Vorbereitungen für das neue Quartier in Paderborn laufen im Hintergrund Alanbrooke-Kaserne im Dornröschenschlaf

Paderborn (WB). Ein hoher Zaun umgibt das 18 Hektar große Areal. Auf der Fläche von 25 Fußballfeldern stehen 90 Gebäude, einige dem Verfall preisgegeben. Zutritt verboten. Vor drei Jahren haben die Briten die Alanbrooke-Kaserne an der Elsener Straße verlassen. Was ist dort seither passiert? Das WESTFÄLISCHE VOLKSBLATT hat sich umgesehen.

Von Ingo Schmitz
Ein Rätsel: Wie konnten die ganzen Abdeckungen an den Kellerfensterschächten ungesehen entwendet werden? Laut Thomas Jürgenschellert von der Stadt Paderborn gibt es ansonsten keine Vandalismusschäden in der Alanbrooke-Kaserne.
Ein Rätsel: Wie konnten die ganzen Abdeckungen an den Kellerfensterschächten ungesehen entwendet werden? Laut Thomas Jürgenschellert von der Stadt Paderborn gibt es ansonsten keine Vandalismusschäden in der Alanbrooke-Kaserne. Foto: Jörn Hannemann

Die Natur holt sich alles zurück, heißt es. Für Alanbrooke gilt das genauso. Das Grün wuchert aus allen Ritzen. Das Gras steht kniehoch und vereinnahmt alles. Im ehemaligen Garten der Briten wächst eine wunderschön blühende Rose. Bewunderer findet sie keine. Am Dach eines ehemaligen Bürogebäudes hängen einige Pfannen schief – Folgen des jüngsten Sturms.

An den Kellerschächten der Gebäude im vorderen Teil fehlen allesamt die Metallgitter. Die haben Unbekannte gestohlen, berichtet der Konversionsbeauftragte der Stadt Paderborn, Thomas Jürgenschellert. Wie das ungesehen passieren konnte, bleibt unklar. Vorsorglich werden die Schächte nun abgedeckt. Hier und da gibt es Löcher im Asphalt – hier wurde nach Altlasten im Untergrund gesucht. Kurz: Die Kulisse würde sich bestens für einen Krimi eignen.

Neues Quartier mit 800 Wohneinheiten

Auch wenn es erscheint, als sei die Kaserne in Dornröschenschlaf gefallen, laufen die Vorbereitungen für das neue Quartier mit 800 Wohneinheiten auf Hochtouren. Bäume, die aus Gründen der Sicherheit gefällt werden mussten, wurden entfernt. Außerdem haben die Archäologen im Bereich der ehemaligen Fahrzeughallen im Süden der Kaserne ein Gebiet untersucht, in dem mittelalterliche Spuren vermutet wurden. Doch das hat sich nicht bestätigt.

Der Kauf und die Folgen

Im Januar haben Stadt Paderborn und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) den Kaufvertrag über die Alanbrooke-Kaserne unterzeichnet. Als nächstes muss der Haushaltszuschuss des Bundestages zustimmen. Das soll noch vor der Sommerpause geschehen, berichtet Paderborns Konversionsbeauftragter Thomas Jürgenschellert. Nach der Zustimmung in Berlin muss umgehend die Kaufsumme an die BIMA überwiesen werden. Auch wenn die Stadt dann Eigentümerin ist, müssen dann noch die Grundbucheintragungen vorgenommen werden. Erst danach ist sie offiziell Besitzerin

Allerdings dauert es noch einige Tage bis zum offiziellen Startschuss für das künftige Wohnquartier. Das liegt an der noch ausstehenden Zustimmung des Haushaltsausschusses des Bundestages, der den Verkauf der Konversionsfläche an die Stadt Paderborn beschließen muss (siehe Infokasten).

Wesentliche Beeinträchtigungen für Anwohner

Erst danach können die Abrissarbeiten an den Gebäuden beginnen, die nicht unter Denkmalschutz stehen. »Der Abriss und der Hochbau werden für die Anwohner zum Beispiel an der Erzberger Straße noch einmal wesentliche Beeinträchtigungen bringen« , sagt Jürgenschellert. Die seien aber unvermeidbar.

Die Stadt hofft auf das Verständnis der Bürger und plant daher ein Baubüro als Anlaufstelle einzurichten. Geeignet wäre dafür die ehemalige Kantine – das mit Abstand jüngste Gebäude, das erst 2011 in Betrieb genommen wurde. Aber auch dieses Gebäude wird später abgerissen. Bis dahin will es die Verwaltung für sich und die interessierten Bürger nutzen.

Ein von der Stadt geplanter Tag der offenen Tür für die Bevölkerung und so genannte Baustellen-Touren sind ebenso vorgesehen. Möglicherweise werden die Menschen die Kaserne erstmals in den Sommerferien besichtigen dürfen. Bis dahin müssen noch etliche Sicherheitsfragen geklärt werden.

Kommentar von Ingo Schmitz

Nur noch wenige Wochen und den Paderbornern gehört nach fast zehnjährigem Vorlauf endlich die Alanbrooke-Kaserne. Seit 2010 weiß die Stadt vom Abzug der Briten. Ein ganz schön langer Zeitraum, möchte man meinen. Nach Angaben der Stadt ist der Komplex Alanbrooke für die BIMA sogar ein Vorzeigeprojekt. Die Verkaufsverhandlungen haben bis zum Abschluss gut zwei Jahre gedauert. Aus Sicht der BIMA eine Rekordzeit. Hier wird eben in anderen Dimensionen gemessen. Dass die Paderborner Verwaltung Gas gibt, ist gut so: Der Bedarf an Wohnraum, Baugrundstücken und Gewerbeflächen ist da. Bleibt zu hoffen, dass es bei der Umsetzung nur wenige Verzögerungen gibt.

Kommentare

Joan

We British loved our time in Paderborn. IT is great to see the kaserne used again. Viel Gluck! Xx

1 Kommentare

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