Paderborner Wollfachgeschäft Filati besteht seit 50 Jahren
Stricken aus Leidenschaft

Paderborn (WB). »Ich kriege schon fast Entzugserscheinungen, wenn ich abends nichts zum Stricken habe«, sagt eine Kundin, als sie im Strickwarenladen Filati für Nachschub sorgt. Seit 50 Jahren gibt es das Geschäft nun schon in Paderborn.

Sonntag, 07.04.2019, 07:30 Uhr
Geschäftsführerin Doris Utermöhle (links) und Tochter Kathy Schreier freuen sich über das 50-jährige Bestehen. Seit nun 21 Jahren ist der Laden für Strickwaren und Kindermode in der Rathauspassage zu Hause. Foto: Lukas Brekenkamp

Gegründet wurde der Laden an der Giersstraße von Marlies Obermeier – damals trug das Geschäft auch ihren Namen. »Sie war eine echte Institution. Ihr Wort zählte immer«, berichtet ihre Tochter Doris Utermöhle. Sie führt den Laden nun seit vielen Jahren. »Dabei bin ich aber schon von klein an«, berichtet sie. Auch das Stricken begleitet sie seit Kindesalter. Ihr Kleiderschrank bestehe mittlerweile fast nur aus Selbstgestricktem. »Außer die Hosen vielleicht«, überlegt sie. Doris Utermöhle beobachtet mittlerweile einen Trend: »Es geht nicht mehr nur darum, etwas Schönes zu erstellen, sondern etwas Schönes in der Hand zu haben«, sagt sie. Früher habe man gestrickt, um etwas zu haben – heute stehe die Haptik der Strickwaren im Vordergrund. »Genussstricken« nennt sie das, wenn alles passt.

Angefangen hat alles in der Giersstraße, damals noch unter dem Namen von Marlies Obermeier.

Angefangen hat alles in der Giersstraße, damals noch unter dem Namen von Marlies Obermeier.

Wer meint, Stricken sei altmodisch – der irrt. Das merkt auch Doris Utermöhle. Sie leitet in Kooperation mit der Volkshochschule Strickkurse. »Das Publikum ist gemischt. Aber es sind viele junge Leute dabei«, sagt sie. Zum Teil sehe sie das auch an der Kundschaft ihres Geschäfts. Und auch modische Trends verfolgt Doris Utermöhle. Selbstgestricktes landet regelmäßig im Filati-Schaufenster. Die passenden Tipps und Hilfestellungen für die Umsetzung gibt es zur Wolle dazu. Was für sie das Besondere am Stricken ist? »Jeder schafft ein Unikat. Zehn Leute können das selbe Model stricken, trotzdem sehen alle unterschiedlich aus«, sagt sie. »Einen Pullover, den man selbst gestrickt hat, den liebt man – den hegt und pflegt man!«

Viele Kunden begleitet sie ein Leben lang. Einige kamen schon in den ersten Laden an der Giersstraße. Später im Jahr 1982 wurde ein zweites Geschäft am Westerntor eröffnet – die Wollecke. Der erste Laden zog wenige Jahre später von der Giersstraße an den Markt. Fünf Jahre gab es das Geschäft dort, ehe es 1991 geschlossen wurde. Das Geschäft am Westerntor zog vor 21 Jahren in die Rathauspassage und trägt mittlerweile den Namen Filati.

Dabei kann Doris Utermöhle auf einen (Woll-)Berg an Erinnerungen blicken. So nahm die Weltmeisterin im Stricken Raphaela Lücking 1977 auf dem Europawagen des Strickladens Platz. »Sie kam aus Höxter, später wurde sie unsere Kundin«, erinnert sich Doris Utermöhle genau. Insgesamt fünf Modenschauen wurden veranstaltet. Präsentiert wurde Selbstgestricktes – die Models waren Kunden. Seit 25 Jahren bietet der Laden auch Kindermode.

Und auch die dritte Generation ist mittlerweile Teil der Strickwelt: Tochter Kathy Schreier hilft immer wieder mit aus.

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