Bernhard Steinwachs (69) zieht mit Fotogeschäft an den Kamp
Leidenschaft kennt keine Rente

Paderborn (WV). Die einen genießen mit 69 Jahren längst den wohlverdienten Ruhestand, andere starten noch einmal richtig durch. Zu letzteren gehört Bernhard Steinwachs. Er betreibt seit 1982 zusammen mit seiner Frau Monika ein eigenes Fotogeschäft an der Westernmauer und wird zum 1. Juni mit dem Geschäft noch einmal umziehen.

Dienstag, 04.06.2019, 09:59 Uhr aktualisiert: 04.06.2019, 10:02 Uhr
Rente ist keine Option für Monika und Bernd Steinwachs. Sie ziehen mit ihrem Fotogeschäft, das seit 37 Jahre an der Westernmauer ist, an den Kamp. Das Haus an der Westernmauer wird der Padersprinter abreißen und dort ein Kundencenter bauen. Foto: Jörn Hannemann

»Das Gebäude, in dem unser Geschäft ist, hat der Padersprinter gekauft und will es abreißen, weil es marode ist«, berichtet Bernhard Steinwachs. Im Zuge des neuen Busbahnhofs soll der Bereich anders gestaltet werden. Anstelle des Hauses soll das neue Kundenservicecenter des Padersprinters entstehen. An Ruhestand hat das Ehepaar Steinwachs nach eigenen Angaben dennoch keinen Moment gedacht, als es Anfang des Jahres die Nachricht erhielt, dass es an der Westernmauer für ihr Fotogeschäft nicht weitergehen kann.

Das plant der Padersprinter

Der Padersprinter will anstelle des Gebäudes, in dem heute noch das Fotogeschäft Steinwachs ist, einen Neubau errichten, in dem unter anderem ein Kundencenter und ein Aufenthaltsraum für die Busfahrer eingerichtet werden. Das teilt Padersprinter-Geschäftsführer Peter Bronnenberg auf Anfrage dieser Zeitung mit.

»Um die betrieblichen Abläufe noch weiter optimieren zu können, brauchen wir an den Haltestellen Räume, in denen das Fahrpersonal die vorgeschriebenen Pausen verbringen kann«, erläutert er. Im Erdgeschoss des Neubaus soll das Kundencenter entstehen, im 1. Obergeschoss die Aufenthaltsräume und in den zwei Etagen darüber entweder Wohnungen oder Büroräume. »Das ist noch nicht endgültig entschieden, wir stecken gerade noch mitten in der Planung«, sagt Bronnenberg. Der Neubau ist zeitlich unabhängig vom Bau des neuen zentralen Busbahnhofs an der Westernmauer. Wenn alles läuft wie gewünscht, soll das vorhandene Gebäude in der zweiten Jahreshälfte abgerissen werden. Parallel dazu läuft die Planung für den Neubau, für den es noch einige offene Fragen gebe.

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Am Kamp fündig geworden

»Es macht uns immer noch Spaß, deshalb war aufgeben keine Option«, stellt Steinwachs klar, der vor 55 Jahren seine Lehre zum Fotokaufmann, Drogist, Fotograf und Betriebswirt des Handels begonnen hat. Allerdings sei es gar nicht so leicht gewesen, neue, geeignete und finanzierbare Geschäftsräume in der Innenstadt zu finden.

Mit der Hilfe des Vorsitzenden der Werbegemeinschaft, Uwe Seibel, seien sie schließlich am Kamp 39 fündig geworden. »Direkt neben dem neuen Servicecenter des Padersprinters. Insofern schließt sich der Kreis«, erzählt er mit einem Augenzwinkern. Für fünf Jahre seien die Räume angemietet. Am 1. Juli werden die Türen des Fotogeschäfts erstmals am Kamp geöffnet.

»Wir bereiten den Umzug jetzt schon vor, so dass es keine Unterbrechung für unsere Kunden geben wird«, sagt der Geschäftsmann. Damit der Umzug in überschaubarem Aufwand über die Bühne gehen kann, startet ein Abverkauf im Fotogeschäft an der Westernmauer. »Wir trennen uns von alten Kameraschätzchen.« Aber auch Schreibtische, Regale und Dekoration stünden Interessierten durchaus zum Verkauf.

Traditionelle Abzüge gibt es weiterhin

Mit umziehen werden aber auf jeden Fall die Automaten zum Herstellen traditioneller Abzüge, die dem Ehepaar besonders am Herzen liegen. »Abzüge sind einfach wertiger und halten viel länger als Ausdrucke. Und was man als Abzug vor sich liegen hat, kann nicht so leicht verloren gehen, wie eine Datei«, sagt der Profi, der sein Wissen gerne in Fotokursen vor allem an Senioren weiter gibt.

Neben Abzügen in den üblichen Größen stellt Steinwachs auch Leinwände für Kunden her, die ihre gelungenen Schnappschüsse großformatig aufhängen möchten. Gerade erst hat er ein eigenes Foto aus der Toskana derart verewigt. »Die Leidenschaft fürs Fotografieren ist eben noch genau so groß wie am ersten Tag«, sagt er. Das gelte übrigens auch für die einzige Angestellte Gisela Lokietz. »Das ist ihr Leben. Auch deshalb machen wir weiter.«

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