Später Jobwechsel: Auf einer Bulli-Reise kam Eva Röhren (34) die Idee – Mit Video Warum eine Grafikdesignerin jetzt Feuerwehrfrau wird

Paderborn (WB). Sogar eine Gehaltserhöhung konnte sie nicht abhalten: Eva Röhren (34) wagt nach mehr als einem Jahrzehnt im Job einen Berufswechsel.

Von Jan Gruhn
Eva Röhren lehnt an einem Spind im Männer-Umkleideraum der Feuerwache Süd in Paderborn. Der Raum für die Frauen ist bedeutend kleiner. Die Brandmeisteranwärterin ist die einzige Frau in ihrer Ausbildungsklasse.
Eva Röhren lehnt an einem Spind im Männer-Umkleideraum der Feuerwache Süd in Paderborn. Der Raum für die Frauen ist bedeutend kleiner. Die Brandmeisteranwärterin ist die einzige Frau in ihrer Ausbildungsklasse. Foto: Jan Gruhn

Die Luft im Lehrsaal der Feuerwache Süd in Paderborn ist stickig an diesem Nachmittag. Den ganzen Tag haben die Brandmeisteranwärter hier Unterricht gehabt, jetzt ist Feierabend. Nur Eva Röhren sitzt noch an einem Tisch. Sie trägt eine schwere Diensthose, auf dem dunkelblauen T-Shirt prangt der Schriftzug »Feuerwehr Paderborn«. So ungewöhnlich und spontan ihr Wechsel zur Feuerwehr kam – sie spricht darüber in klaren, geraden Sätzen. Unaufgeregt, zielstrebig.

»Eigentlich bin ich mit 34 schon ein bisschen zu alt, um eine neue Ausbildung anzufangen«, sagt Röhren. »Aber es war einfach nichts für mich, den ganzen Tag zu sitzen.« Nach Ausbildung und Studium arbeitete sie als Grafikdesignerin in Münster. Aber die Unzufriedenheit wuchs, Tag für Tag. »Meine Chefs haben mir sogar mehr Gehalt geboten, damit ich bleibe«, erklärt Röhren. Aber das habe den Wunsch nach etwas Neuem nicht ausgleichen können. In einem Sabbatjahr wollte sie sich auf einer Reise neu orientieren. »So lange ich im Hamsterrad steckte, konnte ich nicht drüber nachdenken, was ich machen will.«

Idee kam auf einer Bulli-Tour

Schon zu Beginn der Bulli-Tour durch halb Europa stolperte sie in den Nachrichten über einen Einsatzbericht der Feuerwehr. Da machte es Klick. »Ich hatte immer mit einer Ausbildung bei der Polizei geliebäugelt«, sagt Röhren. »Aber bei der Feuerwehr zu arbeiten, da bin ich vorher nicht drauf gekommen.«

Doch die Hürden auf dem Weg zur Berufsfeuerwehrfrau (oder zum Berufsfeuerwehrmann) sind hoch. Die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft beklagte kürzlich, dass jede zehnte bis 15. Stelle bei den Berufsfeuerwehren unbesetzt sei. Es gebe zwar genügend Bewerber, »doch zu wenige bringen die nötigen Fähigkeiten mit«, sagte ein Sprecher der »FAZ«.

Viele scheitern bereits am Sporttest. Das gelte vor allem für weibliche Bewerber, sagt Ausbilderin Anne-Maria Wegner. Der Test sei vor etwa zehn Jahren von der Sporthochschule Köln angepasst worden, um beiden Geschlechtern gerecht zu werden. Aber leicht sei er immer noch nicht. »Frauen müssen in der Regel schon mehr trainieren als Männer«, schätzt Wegner.

»Ich habe mich auf der Reise auf den Test vorbereitet«, sagt Röhren. »Ich mache sowieso viel Sport.« Sie habe einfach etwas spezifischere Übungen gemacht. Beim abendlichen Spaziergang mit ihrem Hund habe sie zum Bespiel auf Spielplätzen den Beugehang geübt: mit beiden Händen schulterbreit an der Klimmzugstange. Das Kinn befindet sich über der Stange. Mindestens 45 Sekunden halten. Ob sie es unfair findet, dass für Frauen die gleichen Bedingungen gelten wie für Männer? »Nein. Im Einsatz spielt das schließlich auch keine Rolle.«

Nur 1,8 Prozent Frauen bei Berufsfeuerwehrkräften

Insgesamt sind von etwa 31.700 Berufsfeuerwehrkräften nur knapp 1,8 Prozent Frauen, heißt es vom Deutschen Feuerwehrverband. Röhren ist die einzige Anwärterin in ihrer Klasse. Für sie kein Problem: »Bislang habe ich keinen blöden Spruch gedrückt bekommen.«

Eine andere Zugangsbedingung zur Berufsfeuerwehr ist eine abgeschlossene handwerkliche Ausbildung. »Oder eine für die Feuerwehr geeignete Ausbildung«, sagt Anne-Maria Wegner. Natürlich wisse man um den Personalmangel, erklärt die Brandoberinspektorin. Deshalb sei die Regelung vor ein paar Jahren gelockert worden. »Wir haben hier mittlerweile auch Bankkaufmänner sitzen«, sagt Wegner. Oder eben eine ehemalige Grafikdesignerin.

Seit vier Wochen läuft die Ausbildung für Eva Röhren. Sie sei eine von vier Quereinsteigern in der Klasse: »Der Rest war vorher schon in der Freiwilligen Feuerwehr.« Ab und zu müsse sie deshalb schon schauen, dass sie hinterher kommt. Wenn die Kollegen zum Beispiel mit Abkürzungen um sich werfen. 18 Monate dauert die Brandmeisterausbildung, der Start in den Mittleren Dienst. Neben dem Unterricht warten Wachpraktika, Lehrgänge, Lkw-Führerschein – und immer wieder Sport.

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