Landgericht Paderborn soll Differenzen aus der Welt räumen
Klingenthal-Brüder im Streit

Paderborn (WB). Streit kommt in den besten Familien vor, heißt es. Bei der Paderborner Unternehmerfamilie Klingenthal wird seit Jahren nur noch über Anwälte kommuniziert. Am Dienstag trafen sich die Brüder Ferdinand (67) und Friedrich (65) vor dem Paderborner Landgericht.

Mittwoch, 05.06.2019, 04:00 Uhr aktualisiert: 05.06.2019, 07:14 Uhr
Friedrich (links) und Ferdinand Klingenthal haben sich vor dem Paderborner Landgericht getroffen.

Ferdinand Klingenthal leitet als Geschäftsführer die gleichnamigen Textilhäuser in Paderborn, Salzkotten, Gütersloh und Herford. Friedrich Klingenthal führt das Südringcenter in Paderborn. Beide Familienstämme sind gegenseitig zu 50 Prozent an den Unternehmen beteiligt. Und das provoziert offenbar Streit, der mittlerweile ins Persönliche geht.

Tischtuch inzwischen völlig zerschnitten

Angefangen habe alles 2008, als man sich gegenseitig mit Entscheidungen blockiert habe, berichtete Ferdinand Klingenthal. Doch inzwischen scheint das Tischtuch völlig zerschnitten zu sein. Aktuell versuchen die beiden Kaufleute, sich als Geschäftsführer aus den Unternehmen hinauszudrängen. Mit den komplizierten Firmenverflechtungen und Vorwürfen befasste sich gestern das Landgericht Paderborn unter Vorsitz von Richter Dr. Oliver Neuwinger in zwei Zivilprozessen, die nacheinander abgearbeitet wurden. Entscheidungen gab es gestern nicht. Richter Neuwinger prognostizierte: »Egal, wie wir hier entscheiden, es wird sowieso weiter gestritten.«

Ferdinand Klingenthal unbeirrt weiter »im Amt«

Nach Auffassung von Friedrich Klingenthal hätte sein Bruder Ferdinand im Dezember 2016 mit Ablauf des 65. Lebensjahrs seinen Posten als Geschäftsführer der Klingenthal Textil GmbH abgeben müssen. Das zumindest sieht der Anstellungsvertrag aus dem Jahr 1981 vor, in dem auch eine Regelung formuliert ist, wie hoch das Ruhegeld ausfallen soll. Doch Ferdinand Klingenthal ist seither unbeirrt weiter »im Amt« und erhält weiterhin das Geschäftsführer­gehalt. Sein Bruder Friedrich ist trotz Erreichen der Altersgrenze ebenfalls weiter Geschäftsführer, allerdings erhalte er nur noch das Ruhegeld, wie es der Vertrag vorsehe.

Streit um Beraterkosten für einen Anwalt

Nach Mitteilung von Richter Neuwinger bedürfe es »wichtiger Gründe«, um einen Geschäftsführer abzuberufen. Bei der Suche nach solchen Gründen sind beide Parteien nach eigener Ansicht fündig geworden. Unter anderem wird Ferdinand Klingenthal vorgeworfen, Beraterkosten für einen Anwalt in Höhe von 150.000 Euro als Betriebskosten abgerechnet zu haben. Friedrich Klingenthal meint, dass vereinbart worden sei, dass diese Beraterkosten privat zu zahlen seien. Er selbst habe das auf Anraten eines Steuerberaters genauso gehandhabt. Weitere Streitpunkte zwischen den Parteien sind Reisekosten der Kinder, die als Seminare deklariert worden sein sollen, aber auch die Gehälter für Familienangehörige. Kurzum: In diesen Fällen gehe es um Begünstigung, was jedoch vom Gericht nach einer Vorberatung nicht so eingeschätzt wurde.

Zumindest in einem Punkt scheinen sich die Brüder einig zu sein: Der Streit könne nur beigelegt werden, wenn die geschäftlichen Verflechtungen der beiden Familienstämme gelöst und die Firmen separiert würden. 2014 habe man bereits einmal kurz davor gestanden, hieß es im Prozess. Warum die Einigung scheiterte, blieb offen. In den nächsten Wochen wird das Landgericht seine Entscheidung bekanntgeben.

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