Dr. Mark Benecke berichtet im ausverkauften Paderborner Schützenhof
Mit Maden und Käfern geht es weiter

Paderborn (WB). Wenn der TV-bekannte Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke zum Vortrag lädt, kommen die Fans in Scharen. Die Samstagabend-Unterhaltung der anderen Art lockte diesmal 900 Gäste in den ausverkauften Schützenhof und lehrte mitunter das Gruseln. Das war nicht immer jedermanns Sache. Einige Gäste verließen vorzeitig den Saal.

Sonntag, 05.05.2019, 11:02 Uhr aktualisiert: 06.05.2019, 07:42 Uhr
Dr. Mark Benecke ist bekannter Kriminalbiologe. Am Samstag berichtete er im Schützenhof vor 900 Besuchern von seiner Arbeit. Das schlug manchem auf den Magen. Foto: Lukas Brekenkamp

»Nach dem Tod ist nicht alles vorbei. Danach geht es mit Maden und Käfern weiter«, stellte Benecke vielversprechend im Plauderton fest. Denn genau darum geht es: Anhand von den auf Leichen lebenden Tieren vermag der Biologe den Ermittlern der Polizei in den noch so aussichtslosesten Fällen Hinweise zu geben, die wichtige Mosaiksteine bei der Aufklärung sein können.

Leichen sind nicht giftig

Leichen sind giftig? Es gebe viele Mythen, stellte der teils skurril wirkende Referent fest, der bei seinem Vortrag stets im abgedunkelten Hintergrund blieb. Er ließ stattdessen Bilder sprechen. »Sie essen Leichen, also kann das mit dem Gift nicht stimmen«, erklärte er dem Publikum anhand eines Fotos aus einer Fleischerei, in der mehrere Schinken hingen. Die braune Färbung gebe es beim Menschen, wenn dieser verwese.

International gefragter Experte

Während der international gefragte Experte mit seinen vielen Tätowierungen bei seinem letzten Besuch in Paderborn vor zwei Jahren auf verschiedene Kriminalfälle und die unterschiedlichsten Todesursachen einging, erläuterte er diesmal das spezielle Training für Studenten, die mit der Kriminalbiologie vertraut gemacht werden. Langsam führte er das Publikum mit weit ausholenden Erläuterungen an die Thematik heran. Dabei betonte er immer wieder, dass nicht das Sehen, sondern das Wahrnehmen des Menschen von großer Bedeutung sei. Jede Spur sei wertvoll, denn ein Mörder werde immer Spuren hinterlassen. Auch dann, wenn er einen Teppich hundertmal absauge, bevor er die Leiche einrolle, um sie im See zu versenken.

Die Suche nach Spuren werde auf der »Bodyfarm« trainiert. So nennt sich ein Institut in Tennessee (USA), in dem Leichen flach verscharrt werden, um die Verwesungsprozesse bei verschiedenen Bedingungen untersuchen zu können. Laut Benecke sei es das einzige Institut dieser Art. Er habe es schon mehrfach besucht.

»Denken ist falsch, messen ist gut«

»Denken ist falsch, messen ist gut«, lautet die Devise des Kölners. Denn nur solche Versuche wie auf der Bodyfarm ermöglichten es, genaue Angaben zu sammeln. Bei den Leichen handele es sich um Freiwillige, die zuvor ihre Lebensversicherung dem Institut übertragen hätten. Das Problem des Fachbereichs, dass es kein Geld gebe, weil diese Art von Wissenschaft kaum geeignet sei, sich zu profilieren. In der Bodyfarm arbeiten laut Benecke nicht nur Kriminalbiologen, sondern auch Experten, die allein anhand von Zähnen Menschen identifizieren – zum Beispiel nach einem Flugzeugunglück.

Der Grundsatz des Kriminalbiologen

Der Bilder-Ausflug im Schützenhof zeigte aber nicht nur die Ausbilder und die Studenten bei ihrer Arbeit, sondern auch den Kopf eines toten Mannes in verschiedenen Fäulnisstadien. Besonders die Maden der Schmeißfliege leisteten dabei ganze Arbeit. Benecke bewies bei seinem Auftritt erneut, dass er nicht nur Kriminalbiologe mit profundem Wissen ist, sondern auch ein Entertainer, der die Fragen seiner Gäste ernst nimmt. Gern geht er mit ihnen auf Tuchfühlung und gibt Autogramme – aber nur auf Büchern und Haut, versteht sich. Und manche Fans lassen sich einen echten Benecke sogar auf den Arm tätowieren. Apropos: Wussten Sie, dass die Gletscherleiche Ötzi auch tätowiert war? Laut Benecke sei das lange Zeit übersehen worden. »Alles kann sein«, lautet daher der Grundsatz des Kriminalbiologen. Daher kann es gut sein, dass er bald auch wieder in Paderborn zu Gast ist.

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