Ärzte im Paderborner Brüderkrankenhaus setzen auf selbstauflösende Schrauben
Magnesium statt Titan

Paderborn (WB). Der sogenannte Ballenzeh (Hallux valgus) ist eine weit verbreitete, schmerzhafte Deformation des Fußes, die nur durch einen chirurgischen Eingriff korrigiert werden kann. In der Klinik für Orthopädie am Brüderkrankenhaus St. Josef Paderborn verwenden Chefarzt Prof. Dr. Norbert Lindner und sein Team dafür jetzt selbstauflösende Magnesiumschrauben.

Mittwoch, 01.05.2019, 17:00 Uhr
Cheforthopäde Prof. Dr. Norbert Lindner hat Maria Tölle als erster Patientin eine Magnesiumschraube eingesetzt.

Die Magnesiumschraube löst sich innerhalb von zwölf Monaten vollständig auf, so dass dem Patienten eine eventuelle zweite Operation zur Metallentfernung und die damit verbundenen Unannehmlichkeiten erspart bleiben. »Wir haben nach neuen Wegen gesucht, die den Eingriff für die Betroffenen angenehmer machen. Gerade für junge Patienten, die voll in Beruf und Familie eingebunden sind, ist die Magnesiumschraube ein Riesenvorteil«, urteilt Lindner.

Heilungsprozess schreitet gut voran

Patientin Maria Tölle aus Paderborn, die als Erste vor gut zwei Wochen in einem ambulanten Eingriff am ersten und zweiten Zeh des rechten Fußes von Prof. Lindner mit der neuen »Bio-Schraube« versorgt wurde, zeigt sich zufrieden. Die Röntgenkontrolluntersuchung ist positiv verlaufen und der Heilungsprozess schreitet gut voran, die Schwellung ist bereits deutlich zurückgegangen. Schmerzen hat sie keine. Der Fuß kann wie bei einer herkömmlichen Schraube belastet werden. Nur den Spezialschuh muss sie – wie bei einer herkömmlichen Ballenzeh-OP – noch zwei bis vier Wochen tragen.

Die Magnesiumschraube besteht zu mehr als 90 Prozent aus Magnesium – das sind in etwa 150 Milligramm. Diese Menge sei laut Krankenhaus gegenüber dem Gesamtmagnesiumgehalt im Körper verschwindend gering, insbesondere weil die Schraube über einen sehr langen Zeitraum abgebaut wird. Das Implantat baut sich über verschiedene Zwischenstufen zu körpereigenem Knochengewebe um, so dass kein Fremdkörper dauerhaft im Körper verbleibt.

Entlassung eine Stunde nach dem Eingriff

Fußchirurgische Operationen werden in der Klinik für Orthopädie, orthopädische Chirurgie und Sportmedizin am Brüderkrankenhaus ambulant und auch stationär angeboten. Durch gute Schmerztherapie können die Patienten im Normalfall bereits eine Stunde nach dem Eingriff nach Hause entlassen werden.

»Typische Eingriffe wie Hallux valgus oder Hammerzehen-Deformitäten liefern gute kosmetische Ergebnisse und erlauben eine schöne Rekonstruktion der Zehenschiefstellung, die auch die Lebensqualität zurückbringt, da der Betroffene wieder gut und schmerzfrei laufen kann«, meint der spezielle Fußchirurg Tariq Qodceiah aus dem Orthopäden-Team.

»Wir setzen die Magnesiumschraube routinemäßig ein, so dass der Eingriff für den Patienten so wenig belastend wie möglich ist.« Betroffene können sich in der orthopädischen Ambulanz vorstellen.

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