»Runder Tisch Armut Paderborn« beteiligt sich an landesweitem Aktionstag
Wohnungsangebote Fehlanzeige

Paderborn (WB). Das Ungleichgewicht auf den Kleinanzeigentafeln spricht für sich: Die Tafel mit den Wohnungsgesuchen quillt über, die für Angebote vorgesehene bleibt den ganzen Vormittag über verwaist. In vielen Gesprächen hören die Mitglieder des »Runden Tisches Armut« am Aktionstag »Wir wollen wohnen!« immer wieder ähnliche Geschichten.

Sonntag, 07.04.2019, 18:05 Uhr aktualisiert: 07.04.2019, 18:28 Uhr
Ramona Martin von der Paderborner Senioreninitiative sucht mit »Oma Brömmelkamp« stellvertretend für alleinstehende Senioren eine bezahlbare Wohnung. Die Biete-Tafel blieb allerdings leer. Foto: Maike Stahl

»Es gibt auch in Paderborn eine Wohnungsnot«, sagt Nicole Wiggers. »Die trifft vor allem Menschen, die sozial nicht gut gestellt sind – also die Schwächsten« Sie ist in der Geschäftsführung von Kim tätig und weiß, wie schwer es für die Klienten des Vereins ist, bezahlbaren Wohnraum zu finden. »Das ist aber wichtig, damit sie wieder Fuß fassen können.«

Aber auch alleinerziehende Mütter, Senioren, Studenten und Auszubildende brauchen bezahlbare kleine Wohnungen. »Die zu finden, ist im gesamten Kreisgebiet nahezu aussichtslos«, weiß Kathrin Jäger vom Netzwerk »Der Kreis Paderborn hält zusammen – für ein Leben ohne Armut und Ausgrenzung«. Deshalb werbe der Verein derzeit in den zehn Städten und Gemeinden des Kreises dafür, dass diese so genannte Belegungsrechte erwerben. »Wenn den Kommunen privater Wohnraum zur Verfügung gestellt wird, zahlen sie den Vermietern einen Aufschlag auf den Quadratmeterpreis«, erläutert sie. In Delbrück habe sich der Sozialausschuss gerade für dieses Modell ausgesprochen, in Paderborn soll sich der »Runde Tisch Wohnen« in seiner nächsten Sitzung damit befassen.

Dreier: »Wir sind auf einem guten Weg«

»Wir wissen, dass es einen großen Bedarf an sozialem Wohnraum gibt, sind aber auch auf einem guten Weg«, sagte Bürgermeister Michael Dreier im Gespräch mit den Organisatoren des Aktionstags. Durch die neue Regelung, dass in allen neuen Wohngebieten 30 Prozent geförderter Wohnraum geschaffen werde müsse, würden gerade am Dr.-Rörig-Damm, am Brukterer Weg und den Springbachhöfen 300 Sozialwohnungen entstehen. 240 sollen auf dem Gelände der Alanbrooke-Kaserne dazu kommen sowie weitere später auch auf den 54 Hektar großen Barker Barracks sowie dem 20 Hektar großen Gelände der Dempsey-Kaserne. »Die Situation wird sich in den kommenden Jahren deutlich verbessern«, versprach Dreier.

»Das nutzt allerdings denjenigen wenig, die jetzt eine Wohnung brauchen«, weiß Ramona Martin von der Paderborner Senioreninitiative. Sie erzählt von einer 72-Jährigen, die ihre Wohnung nach dem Tod des Mannes alleine nicht mehr finanzieren kann. »Als sie sich nach einer kleinen günstigen Sozialwohnung erkundigt hat, wurde ihr gesagt, da müsse sie in fünf Jahren wiederkommen. Also muss sie jetzt 100 Euro ihrer Grundsicherung für die Wohnung abzwacken. Das geht gar nicht und ist leider kein Einzelfall.«

250 Paderborner unterzeichnen Petition des Bündnisses

Das gab auch Uwe Roensch von der Diakonie Michael Dreier mit auf den Weg: »Es gibt zu viele, die von ihren Sozialleistungen noch was fürs Wohnen abzwacken müssen. Es ist wichtig, dass die Mieten sich auch wirklich am Mietspiegel orientieren.«

250 Paderborner unterzeichneten beim Aktionstag am Samstag die Petition des NRW-weiten Bündnisses »Wir wollen wohnen!« – ein Zusammenschluss aus dem Mieterbund, DGB sowie Wohlfahrts- und Sozialverbänden. Damit wollen diese verhindern, dass die schwarz-gelbe Mehrheit, wichtige Regelungen zum Schutz der Mieter in NRW ersatzlos streiche. Deren Rechte müssten vielmehr gestärkt werden. Zudem sollen sich die Kommunen an der Schaffung von bezahlbaren Wohnungen beteiligen. In Paderborn sei die Gründung der kommunalen Wohnungsgesellschaft ein erster wichtiger Schritt.

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