Vater Ralf Bäumer sieht Maßnahme des Gymnasiums Schloß Neuhaus als Diskriminierung
Schülerin muss für jeden Fehltag ein Attest vorlegen

Paderborn (WB). Nicht erst seit den »Fridays for Future«-Demonstrationen schauen Schulen sehr genau hin, wann, wie oft und warum Schüler dem Unterricht fernbleiben. Das findet auch Ralf Bäumer, Vater einer Oberstufenschülerin am Gymnasium Schloß Neuhaus, grundsätzlich richtig. Das Vorgehen der Schule im Fall seiner Tochter Bella macht ihn allerdings wütend.

Dienstag, 07.05.2019, 11:30 Uhr aktualisiert: 07.05.2019, 12:50 Uhr
Ralf Bäumer hat bereits eine ganze Mappe mit dem Schriftverkehr zum Thema Attestpflicht für seine Tochter Bella gefüllt. Er will nicht akzeptieren, dass es dem Gymnasium nicht genügt, wenn er oder seine Frau ihre Tochter entschuldigen. Foto: Jörn Hannemann
Das steht im NRW-Schulgesetz

Im Schulgesetz NRW heißt es zur sogenannten Attestpflicht (§43, Absatz 2): »Bei begründeten Zweifeln, ob Unterricht aus gesundheitlichen Gründen versäumt wird, kann die Schule von den Eltern ein ärztliches Attest verlangen und in besonderen Fällen ein schulärztliches oder amtsärzt­liches Gutachten einholen.« Bei der Attestpflicht handele es sich nicht um eine Sanktion, stellt die Bezirksregierung Detmold auf Anfrage klar. Vielmehr solle sie dazu dienen, »einen Sachverhalt zu ermitteln und die begründeten Zweifel auszuräumen«.

...

Denn Bella kämpfe mit starken gesundheitlichen Einschränkungen, die es ihr immer wieder unmöglich machten, am Unterricht teilzunehmen, berichtet Bäumer. »Zu der Sorge um unsere Tochter kommt jetzt auch noch eine reine Schikane der Schule«, ärgert er sich. Denn so empfindet er die E-Mail, die die Schule an seine Tochter Bella geschrieben hat, um ihr mitzuteilen, dass sie künftig ihre Fehlzeiten grundsätzlich mit einem ärztlichen Attest zu belegen habe. »Das empfinde ich sowohl in der Form als auch im Inhalt als Diskriminierung unserer Tochter«, sagt Bäumer.

Und auch Bella versteht die Anordnung nicht: »Ich kann doch nichts dafür, dass ich krank bin. Wenn ich länger gefehlt habe, habe ich ohnehin ein Attest vorgelegt. Alle anderen Zeiten waren entschuldigt, und ich versuche, den Unterrichtsstoff so gut wie möglich nachzuarbeiten.« 130 Fehlstunden aus gesundheitlichen Gründen seien allerdings im ersten Halbjahr dieses Schuljahres zusammengekommen.

»Wenn ein Schüler solche Fehlzeiten im persönlichen Gespräch nicht schlüssig aufklären kann, gehört dieses Mittel für uns zur Fürsorgepflicht gegenüber den Schülern«, sagt Schulleiterin Eva Sprenger. Bei 1400 Schülern am GSN gebe es derzeit neun, die der Attestpflicht unterliegen. Probleme damit gebe es nur in diesem einen Fall. Die Attestpflicht könne im Übrigen auch wieder aufgehoben werden, wenn sich die Situation ändert. Auch die Bezirksregierung Detmold bestätigte auf Anfrage, dass es sich dabei um ein durchaus übliches Mittel handele.

Vater ärgert sich über offensichtliches Misstrauen

Ralf Bäumer hingegen ärgert das Misstrauen, dass er sich selbst und seiner Frau gegenüber aus der Attestpflicht interpretiert. »Wenn wir bestätigen, dass unsere Tochter tatsächlich krank ist, muss das genügen«, meint er und sieht sich darin auch von der Landeselternschaft NRW bestätigt, die zu dem Thema folgendes auf ihrer Internetseite veröffentlicht hat: »Unserer Rechtsauffassung nach kann ein Attest nur in begründeten Einzelfällen verlangt werden und jeder Fall bedarf einer Einzelprüfung und -entscheidung.«

Dass Bellas Krankheit und die dadurch bedingten Fehlzeiten sich auch auf ihre schulischen Leistungen auswirken, sei traurig, sagt Bäumer, aber eben im Moment leider nicht zu ändern. Die Attestpflicht sei vor allem für Bellas berufstätige Mutter eine Bürde, die nun jedes Mal die Fahrt zur behandelnden Ärztin auf sich nehmen müsse, die in einem anderen Ort und zudem aufgrund ihres Alters nicht mehr täglich praktiziere.

Schule signalisiert Gesprächsbereitschaft

Gewünscht hätte Bäumer sich ein Gespräch der Schulleitung mit ihm anstelle der E-Mail an seine Tochter und ein bisschen mehr Vertrauen in das Urteilsvermögen der Eltern. Das habe er gegenüber der Schule allerdings inzwischen verloren, sagt er und räumt ein, dass er in seiner Korrespondenz aufgrund seiner Verärgerung einen durchaus scharfen Ton angeschlagen habe. Außerdem hat er eine Petition in der Angelegenheit angestrengt, in der er sich zuvor auch schon an das Schulministerium gewandt hatte. »Ich erwarte eine Rücknahme der Attestpflicht und eine Entschuldigung der Schule«, sagt Bäumer. Die habe ihn zuletzt aber lediglich darauf hingewiesen, dass eine Beschwerde nicht per E-Mail, sondern nur über den Postweg erfolgen könne. Das Gymnasium Schloß Neuhaus steht laut Eva Sprenger für ein persönliches Gespräch zur Verfügung. »Von uns aus, hätte das gar nicht so weit gehen müssen.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6594513?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2512560%2F
Richter verbieten Sonntagsöffnung
“Sorry we’re closed” (Leider Geschlossen): Das gilt voraussichtlich an allen schon geplanten oder noch ungeplanten verkaufsoffenen Sonntagen in NRW. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker