Informationsveranstaltung der Briten zu Blindgängern in der Senne Im Boden lauert die Gefahr

Bad Lippspringe/Paderborn (WB). Von oben betrachtet ist die Senne wunderschön. Die Gefahr lauert im Boden. Noch heute werden auf dem Truppenübungsplatz fast täglich Blindgänger entdeckt. Viele sind explosive Hinterlassenschaften aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg.

Von Klaus Karenfeld
Die Senne ist oft gesperrt. Vielerorts geht eine Gefahr von Blindgängern aus, die teils noch aus dem Krieg stammen.
Die Senne ist oft gesperrt. Vielerorts geht eine Gefahr von Blindgängern aus, die teils noch aus dem Krieg stammen. Foto: Jörn Hannemann

Adam Harding hat 17 Jahre für den britischen Kampfmittelräumdienst in der Senne gearbeitet. Über die Gefahren, die von Blindgängern ausgehen, berichtete der Feuerwerker am Montagabend im Lippe-Institut.

Pro Woche, so Harding, werden im Durchschnitt vier Blindgänger auf dem Truppenübungsplatz entdeckt und unschädlich gemacht – angefangen bei Granaten, Mörsern und Minen bis hin zu Panzergeschossen. Die nicht detonierten Kampfmittel liegen teilweise einige Meter tief in der Erde.

22 Prozent stammen aus der Zeit der Weltkriege

Harding illustrierte seinen Vortrag mit Hinweisen auf die Statistik. Und die überraschte so manchen der Zuhörer. Demzufolge stammen 22 Prozent der zwischen 2013 und 2017 entschärften Blindgänger noch aus der Zeit der Weltkriege. 2017 habe der Anteil sogar bei 48 Prozent gelegen. »In der Mehrzahl handelt es sich dabei um deutsche Panzergeschosse«, erläuterte Harding weiter. Aber natürlich gebe es auch Blindgänger aus heutiger Zeit.

Der Experte geht davon aus, dass moderne Munition eine Ausfallrate von immerhin etwa zehn Prozent hat. Nicht immer würden die Blindgänger auf dem eigentlichen Schießgelände entdeckt. Im Juni 2018 sei das beispielsweise der Fall gewesen. Der Kampfmittelräumdienst habe damals in einem Senne-Waldstück zwei Splitterminen unschädlich gemacht.

Auch nicht detonierte Übungsmunition ist gefährlich

»Dieser Bereich wird trotz eindeutigen Verbots immer wieder von Spaziergängern besucht«, sagte Harding. In diesem Zusammenhang warnte er auch vor dem weit verbreiteten Irrglauben, nicht detonierte Übungsmunition (blau gekennzeichnet) sei ungefährlich und könne bedenkenlos angefasst werden.

Harding war in Begleitung von Verbindungsoffizier Alan Patterson nach Bad Lippspringe gekommen. Er zeigte sich offen für Fragen abseits des eigentlichen Vortrags. Die sehr häufigen Sperrzeiten in der Senne führte Patterson auf einen verstärkten Trainingsbetrieb zurück: »Das geschieht auf jeden Fall nicht aus böser Absicht. Im Gegenteil: Wir wollen gute Nachbarn sein«, betonte Patterson.

Es sei erklärtes Ziel der Verantwortlichen, die Senne soweit wie möglich offen zu halten. Die restriktive Handhabung der Sperrzeiten hat aber wohl noch einen anderen Grund, ließ Patterson durchblicken. Er verwies in diesem Zusammenhang auf eine geänderte Rechtslage.

Bei Unfall haftet das Militär

Komme es auf dem Truppenübungsplatz beispielsweise zu einem Unfall mit einer Zivilperson, werde dafür – anders als früher – der Kommandant beziehungsweise das britische Militär haftbar gemacht. »Und das ist schon ein nicht zu unterschätzendes Risiko«, sagte Patterson.

Der britische Verbindungsoffizier will künftig auch andernorts zu Info-Veranstaltungen einladen. Schließlich gehöre zu einer guten Nachbarschaft auch, aktuell und gut unterrichtet zu sein. In diesem Zusammenhang berichtete Patterson von einer Anfrage eines Nato-Partners, der im Juni auf dem Truppenübungsplatz eine Hubschrauberübung durchführen will. Entschieden sei noch nicht.

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