Podiumsdiskussion in Paderborner Uni über die Folgen des geplanten Hochschulgesetzes Weiter keine Anwesenheitspflicht

Paderborn (WB). Wie oft sollten die 20.000 Studentinnen und Studenten der Uni Paderborn in der Hochschule sein? Möglichst oft, sagt Präsidentin Birgitt Riegraf. Das muss nicht sein, meint der Asta.

Von Dietmar Kemper
Das gut gefüllte Audimax der Universität Paderborn: An der Frage, wie oft die Studenten dort und in Seminarräumen ihre Zeit verbringen sollen, scheiden sich die Geister. Die Studentenvertretung Asta verweist auf die Möglichkeit, online zu lernen.
Das gut gefüllte Audimax der Universität Paderborn: An der Frage, wie oft die Studenten dort und in Seminarräumen ihre Zeit verbringen sollen, scheiden sich die Geister. Die Studentenvertretung Asta verweist auf die Möglichkeit, online zu lernen. Foto: Jörn Hannemann

Bei einer Podiumsdiskussion ging es am Donnerstagabend um die Auswirkungen des geplanten neuen Hochschulgesetzes der schwarz-gelben Landesregierung in NRW. Es könnte schon zum nächsten Wintersemester in Kraft treten. Die Universitäten sollen, sagen CDU und FDP, mehr Entscheidungsfreiheit bekommen und auch eine grundsätzliche Anwesenheitspflicht einführen können. Dagegen wendet sich der Asta. Im Zeitalter der digitalen Lehre sei eine Anwesenheitspflicht völlig unangebracht, betonte der Vorsitzende Nikolai Rodehutskors: »Wir befinden uns hier in der Universität der Informationsgesellschaft, alles was man braucht, ist online verfügbar.« Schon jetzt werde aber die Anwesenheitspflicht quasi durch die Hintertür eingeführt. So forderten Dozenten die Studenten auf, zu jeder Vorlesung ein Protokoll vorzulegen.

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Es gibt keinen Anlass, dieses Gesetz zu einem Bedrohungsszenario zu machen.

Christine Freitag

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Präsidentin Birgitt Riegraf widersprach Rodehutskors: »Universität der Informationsgesellschaft kann ja nicht bedeuten, dass niemand mehr da ist.« Eine Anwesenheitspflicht als rein »formales Instrument kann man ablehnen«, sagte sie, aber es gelte, die Präsenz in Seminaren und Vorlesungen zu unterstützen. Studieren bedeute Austausch von Angesicht zu Angesicht, bedeute, sich mit anderen und auch der Institution Universität auseinanderzusetzen. Deshalb sollte der Gang zur Hochschule verbindlich sein.

Eine Anwesenheitspflicht gilt bislang bereits für Sprachkurse, Praktika und Exkursionen. Das neue Hochschulgesetz werde hier keine Ausweitung bringen, ist die Dekanin für Studium und Lehre der Fakultät für Kulturwissenschaften, Christine Freitag, überzeugt. Sie verwies auf den Gesetzeskommentar zum schwarz-gelben Vorhaben. Demnach ändere sich in der Sache nichts, »es gibt keinen Anlass, dieses Gesetz zu einem Bedrohungsszenario zu machen«. Eine Anwesenheitspflicht scheitert demnach allein schon an der Masse der Studenten. Normalerweise dürften in einem Seminar nicht mehr als 29 Teilnehmer sitzen, die Realität sehe anders aus, erläuterte Freitag.

Die GEW-Fachgruppe Hochschule und Forschung hält das Gesetz sehr wohl für eine Bedrohung. Es beschneide die Mitbestimmung und Selbstverwaltung und mache es möglich, in der Prüfungsordnung eine Zwangsberatung zu verankern – nämlich dann, wenn nach zweieinhalb Semestern weniger als ein Drittel der vorgesehenen Studienleistungen erbracht worden sind. Sebastian Bischoff von der GEW meint: »Das Gesetz atmet den Geist einer unternehmerischen Universität, die sich im Konkurrenzkampf mit anderen befindet, und nicht den eines grundfinanzierten, demokratischen Ortes der Lehre.«

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