistik verbirgt sich eine noch höhere Zahl an Straftaten, die allermeisten davon Körperverletzung. Opfer sind in der Vielzahl der Fälle Frauen, die von ihren Partnern misshandelt werden. Aber auch Kinder sind häufig von Gewalt durch schlagende Väter betroffen.

Dafür, dass die Zahl der Fälle häuslicher Gewalt in Stadt und Kreis Paderborn nicht noch höher liegt, sorgt seit Jahren die Männerberatung des Paderborner Vereins KIM – Soziale Arbeit. »Allein 2018 haben 73 Männer an unseren Täterprogrammen teilgenommen«, sagt Günter Helling, Geschäftsführer von KIM. »Ziel ist es, gemeinsam den jeweiligen Ursachen ihres Gewaltverhaltens auf die Spur zu kommen und mit gezieltem Training den Weg zu gewaltfreiem Verhalten zu finden.«

Zwei Drittel kommen freiwillig

»Besonders positiv fällt dabei auf, dass sich fast zwei Drittel der Teilnehmer an unseren Täterprogrammen freiwillig direkt bei uns melden, beziehungsweise durch andere Beratungsdienste zu uns vermittelt werden«, ergänzt Jochen Hunold-Berle von der KIM-Männerberatung.

»Lediglich ein Drittel der Männer wird durch Jugendämter und die Justizbehörden zur Teilnahme verpflichtet.« Bemerkenswert sei, dass im vergangenen Jahr wieder mehr als die Hälfte der Teilnehmer Familienväter mit Kindern gewesen seien. »Bei dieser Gruppe zeigen unsere mehrmonatigen Trainings nachhaltig positive Effekte«, meint Jochen Hunold-Berle.

Im »Training gegen häusliche Gewalt« arbeiten Trainer und Männer zunächst in der Gruppe gemeinsam daran, zu erkennen, was häusliche Gewalt überhaupt ist und welche Gewaltformen der Einzelne angewandt hat. Dann geht es darum, die Empathie der Männer für ihre Opfer zu erhöhen und gemeinsam mit den betroffenen Frauen und Familien einen Notfallplan für jeden Täter zu entwickeln. Auch Übungen zur Kommunikation, zum Stressabbau und eine Gewaltaufarbeitung gehören zu den Kursinhalten.

Zweimal wöchentlich (Dienstag und Donnerstag, 18 bis 20 Uhr) finden Trainingskurse gegen häusliche Gewalt in der Männerberatungsstelle des Vereins statt. Interessierte und betroffene Männer können sich über eine mögliche Teilnahme informieren. Terminabsprachen für ein erstes Informationsgespräch können unter Tel. 05251/5067711 oder per E-Mail unter maennerberatung@kim-paderborn.de getroffen werden.

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