Greenpeace-Aktivisten demonstrieren in Paderborn für klimafreundliche Verkehrskonzepte
»Mit Vollgas in die Klimakrise«?

Paderborn (WB). Bundesweit in 42 Städten haben Greenpeace-Aktivisten gegen die »klimaschädliche Verkehrspolitik« von Andreas Scheuer (CSU) und für eine Verkehrswende demonstriert. Auch in Paderborn fragten die Umweltschützer Passanten nach ihren Wünschen für eine klimafreundliche Verkehrspolitik.

Dienstag, 04.06.2019, 10:41 Uhr aktualisiert: 04.06.2019, 10:44 Uhr
Dialog mit den Bürgern: Die Greenpeace-Aktivisten haben ihren Stand vor dem Rathaus aufgebaut.

Auf Bannern zeigten sie eine Fotomontage mit Verkehrsminister Scheuer, der am Steuer eines SUV »mit Vollgas in die Klimakrise« rast. Am Mittwoch hatte Minister Scheuer im Klimakabinett der Bundesregierung seine Vorschläge zum Klimaschutz im Verkehr vorgelegt. Diese reichen nach Auffassung von Greenpeace bei weitem nicht, um den CO2-Ausstoß im Verkehr so rasch wie nötig zu senken. »Anstatt den Verkehr in eine abgasfreie Zukunft zu lenken, steuert Scheuer weiter in die Klimakrise«, sagt Mark Lindert, Verkehrsexperte von Greenpeace Paderborn: »Die Klimaziele im Verkehr lassen sich nicht mit Kosmetik und Scheinlösungen erreichen. Am Ausstieg aus klimaschädlichen Verbrennungsmotoren führt kein Weg vorbei.«

Um den seit 30 Jahren stagnierenden CO2-Ausstoß im Verkehr zu senken, setze Minister Scheuer laut Greenpeace auf umstrittene pflanzliche Kraftstoffe, für die landwirtschaftliche Flächen blockiert und Wälder zerstört würden sowie auf strombasierte Kraftstoffe, die enorme zusätzliche Kapazitäten an erneuerbaren Energien erforderten. Beiden Maßnahmen trauten Experten ein weitaus geringeres CO2-Minderungspotenzial zu, als es der Verkehrsminister annimmt. Den öffentlichen Nahverkehr wolle Scheuer fördern, setze aber weiterhin auf milliardenteure Subventionen für klimaschädliche Diesel.

Wunsch nach kostenlosem Nahverkehr

Für eine klimafreundliche Mobilität konnten Passanten am Rathausplatz/Gutenbergstraße über Verkehrskonzepte wie »autofreie Innenstädte«, »kostenloser Nahverkehr« oder »keine Neuzulassungen für Diesel und Benziner ab 2025« abstimmen und weitere Wünsche für eine bessere Verkehrspolitik formulieren. Strafpunkte konnten sie für umstrittene Aussagen von Andreas Scheuer zu Themen wie einem Tempolimit auf Autobahnen vergeben. Laut der aktuellen Umweltbewusstseinsstudie des Bundesumweltministeriums spreche sich eine Mehrheit der Deutschen (53 Prozent) für mehr Umwelt- und Klimaschutz in der Verkehrspolitik aus. Nur 27 Prozent der Befragten hätten den Eindruck, die Verkehrspolitik orientiere sich an den Bedürfnissen der Bürger. Dagegen glaubten 89 Prozent, dass Interessen der Wirtschaft ausschlaggebend seien, so Greenpeace.

Der Verkehr verursache inzwischen knapp ein Fünftel der gesamtdeutschen Emissionen. Nach Berechnungen von Greenpeace puste der deutsche Verkehrssektor jede Sekunde fünf Tonnen CO2 in die Atmosphäre. SUV stünden für das Kernproblem der hohen, klimaschädlichen Emissionen: zu viele, zu schwere Autos verbrennen zu viel Benzin und Diesel.

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