Paderborner Gärtner sieht auch ökologische Vorteile bei Bepflanzung
Streit um Steingärten

Paderborn (WB). Von wegen nicht insektenfreundlich? Die Berichte über Menschen, die sich gegen Steingärten einsetzen, mehren sich. Heinz Harth von der Gärtnerei Harth sagt, Steingärten können sehr wohl insektenfreundlich sein – man muss nur wissen, wie diese angelegt und bepflanzt werden müssen.

Mittwoch, 05.06.2019, 13:14 Uhr aktualisiert: 05.06.2019, 13:16 Uhr
In Steingärten kann es auch blühen – wie etwa hier vor dem Entsorgungszentrum in Elsen. Foto: Lukas Brekenkamp

Harth ist überzeugt: »Ein solcher Garten kann sehr wohl ökologisch und biologisch wertvoll sein!« Denn er unterscheidet: Gärten mit großen Steinen, in deren Holräumen kaum eine Pflanze wachsen kann – und Kiesgärten, die üppig bepflanzt werden. »Wir bekommen ein großes Wasserproblem«, sagt der Gärtner.

Denn die Sommer werden immer heißer. Durch diese Hitze verliere der Boden immer mehr an Flüssigkeit, die Wasserreserven werden geringer – was für die Pflanzen zum echten Problem werde.

Kommentar

Immer wieder ist zu lesen, dass die Politik gegen die ungeliebten und vermeintlich insektenunfreundlichen Steingärten vorgehen will. Sogar von Verbot ist – auch in OWL – zu hören. Dabei kann man wirklich unterscheiden: Reine Steingärten, in denen kein Halm wächst, oder Steingärten, die man mit Verstand anlegt und so auch ökologisch wertvoll gestaltet. Denn es steht außer Frage, dass Steingärten pflegeleicht sind.

Gerade für ältere Menschen, die nicht auf ihre Wohlfühloase vor der Tür verzichten wollen, ist das die ideale Alternative – sofern auch für Insekten genug Platz und genug Pflanzen da sind. Die richtige Beratung hilft bei der Entscheidung oder bei der Bepflanzung. Und bei aller Liebe zu den neuesten Trends: Ein ausschließlich grauer Garten ist bei weitem nicht so ansehnlich, wie ein buntes Insektenparadies – egal ob mit oder ohne Steine.

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Split schützt vor Hitze und Verdunstung

Sein Clou: Der Split im Garten schützt vor möglicher Verdunstung – und auch der Wurzel­bereich der Pflanze sei so vor der Hitze geschützt, meint Heinz Harth. »Dadurch haben die Pflanzen kühle Füße«, sagt er mit einem Augenzwinkern. »Das ist eine tolle Alternative zu den reinen Steingärten.« In seiner Gärtnerei werde die Nachfrage nach eben solchen immer größer.

Erst vor kurzem habe er mit seinen Mitarbeitern am Entsorgungszentrum in Elsen einen solchen Garten angepflanzt, der mittlerweile bunt blühe. »Dort haben wir den Kies üppig bepflanzt. Als Privatperson sollte man sich beraten lassen«, sagt er. Er betont aber auch: »Ich bin gegen Steingärten, in denen kein Halm wächst.«

Die Vorteile eines richtig angelegten Steingartens: Einmal gießen könne durch die Stein-Schutzschicht für eine Woche reichen. Letztlich profitiere jeder von den Gärten: »Insekten haben mehr Nahrung – und durch eine höhere Insektenpopulation steigt auch die Nahrung der Vögel, die sich eben von diesen ernähren.«

Kiesgärten sind jedoch keine Spielgärten

Und auch der Mensch habe dadurch einen pflegeleichten Garten, was gerade für Ältere von Vorteil sei. ​Harth: »Solche Kiesgärten sind Ziergärten – keine Spielgärten etwa für Kinder.«

Mittlerweile hat es das Thema Steingarten nicht nur auf die politische Agenda der Parteien, sondern auch von Kommunen im Kreis geschafft. In Bad Lippspringe scheiterten die Grünen im vergangenen Jahr mit ihrem Antrag, durch Steingärten versiegelte Flächen mit einer Ökosteuer zu belegen. Die Landesgartenschaustadt des Jahres 2017 ging in dieser Hinsicht selbst mit gutem (?) Beispiel voran: Zwei Kreisverkehre in der Stadt wurden im Vorfeld des Großereignisses großflächig mit Schotter aufgeschüttet und der Blumenanteil ­rapide gesenkt, um die Pflegekosten zu senken.

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