Paderborner Heinz Schmücker hängt nach 40 Jahren die Anwalts-Robe an den Nagel
Der Jurist für Unternehmen

Paderborn (WB). Wenn Heinz Schmücker über seine Arbeit spricht, dann wiegt er jedes Wort genau ab. Das Vertrauen der Mandanten und die Verschwiegenheit sind die Grundsteine für jede Geschäftsbeziehung. Für Wirtschaftsanwälte gilt dies im besonderen Maße.

Donnerstag, 02.05.2019, 04:00 Uhr
40 Jahre lang hat Heinz Schmücker als Anwalt sowie 30 Jahre als Notar zahlreiche Firmen im Hochstift Paderborn juristisch begleitet. Am 31. Mai geht er in den Ruhestand. Als Vorsitzender des Vereins Haus und Grund bleibt er aber im Amt. Foto: Ingo Schmitz

Heinz Schmücker ist seit mehr als vier Jahrzehnten im Beruf tätig. Er hat eine Vielzahl an mittelständischen Unternehmen in der Region vertreten. Sein Name ist vor allem mit einem besonders wichtigen Bauprojekt des vergangenen Jahrzehnts in der Paderborner Innenstadt verbunden: der Neue Platz. Doch nun zieht er einen Schlussstrich und die Robe aus. Zum 31. Mai geht er mit 70 Jahren in den Ruhestand.

»Ich gehe davon aus, dass mir der Abschied nicht schwer fallen wird.«

Heinz Schmücker

 

Doch danach sieht es in seinem Büro hoch oben in der Paderborner Südstadt mit Blick auf den Dom überhaupt nicht aus. Auf seinem Schreibtisch liegen mehrere Bündel mit Akten. Freut er sich auf den Ruhestand? »Ich gehe davon aus, dass mir der Abschied nicht schwer fallen wird. Ich war mehr als 40 Jahre als Anwalt und 30 Jahre als Notar tätig. Es ist Zeit, aufzuhören«, erklärt er, während er im großen Besprechungsraum an der Kopfseite eines wuchtigen Tischs sitzt. Hier sind wohl viele weitreichende Entscheidungen gefällt und etliche Unterschriften unter Verträge gesetzt worden. Wie viele? Ein Antwort ist schier unmöglich.

Ursprünglich hatte sich Heinz Schmücker vor dem Jurastudium für die Medizin interessiert. »Doch nach einem Praktikum im Krankenhaus wusste ich, dass das nicht das Richtige für mich ist«, erzählt der 69-Jährige. Im Jurastudium kristallisierte sich ebenso schnell sein späterer Schwerpunkt heraus. »Ich habe mich für wirtschaftlich relevante Zusammenhänge interessiert. Strafrecht oder Familienrecht kamen für mich nicht in Frage.«

Experte in Sachen Wirtschafts-, Handels- und Gesellschaftsrecht

Wer in den vergangenen Jahrzehnten in Paderborn Fragen in Sachen Wirtschafts-, Handels- und Gesellschaftsrecht oder Baurecht hatte, für den war die Kanzlei Schmücker oftmals die erste Adresse. In vielen Fällen war es die Aufgabe von Heinz Schmücker, die rechtlichen Strukturen von Unternehmen zu gestalten oder auch zunehmend den Bereich der Firmennachfolge zu entwerfen und juristisch umzusetzen. »Priorität hat dabei, dass die Unternehmensführung gewährleistet ist. Bei familiärer Nachfolge müssen hingegen ausschließlich Probleme in der Erbschaftssteuer gelöst werden«, erläutert der Anwalt und Notar.

Als ein herausragendes Projekt bezeichnet er den Neuen Platz mit Volksbank und Theater. Die Her­ausforderung habe darin bestanden, die rechtlichen Grundlagen zur Errichtung der Gebäude zu schaffen, denn die Ausgangslage war komplex. Weil auch öffentliche Gebäude der Stadt Paderborn betroffen waren, habe er an den Verträgen mit der zuständigen Kommission der Europäischen Union mitgewirkt.

»Der Neue Platz hat oft auf der Kippe gestanden.«

Heinz Schmücker

»Allein die Verhandlungen haben rund vier Jahre gedauert, bis es zur Realisierung kam. Der Neue Platz hat oft auf der Kippe gestanden. Ich glaube, dass die Verwirklichung im Wesentlichen der Visionskraft des damals zuständigen Vorsitzenden der Volksbank zu verdanken ist. Dr. Ulrich Bittihn ist ein Visionär, der enorme Kräfte entwickelt hat. Aber auch der damalige Bürgermeister Heinz Paus hat zu dem Erfolg beigetragen«, betont Schmücker.

Neben den Erfolgen gebe es aber auch negative Erfahrungen mit Unternehmen, die er über Jahrzehnte begleitet habe. Schmücker nennt keine Namen, umschreibt das Problem aber allgemein: »Wenn sich durch Ausein­andersetzungen in den Gesellschafterstämmen Probleme für das Unternehmen selbst ergeben, dann bedauere ich das sehr.«

Kritik an kommunaler Baugesellschaft

Seit Jahren ist Heinz Schmücker ehrenamtlich für den Verein Haus und Grund tätig und sieht die aktuelle Entwicklung in Paderborn mit Sorge. »Mir gefällt die kommunale Baugesellschaft nicht, da sie rechtlich nicht notwendig ist. Ich halte den politischen Beschluss für eine Fehlentwicklung. Ich habe große Bedenken, ob eine kommunale Gesellschaft wirtschaftlich erfolgreicher am Markt agieren kann, als anerkannte privatrechtliche oder genossenschaftliche Institutionen. Wir brauchen in Paderborn Wohnungen. Ich meine: Der Beste soll es tun!«, wird der Interessenvertreter der Hausbesitzer deutlich.

Und wie wird sich seiner Meinung nach der Berufsstand der Anwälte weiter entwickeln? Heinz Schmücker glaubt, dass die Zeit der kleinen Kanzleien sich dem Ende nähert. »Sie werden abgelöst von den Großkanzleien. Dieser Wandel wird sich auch hier in der Region vollziehen«, ist er sicher. Diese Entwicklung wird er als Ruheständler weiter beobachten.

Übrigens: Sorge, dass ihm als Privatier langweilig werden könnte, hat er nicht. Der Paderborner ist passionierter Jäger, spielt Golf, liebt das Wandern in den Bergen, liest und reist gerne. Und dann wäre da ja auch noch seine Tätigkeit im Verein Haus und Grund. »Dort werde ich weiter als Vorsitzender im Amt bleiben«, kündigt der Jurist an.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6578160?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2512560%2F
„Big Brother Award“ für Tesla
Cockpit eines Tesla S: Der US-Konzern erhält den Big Brother-Award, weil der Autobauer reichlich Daten über seine Fahrer sammelt. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker