Bürger diskutieren über Verwaltungs-Neubau in Paderborn
Kahlschlag am Marienplatz befürchtet

Paderborn (WB). 150 Zuhörer, sieben Referenten und eine rund dreistündige Debatte: Die Informationsveranstaltung zum Neubau der Stadtverwaltung hat viele Bürger mobilisiert. Die Diskussion sorgte für einige Überraschungen.

Sonntag, 07.04.2019, 20:11 Uhr aktualisiert: 08.04.2019, 06:48 Uhr
Die Marienstatue wird von zwölf Linden umsäumt, die bei der Umgestaltung des Platzes gefällt werden könnten. Dagegen gibt es nun erheblichen Protest. Foto: Ingo Schmitz

Wer eine Welle des Protests gegen den architektonischen Entwurf erwartet hatte oder gar Brandreden für die Durchführung des Bürgerbegehrens wurde eines besseren belehrt. Stattdessen drehten sich die meisten Fragen um eine andere Baustelle, die aber im Zusammenhang mit dem Neubau der Verwaltung steht.

Streit um Marienplatz

Denn auch der Marienplatz, der Platz am Abdinghof sowie der Franz-Stock-Platz werden verändert. Es soll der optische Lückenschluss zwischen Domplatz, Rathausplatz und Königsplätze vollzogen werden, sagte Bürgermeister Michael Dreier. Im bisherigen Entwurf des Landschaftsplaners Marian Enders ist vorgesehen, einen Großteil der Linden am Marienplatz zu fällen. Der Planer begründete seinen Vorschlag damit, dass eine freie Sicht auf die neue Verwaltung sowie eine Sichtbeziehung zwischen Innenstadt und Paderquellgebiet hergestellt werden soll. Die Stützmauer würde größtenteils verschwinden und damit auch ein Teil der Bäume.

Unterschriften gesammelt

Debatte über Neubau der Paderborner Stadtverwaltung

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Foto: Ingo Schmitz
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Gegen diese Pläne sind am Samstag die Paderborner Naturschutzverbände auf die Straße gegangen und haben in drei Stunden 633 Unterschriften gesammelt, bilanzierte deren Sprecher Fritz Buhr. Keiner verstehe, so Buhr, warum man die »idyllische Einheit aus Bäumen, Denkmal und Rondell ohne zwingenden Grund zerstören wolle.«

Die zwölf Linden stünden im symbolischen Zusammenhang zur Mariensäule. Von diesen Zusammenhängen war dem Planer aber bis dato nichts bekannt. Dechant Benedikt Fischer versprach, dass sich die Kirche als Eigentümerin des Platzes dafür einsetzen werde, dass hier keine »beliebige Freifläche« entstehe. »Wir wollen die religiöse Bedeutung des Platzes erhalten«, sagte er. Es müsse nun nach dem besten Kompromiss gesucht werden.

Kosten und Zeitplan

Kaum Fragen gab es zu den Kosten des Vorhaben. Sören Lühr (Gebäudemanagement) verwies darauf, dass das Gesamtprojekt inklusive Abriss, Neubau, Sanierung und Gestaltung der Plätze mit 69,5 Millionen Euro kalkuliert sei. 14 Millionen Euro kommen vom Land. Der jährliche Aufwand liege bei 1,3 Millionen Euro, was 0,2 Prozent der Gesamtaufwendungen der Stadt ausmache. Laut Zeitplan wird im kommenden Jahr abgerissen. Der Neubau soll 2021 starten. Die Fertigstellung ist für 2024 geplant.

Ungeklärte Details

Die beiden Architekten Martin Behet und Roland Bondzio wehrten sich gegen Kritik, dass der Entwurf sich nicht ins Stadtbild einfüge, der Komplex zu protzig und darüber hinaus beliebig sei. Behet betonte, dass das Gebäude für den Platz genau passend und verträglich sei. In der Frage, ob es retro oder modern sei, gingen die Meinungen auseinander. Jedenfalls sei es nicht austauschbar und es gebe auch nichts vergleichbares. Allerdings müssten noch einige Details geklärt werden, wie zum Beispiel die Barrierefreiheit innerhalb des Gebäudes. Bürgermeister Michael Dreier verwies auf den Gestaltungsbeirat, der die wesentlichen Detailfragen klären müsse. Architekt Bondzio verwies darauf, dass in dem Gremium nicht nur um die beste Lösung gekämpft werde, sondern dass man auch Hinweise aus der Bürgerschaft aufnehmen werde. Dreier kündigte an, dass es weitere Infoveranstaltungen geben soll.

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