Gefährlicher Baustellenbereich zwischen Elsen und Paderborn-Zentrum
Warum kracht es so oft auf der A33?

Paderborn (WB). Immer wieder Lkw-Unfälle: Seit Anfang des Jahres sind im Baustellenbereich auf der A33 mehrere Menschen ums Leben gekommen und weitere schwer verletzt worden. Vor allem in dem Abschnitt zwischen Elsen und Paderborn-Zentrum kracht es. Das haben auch die Feuerwehr und Straßen NRW beobachtet.

Donnerstag, 04.04.2019, 01:00 Uhr aktualisiert: 04.04.2019, 06:42 Uhr
Die vier Fotos zeigen schwere Unfälle mit teilweise tödlichem Ausgang, die sich allesamt bereits in diesem Jahr ereignet haben. Der Bereich zwischen Schloß Neuhaus, Elsen und Paderborn-Zentrum ist zur Gefahrenstelle geworden. Foto: Feuerwehr/Jörn Hannemann

Paderborns Feuerwehrchef Ralf Schmitz verwies am Mittwoch auf die Statistik: »Wir hatten allein in diesem Jahr schon vier schwere Lkw-Unfälle zwischen Elsen und Paderborn-Zentrum .« Die Feuerwehr habe eine Zunahme von Unfällen durch die Baustelle vorhergesagt und kämpfe jetzt mit den Folgen. Das beste Gegenmittel seien zügige Bauarbeiten. Schmitz: »Ich denke, dass sich das Problem erledigt, wenn die Baustelle verschwunden ist. Denn vorher gab es dieses Problem ja nicht.«

Lastwagen überproportional beteiligt

Die Polizei registrierte nur im Januar und Februar 2019 auf dem Teilstück zwischen der Anschlussstelle Borchen und der in Schloß Neuhaus in beiden Richtungen zwölf Verkehrsunfälle. Im Bereich der Anschlussstelle Schloß Neuhaus hatte die Polizei schon länger »eine Häufung von Unfällen festgestellt und diese im Rahmen der Unfallkommission Autobahn mit der Bezirksregierung und Straßen NRW bereits am 6. 7. 2018 behandelt, um weitere Unfälle/Unfallhäufungen zu verhindern.«

In Baustellen komme es in erster Linie wegen zu hoher Geschwindigkeit, zu geringem Abstand und wegen der Ablenkung durch technische Geräte zu Unfällen, betont die Polizei. Lkw und Kleintransporter seien im Verhältnis zu ihrem Anteil am Gesamtverkehr (32,6 Prozent) auf den Autobahnen überproportional (41,2 Prozent) an Verkehrsunfällen mit Getöteten und Schwerverletzten beteiligt, heißt es in der Verkehrsunfallstatistik für 2018.

Bauarbeiten noch bis Mai

Der Gefahrenpunkt zwischen Elsen und Paderborn-Zentrum wird noch bis Mai bestehen, dann sollen die Bauarbeiten nach Angaben des Landesbetriebs Straßen NRW nach insgesamt einem Jahr abgeschlossen sein. Markus Miglietti von der für die A33 zuständigen Autobahnniederlassung Hamm sagte gestern dieser Zeitung, die aktuelle Verkehrsführung werde nur noch »zwei, drei Wochen« Bestand haben.

Auch Straßen NRW ist aufgefallen, »dass es hier momentan häufiger zu Unfällen kommt«. Der Landesbetrieb sieht bei sich aber keine Schuld. Bei einem Behördentermin im Vorfeld der Baustelleneinrichtung seien alle Beteiligten mit ins Boot geholt worden, darunter die Stadt und der Kreis Paderborn, die Autobahnmeisterei und die Autobahnpolizei.

Beschilderung eindeutig geregelt

Die Beschilderung von Baustellen sei in den »Richtlinien zur Sicherung von Arbeitsstellen an Straßen« eindeutig geregelt, sagte Markus Miglietti. So müsse zum Beispiel das erste Schild mindestens zwei Kilometer vor der Baustelle stehen und auf sie hinweisen. Die Einhaltung der Vorschriften werde kontrolliert, ein Mitarbeiter von Straßen NRW fahre zweimal am Tag die Baustelle auf der A33 ab.

Den Eindruck einiger Autofahrer, dort werde wochenlang nicht gearbeitet, wies Miglietti zurück: »Das ist vollkommener Blödsinn, dort wird jeden Tag gearbeitet.« Mit Einschränkungen müssen die Verkehrsteilnehmer auf der A33 aber noch lange leben. Ab Mai wandert die Baustelle nach Süden in Richtung Bad Wünnenberg.

Die Unfallhäufigkeit zwischen Elsen und Paderborn-Zentrum ist auch Rainer Mertens von der Fahrerakademie Paderborn aufgefallen. Dass die Ausschilderung der Baustelle die Ursache sein könnte, glaubt der Ausbilder von Lkw-Fahrern nicht: »Die versteht man.« Er vermutet, dass persönliche Befindlichkeiten der Brummifahrer die Auslöser sind: »Es kommt auf die Tagesform an: auf Gefühle, Stress im Dienst. Was hat der Kraftfahrer an diesem Tag schon alles hinter sich?« Zudem könnten ihn Navigationsgeräte oder Smartphones abgelenkt haben.

35 Stunden Weiterbildung nötig

Dass Kraftfahrer nicht wüssten, wie sie sich in einer Baustelle zu verhalten haben, glaubt Mertens nicht. Die Verhinderung von Unfällen in Baustellen sei ein fester Bestandteil der Aus- und Weiterbildung. Um nicht ihre Lizenz als Berufskraftfahrer und Busfahrer zu verlieren, müssten diese Personen nachweisen, dass sie sich mindestens 35 Stunden innerhalb von fünf Jahren weitergebildet haben.

Der Landesvorsitzende des Verbands für Verkehrswirtschaft und Logistik, Horst Kottmeyer (Bad Oeynhausen), mahnt die Lastwagenfahrer, die vorhandene Technik auch zu nutzen: »Die meisten Lkw haben Sicherheitsassistenzsysteme wie den Notbremsassistent, aber die kann man ausschalten. Leute, lasst die Technik an, sie hat eine Menge Geld gekostet und ist sinnvoll! Im Gegensatz zu den Menschen hat die Elektronik nie schwache Momente.«

Staus auch auf Umleitungsstrecken

Eng wird es bei Autobahnsperrungen auch auf den Umleitungsstrecken, die über Straßen ausgeschildert sind, die viel Verkehr aufnehmen können. »Es ist ganz normal, dass es dort trotzdem zu Rückstaus kommt. Problematisch wird es erst, wenn die Fahrer von den ausgeschilderten Bedarfsumleitungen abweichen und sich eigene, vermeintlich günstigere Strecken suchen«, sagt Lea Giesen aus dem Presseamt der Stadt Paderborn.

Am Dienstag habe das Ordnungsamt der Stadt eine Beschwerde aus Wewer erreicht, wo diejenigen, die sich eine Alternativumleitung gesucht hatten, in der Baustelle stecken geblieben waren. »Wir können nur dringend empfehlen, sich an die ausgeschilderte Bedarfsumleitung zu halten«, sagt Giesen.

Kommentare

Ralf Müller  wrote: 04.04.2019 11:58
Wenn wie bundesweit üblich, der Verkehr in beiden Fahrtrichtungen zweispurig an der Baustelle vorbeigeführt würde, wäre das "Problem" sofort gelöst!
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